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Großdemo vor Wintergatter

Demonstranten zusammen mit Tessy Lödermann und der Vorstandschaft der "Jagenda 21". Foto: CM © CM
Das öffentliche Interesse an der Demo gestern in Garmisch-Partenkirchen war groß. Foto: CM © CM

Das öffentliche Interesse an der Demo gestern in Garmisch-Partenkirchen war groß. Foto: CM

Tessy Lödermann, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes (Landesverband Bayern) und Thomas Bär von der "Jagenda 21" hatten daraufhin gemeinsam ihre Aktion ins Leben gerufen. „Die Schmerzgrenze ist erreicht, was den Umgang mit unserem Wild angeht. Hier treffen sich die Interessen von verantwortlichen Jägern und Tierschützern“, erklärte ein Teilnehmer der Demonstration.
Hintergrund der Maßnahme ist das Auftreten von Rinder-Tuberkulose in einigen landwirtschaftlichen Betrieben im Allgäu und angrenzenden Landkreisen. Seit 2009 wird auch Rotwild in den Landkreisen vom Bodensee bis Berchtesgaden untersucht. Bisher ist die Anzahl positiver Proben beim Wild, wie beim Viehbestand weit unter den Schwellenwerten gelegen, die ein Greifen des Tierseuchengestzes rechtfertigen.
Doch einige bayerische Landtagsabgeordnete und Interessensvertreter wollten diesmal besonders gründlich sein und plädierten für einen wilden Schnellschuss: Der Umweltausschuss stellte den Antrag an die bayerische Staatsregierung, noch vor dem Öffnen der Wintergatter Dutzende von Tieren zu erlegen – jeweils etwa zehn Prozent des Gatterbestandes. Sollte dabei ein ppositives Tier auftreten, „könnten sofort geeignete Maßnahmen ergriffen werden“.
Ohne einen entsprechenden Beschluss des Landtags abzuwarten, haben daraufhin die Landratsämter am Alpenrand in voraus eilendem Aktionismus den Abschuss bei den Betreibern von Wintergattern angeordnet – die Bayerischen Staatsforsten wollten natürlich „mit gutem Beispiel“ vorangehen.
Tessy Lödermann ist entsetzt: „Kein Mensch versteht und es ist fachlich auch nicht begründbar, warum jetzt kurz vor der Öffnung der Wintergatter unter Aufhebung des Bayerischen Jagdgesetzes und absolut tierschutzwidrig in den Gattern geschossen werden soll, zumal noch hunderte nicht untersuchten Proben in den Tiefkühltruhen des Bayerischen Landeamtes für Gesundheit vor sich hingammeln.“
Doch namhafte Juristen hatten schnell den sandigen Boden erkannt, auf dem die Anordnung gebaut worden war: Das Tierseuchengesetz greift gar nicht, der Abschuss im Gatter verstößt gegen das Tierschutzgesetz, auch waffenrechtliche Bedenken wurden nicht überzeugend gelöst. Ohne Not wurden so Betriebe und jeder einzelne Schütze möglicherweise in die Illegalität getrieben.
Die Landratsämter haben mittlerweile zurück gerudert. Und am Dienstag, dem 9. April befasst sich der Bayerische Landtag mit dem Vorschlag des Umweltausschusses. Tessy Lödermann und ihre Mitstreiter hoffen, dass nun sachkundig und zielorientiert entschieden wird und einer Ausbreitung der Tuberkulose mit geeigneten und legalen Mitteln entgegen gearbeitet wird.
CM