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Handel mit Rabenvögeln: Hausdurchsuchung bei Schleppwildhändlern

Redaktion jagderleben
am
Sonntag, 14.02.2021 - 16:18
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Bei der Krähenjagd ist auf Jagdhunde nicht zu verzichten – jedoch müssen diese auch auf Rabenvögel eingearbeitet werden. © MW
Bei der Krähenjagd ist auf Jagdhunde nicht zu verzichten – jedoch müssen diese auch auf Rabenvögel eingearbeitet werden.

Bereits Ende 2020 hat die Anzeige einer Tierrechtsorganisation gegen Schleppwildhändler in Deutschland für Aufsehen gesorgt. Nun kam es in Bayern bei zwei Händlern zu Hausdurchsuchungen. Der Vorwurf: Der Handel mit Arten, wie z.B. Rabenkrähen, Eichelhäher oder Elstern, die unter Naturschutz stehen.

Für ihn sei die Durchsuchung seiner Geschäftsräume völlig überraschend gewesen, berichtet einer der betroffenen Händler gegenüber der Redaktion. Im Vorfeld sei er über die Anzeigen nicht informiert worden, erst aus den Medien habe er davon erfahren – auch, dass es vermutlich ihn betreffen könnte. Daraufhin wurde er selbst aktiv und kontaktierte seine untere Jagdbehörde. Diese gingen ebenfalls davon aus, dass der Verkauf nicht erlaubt sei, konnte jedoch keine rechtssichere Auskunft geben. Dennoch entschloss sich der Händler dazu, alle Rabenvögel aus seinem Sortiment zu entfernen. 

Kripo beschlagnahmte Datenträger und Geschäftsbücher

Bei der Durchsuchung Anfang dieser Woche beschlagnahmte die Kriminalpolizei nun alle Rabenvögel und brachte diese zur Tierkörperbeseitigung. Gegenüber der Redaktion bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Deggendorf die Durchsuchung.

Eine Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Deggendorf hatte die Durchsuchung der Wohn- und Geschäftsräume des Beschuldigten angeordnet. Dem Mann werde ein "gewerbsmäßiges Anbieten zum Kauf besonders geschützter Tiere gem. §§ 44 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2, 71 a Abs. 1 Nr. 3 des Bundesnaturschutzgesetzes zur Last gelegt." Dieser Straftatbestand enthält einen Strafrahmen, der von Geldstrafe bis zur Freiheitsstrafe von 5 Jahren reicht, so die Staatsanwaltschaft.

Neben den Rabenvögeln beschlagnahmten die Beamten auch sämtliche Datenträger und stellten die Geschäftsunterlagen der vergangenen drei Jahre sicher. Wie viele Rabenvögel genau mitgenommen und vernichtet wurden, kann der Beschuldigte auf Nachfrage der Redaktion nicht mitteilen. Er gehe von rund 150 bis 200 Vögeln aus. Warum das Federwild vernichtet wurde, konnte man ihm nicht mitteilen, so der Händler weiter. Sein angebotenes Schleppwild stammt von Jägern aus Bayern und aus seiner eigenen Jagd – dort, wo auch die Rabenvögel legal beschossen werden dürfen.

Ausbildung zu brauchbaren Jagdhunden

Der Jäger versteht nicht, warum eine Verwertung der erlegten Vögel in Deutschland anscheinend verboten sei. Eine sinnvolle Verwertung von erlegten Tieren solle immer im Vordergrund stehen. Nicht nur ihm als Händler würden dadurch Probleme entstehen, denn auch Jäger müssen die Möglichkeit haben, ihre Jagdhund vernünftig ausbilden zu können – dazu gehöre auch die Arbeit mit Rabenvögeln.

Unverständnis zeigt der Beschuldigte auch im Hinblick auf das zuständige Landratsamt. Dort sei seit der Anmeldung seines Gewerbes immer bekannt gewesen, dass auch mit Rabenvögeln gehandelt wird, es habe diesbezüglich nie Probleme gegeben.

Andere Händler wurden schriftlich kontaktiert

Auch bei einem weiteren Schleppwildhändler in Bayern wurde die Räumlichkeiten durchsucht und Rabenvögel beschlagnahmt. Hier sah man jedoch bisher von einer Vernichtung ab. Dem Händler wird ebenfalls ein "Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz durch den Besitz bzw. möglichen Vertrieb von geschützten Tierarten" vorgeworfen, so die zuständige Staatsanwaltschaft Landshut. Da es sich um ein laufendes Ermittlungsverfahren handelt und man noch ganz am Anfang stehen würde, seien weitere Auskünfte derzeit nicht möglich.

Nach Information der Redaktion wurden Schleppwildhändler in anderen Teilen Deutschlands bisher nur schriftlich kontaktiert. Ein Händler aus Nordrhein-Westfalen gab an, dass er bislang nur einen Anhörungsbogen der Polizei erhalten hat. Eine Durchsuchung oder Beschlagnahmung habe dort noch nicht stattgefunden. Das Geschäft wurde von ihm vor fünf Jahren von seinem Vorgänger übernommen und genauso weitergeführt. Als die Vorwürfe bekannt wurden, nahm er die betreffenden Vogelarten umgehend aus seinem Shop.

Gegenüber der Redaktion gab der Deutsche Jagdverband an, dass ein Verkauf bestimmter Arten, die dem Naturschutzgesetz unterliegen, tatsächlich nicht erlaubt sei. Möglicherweise entstehen durch die jetzigen Ermittlungen auch rechtliche Konsequenzen für Jäger, die den Schleppwildhändlern die Rabenvögel ver- bzw. abgekauft haben.

Eva Grun, Kathrin Führes und Rasso Walch


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