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Helmut Hofmann GmbH: „Hier geht es uns wie der Gastronomie"

Sascha Numßen, Chefredakteur © dlv
Sascha Numßen
am
Dienstag, 12.05.2020 - 19:07
Helmut-Hofmann © Helmut Hofmann
Detlef Reuss (2. v. li.), Geschäftsführer der Helmut Hofmann GmbH mit Partnern der Firma Remington.

PIRSCH: Welche Maßnahmen musste die Helmut Hofmann GmbH beim „Shutdown“ veranlassen?

Detlef Reuss: Wir mussten die in Bayern vorgegebenen Standard-Hygienemaßnahmen umsetzen und haben unsere Betriebseinrichtungen für Besucher gesperrt. Da wir nur als Importeur und Großhändler agieren und daher auch vor „Corona“ sehr wenig Publikumsverkehr hatten, war dies ohne größeren Aufwand zu bewerkstelligen.

PIRSCH: Sie haben extrem viele US-Produkte im Portefolio – sind auch Lieferketten zusammengebrochen?

Detlef Reuss: Nein, ganz und gar nicht. Wir haben bisher einen sehr gut funktionierenden Warenzugang. Der US-Markt ist zwar durch die Corona-Krise in Kombination mit der anstehenden Präsidentenwahl am ‚Boomen‘, jedoch betrifft dieser ‚Boom‘ nur einen sehr geringen Teil der von uns importierten Artikelauswahl (keine jagdlich relevanten). Durch die in vielen anderen EU-Staaten sehr konsequenten Maßnahmen zur Eindämmung der Virusinfektion, wurden in diesen Ländern auch Großhandels- und Importunternehmen, neben dem klassischen Einzelhandel, auf unbestimmte Zeit geschlossen. Viele dieser Unternehmen haben ihre geplanten US-Aufträge storniert oder die Belieferung auf unbestimmte Zeit verschoben. Wir konnten davon profitieren und unsere Bestellungen teilweise mit geringerem Vorlauf abwickeln.

Seit Öffnung der Fachgeschäfte eine verstärkte Nachfrage

PIRSCH: Wie haben sich Ihre Absatzzahlen national, also die Verkäufe über die systemrelevanten Büchsenmacher, in der Krise entwickelt?

Detlef Reuss: Betrachtet man das 1. Quartal plus den Monat April 2020, so können wir durchaus zufrieden sein. Man muss davon ausgehen, dass wir mit einer IWA-Fachmesse im März sowie geöffneten Fachgeschäften und Schießständen einen höheren Umsatz hätten erzielen können, jedoch ist es müßig sich die Fragen des „was wäre wenn“ zu stellen. Seit der Öffnung der Fachgeschäfte Ende April/ Anfang Mai sehen wir eine verstärkte Nachfrage, die hoffentlich sehr lange anhalten wird.

PIRSCH: Welche Vertriebsmaßnahmen treffen Sie, um die eventuelle Umsatzeinbußen wieder aufzuholen?

Detlef Reuss: Wie sicherlich alle Unternehmen, werden wir versuchen durch ein gutes Preis/ Leistungsverhältnis unserer Produkte sowie auf diverse Jagdzeiten abgestimmte Angebote Kunden zu gewinnen. Munitionsumsätze vor allem für Sportschützen-Munition, die durch Ausfälle von Trainings- oder Wettkampfmöglichkeiten entstanden sind, können wir sicherlich nicht mehr aufholen. Hier geht es uns wie der Gastronomie. Der Kunde, der vergangenen Monat kein Training mangels Schießstandverfügbarkeit durchführen konnte, wird deshalb nicht die doppelte Menge im Folgemonat verschießen.

PIRSCH: Was sagt der Geschäftsführer eines großen Unternehmens – hat/ haben der Bund/ die Länder bei den Corona-bedingten Maßnahmen alles richtig gemacht oder überreagiert?

Detlef Reuss: Nun, das ist eine spannende und interessante Frage. Meiner subjektiven Meinung nach haben wir in Deutschland im Großen und Ganzen wohl besser reagiert als einige andere Staaten dieser Erde (siehe die uns mitgeteilten Fall- und Todeszahlstatistiken). Ein früheres, besser koordinierte  sowie in einigen Teilebereichen (z.B. Einreise an internationalen Flughäfen) konsequenteres Handeln wäre sicherlich vorteilhaft gewesen. Die Thematik wird uns mit ihren Auswirkungen und ihrer Komplexität noch einige Jahre begleiten und mir schon heute ein Maßnahmenurteil zu erlauben, ist auf der mir zugänglichen Faktenlage nicht möglich.


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