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Gepickte Bomben

Einige der geplatzten Kröten, hunderte davon wurden gefunden. Foto: Lucks


Anwohner hatten die Kadaver bei Gehrde (Bersenbrück) am Heller Binnenbach entdeckt. Georg Lucks, Geschäftsführer vom Unterhaltungsverband „Mittlere Hase“, machte sich vor Ort ein Bild. Er konnte zwar schnell eine Verunreinigung des Wassers ausschließen, einen Reim auf den wahren Grund hatte er aber nicht. Doch ein herbeigerufener Kollege wusste, wer die Amphibien auf dem Gewissen hat. Denn vor rund 10 Jahren gab es ein ähnliches Phänomen in Hamburg. Damals wurden an einem Tümpel über Tausend Kröten gefunden. Wissenschaftler suchten tagelang ergebnislos nach der Ursache. Ein Berliner Experte konnte schließlich Antwort geben und daran erinnerte man sich jetzt.
Der Tierarzt Dr. Frank Mutschmann hatte die Hamburger Kadaver untersucht und festgestellt, dass einigen die Leber fehlte. Verantwortlich dafür sind Krähen. Diese mögen offenbar ausschließlich dieses Organ ihrer Beute. Bei einer Attacke aktivieren Kröten ihren Abwehrmechanismus und blähen ihre Lungen auf. Ihre Bauchhöhle ist nicht durch ein Zwerchfell getrennt. Deshalb schützt die Leber als natürlicher Widerstand die Tiere vorm Zerplatzen. Da diese jedoch fehlt, explodieren die Kröten förmlich infolge der Krähenattacke. Eigentlich sind die Amphibien laut Lucks keine besonders leichte Beute für die schwarzen Räuber aus der Luft. Aber im derzeitigen Liebesrausch seien sie etwas in ihrer Wahrnehmung gestört. Sind die Krötenbestände gefährdet? Derzeit wohl eher nicht. Aber: „Krähen sind schlaue Tiere und geben ihre Erfahrungen an den Nachwuchs weiter. Das Problem könnte zunehmen“, so Lucks.
BS