+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 94 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 27.10.2020) +++
Home News Grünbrücken dank „Friedl“?

Grünbrücken dank „Friedl“?

am
Samstag, 19.09.2015 - 02:00
Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg haben Luchs "Friedl" vor wenigen Monaten besendert. Foto: FVA © FVA
Wissenschaftler der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg haben Luchs "Friedl" vor wenigen Monaten besendert. Foto: FVA

Bereits seit 2005 hat der Landesjagdverband (LJV) die Patenschaft für in Baden-Württemberg nachgewiesene Luchse übernommen. Aktuell gilt diese besonders einem „Friedl“ genannten Exemplar der gefleckten Katze, das vor fünf Monaten im Schwarzwald aufgetaucht war und dort besendert werden konnte. Seitdem liefert Friedl den Experten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg Daten über seine Wanderwege.
Erste Ergebnisse dazu wurden kürzlich vom zuständigen Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Stuttgart präsentiert. Demnach hat das besenderte Tier in den vergangenen Wochen weite Strecken zurück gelegt. Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, hat Minister Alexander Bonde (Grüne) persönlich dargestellt: „Die bisherigen Daten zeigen, dass der Luchs sich vom Mittleren Schwarzwald bis nach Ulm und von dort aus weiter Richtung Stuttgart bewegt hat. Das zeigt uns, wo sich Wildtiere in unserer Landschaft gut bewegen können und wo sie auf Barrieren treffen. Autobahnen sind beispielsweise für viele Tiere ein unüberwindbares Hindernis. Die Daten aus dem Luchsmonitoring leisten einen wertvollen Beitrag, um die Durchlässigkeit der Landschaft für Wildtiere besser zu verstehen – und verbessern zu können, beispielsweise durch Grünbrücken über große Straßen. Grünbrücken schützen auch Autofahrer vor gefährlichen Zusammenstößen mit Wildtieren“, so der Politiker.
In der Tat zeigt eine vom Monitoring-Team erstellte Karte, dass Friedl zuletzt ein beträchtliches Stück direkt an der Autobahn A8 Stuttgart-Ulm entlanggewandert ist. Ein Hinweis darauf, dass diese Fernstraße von dem Luchs offenbar als Hindernis wahrgenommen wird. Die A81 hingegen hatte Friedl zuvor ohne längeren Aufenthalt hinter sich gelassen. Die Experten vermuten, dass er diese unter der Neckartalbrücke queren konnte.
In einem 2008 verabschiedenten Positionspapier hat der Deutsche Jagdverband (DJV) gemeinsam mit dem Naturschutzbund (NABU) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) „Wildtierkorridore jetzt!“ gefordert und entsprechende Planungshilfen vorgestellt. Wobei man nicht alleine dem Luchs, sondern „Wildtieren vom Käfer bis zum Hirsch“ die Querung derartiger Barrieren ermöglichen will.
JMB