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Hessen: Mutiger Ansatz

Stellten die Überlegungen der Regierungskoalition vor (v.l.): Dr. Walter Arnold (CDU) und Frank Sürmann (FDP). Foto: Dr. Klaus Röther © Dr. Klaus Röther

In Hessen werden Landesgesetze grundsätzlich alle fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt und neu beschlossen. Diese Gelegenheit wollen die Regierungsfraktionen CDU und FDP im Falle des Landesjagdgesetzes nutzen, um teils langjährige Forderungen der betroffenen Verbände umzusetzen: „Wir haben zuvor mit allen Interessengruppen wie Landesjagdverband, Bauernverband, Waldbesitzern und Naturschutzverbänden gesprochen“, erläuterten Dr. Walter Arnold (CDU) und Frank Sürmann (FDP) bei der Vorstellung der neuen Gesetzesvorschriften gegenüber der Presse.
Die beiden Landesparlamentarier sind selbst seit vielen Jahren Jäger und jagdpolitische Sprecher ihrer Landtagsfraktionen. Ihr erklärtes Ziel: „Vernünftige und praxisnahe Regelungen", die für ein verträgliches Miteinander von Wild, Wald und Flur – und deren Nutzer sorgen.
Die Betroffenen beobachten das wohl sehr genau: „23.000 hessische Jäger sehen der Novellierung des Jagdgesetzes erwartungsvoll entgegen“, sind sich die beiden sicher. Proteststürme von Jägern, die sich – wie im Saarland und in Rheinland-Pfalz geschehen – vehement gegen ihnen wirklichkeitsfremd und ideologisch erscheinende Winkelzüge im Jagdwesen erheben, bleiben in Hessen sicherlich aus. Dass jedoch die eine oder andere geplante Neuregelung auf die Kritik des Landesjagdverbandes und der Jäger stößt, zeichnet sich allerdings ab. Der Landesjagdverband hat sogar schon Gesprächsbedarf signalisiert.
Der Gesetzentwurf, der demnächst in die erste Lesung des Landtags geht, enthält etliche bemerkenswerte Neuregelungen fünf, davon ragen besonders heraus:
  1. Das Verbiss-Gutachten für Rehwild entfällt dort, wo sich Forst und Jagd einig sind, dass der Rehwildverbiss keine Rolle mehr für die Waldverjüngung spielt. Was in Hessen auf dem überwiegenden Teil der Fläche der Fall ist.
  2. Die Grundeigentümer (Jagdgenossenschaft) sollen 0,5 Prozent der Revierfläche für Äsungsflächen bereitstellen.
  3. An den beiden Ausgängen von Grünbrücken (Wildbrücken über Autobahnen) ist die Jagd im Umkreis von 300 Metern verboten.
  4. Je volle 100 Hektar Jagdfläche ist künftig nur noch eine Schwarzwildkirrung zulässig. Die Kirrungen müssen von der Jagdbehörde nicht mehr genehmigt, sondern dieser nur noch angezeigt werden.
  5. Hochwildgebiete können – entsprechend der tatsächlichen Einstandsgebiete etwa des Rotwildes – flexibel abgegrenzt werden.
Aber auch auf anderen Gebieten lässt der Entwurf zum Teil gravierende Änderungen erwarten. Im Einzelnen ist folgendes geplant:
  • Die Jagdzeit auf Rotwild wird um zwei Wochen verkürzt und endet am 15. Januar. Schmaltiere und Schmalspießer können schon im Monat Mai bejagt werden.
  • „Illegale“ Muffel-, Dam- und Sikawildgebiete, die schon vor dem Jahr 2000 existierten, erhalten einen jährlichen Abschussplan und werden quasi nachträglich legalisiert.
  • Für Reviere außerhalb der Hochwildgebiete wird grundsätzlich der Abschuss von zwei männlichen und zwei weiblichen Stück Schalenwild festgesetzt.
  • Die befestigten Waldwege dürfen nachts von den Waldbesuchern nicht verlassen werden.
  • Die Jagd mit Bleischrot auf Wasserwild wird untersagt.
  • Für Rehwild kann in einer Hegegemeinschaft auf deren Antrag ein dreijähriger Gesamtabschussplan eingeführt werden.
  • Für Nachsuchen über die Reviergrenzen hinweg (ohne vorherige Benachrichtigung des jeweiligen Jagdausübungsberechtigten) kann die Jagdbehörde auf Vorschlag der Hegegemeinschaft anerkannte Schweißhundeführer benennen.
  • Wild darf nur dann mit Saftfutter wie Rüben und Silage gefüttert werden, wenn Jagd- und Veterinärbehörde eines Landkreises eine Notzeit festgestellt haben. Für die Fütterung muss die Hegegemeinschaft ein für alle Reviere verbindliches Fütterungskonzept erarbeiten. Während einer Notzeit ist die Jagd auf wiederkäuendes Schalenwild verboten.
  • Die Jagdzeit auf Dachse wird vom 1. Juli bis 31. Januar verlängert, Nilgänse erhalten (als eine Entenart, so die neuesten Forschungsergebnisse) eine Jagdzeit vom 1. September bis 15. Januar, junge Ringeltauben (ohne weißen Halsfleck) können auch während der Schonzeit der älteren Ringeltauben bejagt werden, Grau- und Kanadagänse vom 1. August bis 31. Oktober.
Bis zur endgültigen Verabschiedung der Jagdgesetz-Novelle im Landtag könnte natürlich der eine oder andere Passus noch geändert werden. Dr. Klaus Röther

Link: Der komplette Entwurf zum Hessischen Landesjagdgesetz