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Hagel erschlägt Gatterwild

Vollrad Ritter von Poschinger mit den vom Unwetter getöteten Jungtieren. Foto: Sabine Hermsdorf © Hermsdorf Sabine

Nur rund 20 Minuten hat am vergangenen Freitag ein Hagelsturm im oberbayerischen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gedauert. Das genügte, um eine Schneise der Verwüstung vor allem in den Ortschaften Beuerberg, Herrnhausen und Geretsried zu hinterlassen. Den entstandenen Schäden nach muss es ein wahres Inferno gewesen. Hagelkörner, die die größe von Tennisbällen erreichten schwirrten wie Geschosse durch die Luft und schlugen beim Auftreffen alles kurz und klein – Dächer, Scheiben, Feldfrüchte. Rettungskräfte konnten zeitweise von ihren Stützpunkten gar nicht ausrücken, weil der Hagel die Scheiben ihrer Fahrzeuge sofort zertrümmert hätte. Feuerwehrfahrzeuge, die es im Einsatz "erwischte" sehen dementsprechend aus.
Wie geht Wild mit derartigen Unwettern um? Bringt es sich rechtzeitig in Sicherheit? Über Verluste in freier Wildbahn ist zunächst nichts bekannt geworden. Anders jedoch beim Gatterwild. Hier hat der Sturm seinen Tribut gefordert.
Das Wort „Idylle“ würde das Gut Waltersteig und seine Lage in der Gemeinde Eurasburg ideal beschreiben. Normalerweise. Nicht aber am Tag nach dem Unwetter. Es hat den Hof von Vollrad von Poschinger verwüstet. Seit über 20 Jahren werden dort Rot- und Damhirsche artgemäß gehalten, insgesamt rund 100 Stück. Wie es auf der Homepage des Betriebs heißt, ernähren sich die Tiere "fast ausschließlich vom aufwachsenden Gras", nur im Winter werde "Heu und Grassilage" zugefüttert. Die Hirsche liegen von Poschinger sehr am Herzen. Um so Schlimmer die Bilanz, die der Gatterbesitzer nach dem Hagel-Unwetter ziehen musste: Vier seiner Hirschkälber und ein Muttertier wurden von tennisballgroßen Eisklumpen erschlagen. „Es war ein Schock“, sagt von Poschinger nach dem grauenhaften Fund: Als er ins Gehege kam, waren die Kälber bereits tot, das Muttertier musste notgeschlachtet werden. Drei weitere Tiere wurde verletzt, werden nach der Einschätzung ihres Halters aber mit dem Leben davon kommen. Dennoch ist dem verbliebenen Rudel auch am "Tag danach" die Verunsicherung anzumerken. Die Tiere wirken extrem verstört, halten sich eng beieinander und äsen nicht richtig. Vollrad von Poschinger hat daneben jedoch noch andere Sorgen. Die Schäden, die an seinen Gebäuden entstanden sind, sind enorm: Die Dächer gleichen einem Sieb. Zudem sind viele Triebe an den Pflanzen einer Christbaumplantage – das zweite Standbein seines Betriebes – zerstört. Dennoch bleibt er gelassen: Die Hauptsache sei, dass niemand verletzt wurde. Alles andere lasse sich richten, diktiert der Gutsbesitzer einer Reporterin seiner Heimatzeitung in den Block. RJE