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Gnadenfrist für Muffel

Ohne Zukunft? Vier der insgesamt 18 Wildschafe im Bereich Kösching. Foto: P. Smischek © P. Smischek

Ohne Zukunft? Vier der insgesamt 18 Wildschafe im Bereich Kösching. Foto: P. Smischek


Die Petitionsinitiatorin Ninja Winter und der Vorsitzende der Kreisgruppe Ingolstadt im Bayerischen Jagdverband, Peter Smischek, übergaben im Regierungssitz von Oberbayern die Unterschriftenlisten an Karl Traunspurger, den leitenden Regierungsdirektor für Sicherheit und Ordnung. Winter und Smischek wollen unbedingt ein 18-köpfiges Muffelrudel im Bereich der Hochwildhegegemeinschaft (HHG) Kösching erhalten. Die zuständige untere Jagdbehörde hatte für dieses Vorkommen einen Totalabschuss verfügt (wir berichteten). Nach kurzer Begrüßung in der Eingangshalle erfolgte ein Vertrauensgespräch, die Presse war ausgeschlossen. Beim Verlassen des Gebäudes bekam jagderleben eine Regierungserklärung gereicht, die Hoffnung schwinden lässt.
Kurz zusammengefasst: Das Landratsamt Eichstätt als zuständige untere Jagdbehörde hat alle Betroffenen angehört. Die Beteiligten (Jagdgenossen, Hegegemeinschaft, Forstbetrieb, AELF und Jagdbeirat) seien mit Ausnahme der Revierinhaber gegen den Erhalt der Muffel. Ebenfalls wären 90 Prozent der Tiere krank. Die Begründung, dass bereits vor 1974 das Wild dort heimisch gewesen sei und somit „gehegt werden darf“ (wir berichteten hier), stimme nicht. Die Belege bezögen sich auf andere Gebiete. Nachdem auch die Hegegemeinschaft akzeptiert habe, dass die Muffel dort nicht hin gehören, hätte das Landratsamt den Abschussplan festgesetzt. „Das heißt, dass die vorhandenen 18 Stück aus der freien Wildbahn genommen werden.“ Nun habe jedoch die Regierung aus Rücksicht auf die Petition die zuständige Behörde gebeten, den Abschussvollzug auszusetzen, bis über die Petition entschieden ist.
Die Regierungs-Aussagen weist Smischek vehement zurück. Es ginge um eine vollkommen andere Population, als von der die Behörde spreche. Diese zwei Bestände seien durch eine Autobahn und durch eine Bahntrasse von einander getrennt. Auch hätte keinesfalls der Großteil der Tiere eine Schalenkrankheit.
Nach dem vertraulichen Gespräch zeigten sich die Muffel-Freunde dennoch zufrieden. Man habe sachlich und emotionslos diskutiert. Das Ergebnis: Den Petitions-Initiatoren wurde eine drei monatige Frist gesetzt. Wenn sie es schaffen, Zeitzeugen zu finden, die bestätigen und unterschreiben, dass vor 1974 der Wildschafbestand nach Abschussplan bejagt wurde, werde man nochmal über den verfügten Totalabschuss reden. „Wir haben genügend, die das beweisen können“, sagte Smischek gegenüber jagderleben. Und auch wenn es dem Rudel trotzdem an den Kragen gehen sollte, will sich der Jäger nicht geschlagen geben: „Wir werden nicht kampflos aufgeben!“
BS