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Gefährliche Rangkämpfe


Wisent-Ranger Jochen Born war es vorbehalten das Rätsel zu lösen. Rund zwei Wochen zuvor waren Mitarbeiter der Wittgenstein-Berleburg‘schen Rentkammer zufällig Zeugen eines Rangkampfes in der Herde geworden. Einer der Kontrahenten hatte dabei offensichtlich etwas abbekommen, entfernte sich von der Gruppe und verschwand im Wald. Mehrere Tage lang wurde nach dem verletzten Wisent gesucht – ohne Erfolg. Anfang der Woche schließlich fand dann Wisent-Ranger Jochen Born das Tier in einem Tal in der zur Wittgenstein-Berleburg`schen Rentkammer gehörenden Försterei Schüllar bei Bad Berleburg – und zwar tot!

Im Brustbereich waren bei dem Jungstier deutlich äußere Verletzungen erkennbar. Dem Augenschein nach können sie von Wisent-Hörnern stammen. „Rangkämpfe sind bei Wisenten – wie zum Beispiel bei Rotwild auch – nichts Außergewöhnliches“, erklärt die wissenschaftliche Koordinatorin des Wisent-Projektes, Kaja Heising, den Vorfall. Die Biologin betont: „Mindestens zehn Prozent aller Wisent-Todesfälle in der freien Natur gehen auf diese Auseinandersetzungen zurück.“

Im Rothaargebirge liegt die Quote höher, denn es ist bereits der vierte Vorfall dieser Art, seit dem Start des Projektes im Jahre 2010.  Der Leitstier der Herde hatte bereits kurz nach der Verbringung in das Eingewöhnungsgatter einen zweijährigen Jungstier getötet. Im September des Auswilderungsjahres 2013 musste einem im Juni 2012 geborenem Tier der Fangschuss angetragen werden, da es sich offenbar bei einer Auseinandersetzung mit einem anderen Wisent schwere Verletzungen zugezogen hatte. Im September 2016 war es erneut soweit: Ein Jungstier war bei einem Kampf einen Abhang hinuntergestürzt und hatte sich dabei Knochen- und Gelenkschäden eingehandelt, so dass er erlöst werden musste. Aber auch bei den weiblichen Wisenten ging nicht immer alles glatt: Im Januar 2017 überlebte eine Kuh den Rettungsversuch nicht, nachdem sie sich in einer Rotwildfütterung verfangen hatte.

Die frei lebende Wisent-Herde im Artenschutzprojekt zur Wiederansiedlung der Wisente im Rothaargebirge besteht damit jetzt aus 18 Tieren. Über den Verlust etwas hinwegtrösten mag die Tatsache, dass sich wenige Tage zuvor im Besucher-Areal des Artenschutzprojektes der erste Wisent-Nachwuchs dieses Jahres eingestellt hatte. Das männliche Wisentkalb hat auch gleich einen prominenten „Patenonkel“ gefunden: Ex-Skisprung-Star Sven Hannawald, der zufällig in der Gegend weilte, hat sich spontan bereit erklärt die Patenschaft zu übernehmen. PM/JMB

Wie der Leitstier so drauf ist, zeigte sich bereits bei seiner Ankunft im Rothaargebirge:

 


Josef-M. Bloch JAGDERLEBEN.DE-Redaktionsleiter. Jagdscheininhaber seit 1987, ab 1997 in verschiedenen Funktionen für die dlv-Jagdmedien tätig.
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