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Hartes Urteil für "Wolfs"-Schützen

Der im Westerwald von einem 71-jährigen Jäger geschossene "Wolf". Foto: Polizei © Polizei

Der Prozess wegen des am 20. April vorigen Jahres bei Hachenburg im Westerwald erschossenen Wolfes endete mit einer Überraschung. Nicht geklärt wurde vom Amtsgericht Montabaur nämlich, ob es wirklich der erste seiner Art in Rheinland-Pfalz seit rund 130 Jahren war. Denn die Frage, ob das erschossene Tier - der angeklagte Jäger will auf einen wildernden Schäferhund geschossen haben - ein Wolf oder ein Hund war, ließ das Gericht offen. Richter Jens Kaboth verurteilte den Jäger aus Bad Honnef nur nach dem Tierschutzgesetz, weil der ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund geschossen habe. Das Strafmaß betrug 70 Tagessätze zu 50 Euro, also 3.500 Euro. Damit lag es unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die 4.000 Euro gefordert hatte, aber in einem Bereich, der den Jagdschein kosten kann.
Es sei unerheblich, so der Richter, ob es sich tatsächlich um einen Wolf oder einen Hund handelte. Der Angeklagte habe nicht unbedingt mit einem Wolf in der Region rechnen müssen. Einen fahrlässigen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz sah er deshalb nicht. Denn der Jäger erklärte vor Gericht, keine Artikel über das kurz zuvor erstmals gesichtete Tier gelesen zu haben. In den Zeitungsberichten war damals die Rede von einem Wolf. "Das muss man ihm glauben", so der Richter. Auch am dritten Verhandlungstag am 17. Januar, bereits im Dezember hatte es zwei Verhandlungen gegen den Jäger gegeben, blieb die Kernfrage "Wolf oder nicht Wolf" ungeklärt. Vor dem Amtsgericht Montabaur waren sich Experten uneins, das bessere Argument hatten allerdings die Anhänger der Variante Wolf.
Mehrere Experten des Frankfurter Forschungsinstituts Senckenberg bekräftigten, dass es ein Wolf war. Die aus dem Kadaver gewonnene DNA war mit 50 Proben deutscher und italienischer Wölfe verglichen worden, so ein Gutachter. Das Ergebnis: Das Tier hat den Genotyp W14 und gehört zu einer italienischen Wolf-Unterart, somit zur sogenannten Italienischen Alpenpopulation. Ein Verhaltensbiologe, den die Verteidigung aufbot, bezweifelte dagegen, dass der Kadaver ein Wolf sei, unter anderem deswegen, weil das Tier auf einem möglichen Weg von den Alpen bis in den Westerwald hätte auffallen müssen.
Der Angeklagte hatte das Tier nach eigener Aussage für einen Schäferhund gehalten, der zwei Rehe verfolgte. Eine Nachuche nach dem Schuss auf das Tier unterließ der Jäger, meldete sich erst Tage nach den ersten Zeitungsmeldungen über einen tot gefundenen Wolf bei der Polizei. Der tote Vierbeiner wäre nach Experteneinschätzung tatsächlich der erste Wolf im Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz seit rund 130 Jahren. Der letzte Wolf war in 1879 im Westerwald getötet worden. Für den Richter war es Nebensache, welches Tier der Jäger erschoss. Er bezweifelte, dass es tatsächlich gewildert habe. Es habe daher keinen Grund für eine Tötung gegeben, egal welcher Gattung es angehöre. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
PB