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Hantavirus: Eine unterschätzte Gefahr

In Süd- und Westdeutschland übertragt vorwiegend die Rötelmaus das Virus. © Eike Mross

Oft entdeckt man nur ihre Hinterlassenschaften in Kanzeln, Jagdhütten oder Holzpoltern. Viele von uns machen sich darüber keine großen Gedanken. Doch birgt der Kot der Rötel- oder der Brandmaus eine Gefahr für den Menschen. Sie gelten hierzulande als häufigster Überträger des Hantavirus.

Das Hantavirus wird von infizierten Nagetieren übertragen und zählt laut Infektionsschutzgesetz zu den meldepflichtigen Erkrankungen. Der Erreger wird über Speichel, Urin und Kot ausgeschieden und kann darin noch mehrere Tage infektiös bleiben. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) erfolgt eine Ansteckung für den Menschen über die Atemwege, den direkten Kontakt mit verletzter Haut oder einem Biss. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bei den hier vorkommenden Viren auszuschließen.

"Mit Rückenschmerzen hat es angefangen"

Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko betrifft vor allem Personengruppen, die sich vermehrt im Wald aufhalten, wie beispielsweise Jäger, Förster oder Forstwirte. Besonders zwischen April und September ist mit Ansteckungen zu rechnen.

„Mit Rückenschmerzen hat es angefangen. Später hatte ich Gliederschmerzen am ganzen Körper“, berichtet Forstwirt Jannik Bahlinger. Er hatte sich mit dem Virus angesteckt. Später kam noch Erbrechen und Abgeschlagenheit hinzu. Ein Bluttest im Krankenhaus brachte Gewissheit.

Laut Robert-Koch-Institut können folgende Symptome auftreten (Merkblatt):

  • hohes Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Bauch-, Rückenschmerzen
  • Blutdruckabfall
  • Nierenfunktionsstörung, Nierenversagen

Jährliche Schwankungen

Die Zahl der Infektionen mit Hanta-Viren schwankt deutlich von Jahr zu Jahr. Dies hängt vermutlich mit der Zahl der infizierten Nagetiere zusammen. Anhand der Meldedaten beim Robert-Koch-Institut stechen besonders die Jahre 2007, 2010, 2012 und 2017 heraus. In diesem Jahr haben sich bereits über 200 Personen angesteckt. Regional sind vornehmlich betroffen: Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Spessart, Teutoburger Wald, Münsterland und Nordost-Hessen.

Vorsichtsmaßnahmen treffen

Steht der Frühjahrsputz im Revier an, und Kanzeln und Hütten werden ausgekehrt, sollten dabei Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Vorheriges Anfeuchten des Staubes hilft ein starkes Aufwirbeln zu vermeiden. Das Tragen von Handschuhen sowie eines Atemschutzes wird laut RKI empfohlen. „Mäusekadaver und Exkremente sollten vor der Entsorgung mit Desinfektionsmittel benetzt werden“, so das RKI weiter.


Eva Grun hat mit 16 Jahren ihren Jugendjagdschein gemacht, jagt im Frankenwald und ist seit 2019 Volontärin bei den dlv-Jagdmedien.
Eva Grun mit Drahthaar.