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Gamswild im Fokus

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Sonntag, 08.05.2016 - 02:10
Gamsbestände im freien Fall? Das soll jetzt erforscht werden. Foto: M. Danegger © M. Danegger
Gamsbestände im freien Fall? Das soll jetzt erforscht werden. Foto: M. Danegger

jagderleben: Frau Dr. Miller, Sie wurden von der Deutschen Wildtier Stiftung mit einer Forschungsarbeit zum Gamswild im Bayerischen Alpenraum beauftragt, Wie kam es dazu und was sind die Forschungsinhalte?

Miller: Ich habe schon vor zwei Jahren eine Projektskizze entworfen mit dem Inhalt, dass wissenschaftlich der Zustand der Gamsbestände in Bayern erhoben werden soll. Der Bayerische Jagdverband konnte sich seit 2014 nicht dazu durchringen, dieses Projekt zu unterstützen oder mit mir zu diskutieren. Deshalb habe ich mich an die Deutsche Wildtierstiftung gewandt. Dort hat man die Dringlichkeit des Themas und die Aktualität der Fragestellung rasch begriffen. Hier ein Ausschnitt aus der Projektbeschreibung: "Gamswild steht in Bayern im Fokus der jagdlichen und waldbaulichen Diskussionen! Die politische Prioritätensetzung„WaldvorWild“und dieraumgreifende Schutzwaldsanierung derBayerischen Staatsforstverwaltung haben seit Ende der 1980er Jahre zu einem stetig anwachsendenjagdlichen Druck auf die Gamsbestände in der bayerischen Alpenregion geführt.Gleichzeitig ist Gamswild im Anhang V der FFH Richtlinie gelistet. Einejagdliche Nutzung derArt ist deshalb grundsätzlich nur erlaubt, wenn ein günstiger Erhaltungszustand vorliegt, derdurch ein Monitoring regelmäßignachgewiesen werden muss. In Deutschland findet eine Bewertung des Erhaltungszustandes von Gamswild allerdings lediglich durch Experteneinschätzungen statt.
Die drei Kernmodule sind:
  • Analyse des Ist-Zustands von Gamswild in Bayern
  • Untersuchung des Angebots an geeigneten Habitaten und dort herrschenden Zielkonflikten
  • Entwicklung geeigneter Monitoringmethoden und eines Managementkonzeptes"
jagderleben: Wie gehen Sie bei der Erfassung der Daten zum Alter der erlegten Tiere vor und gibt es bereits für Sie erste Rückschlüsse daraus?

Miller: Bei den Hegeschauen wäre es natürlich schön gewesen, wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben auf den Trophäenanhängern ausgefüllt gewesen wären. So haben wir – ohne die Trophäen zu berühren, das war uns ja bereits im Vorfeld verboten worden – die Krucken selbst bestimmt. Freiwillige Helfer sind den damit beauftragten Berufsjägern und Gamskennern zur Hand gegangen. Wir werden diese Daten jetzt statistisch auswerten. Dabei müssen wir auch berücksichtigen, dass wir gerade bei den jungen Gams nicht immer eindeutig feststellen konnten, ob es sich um die Trophäen einer Geiß oder eines Bocks handelt. Diese Unsicherheiten werden in der wissenschaftlichen Auswertung natürlich berücksichtigt werden. Bis zum Herbst hoffen wir mit ersten belastbaren Daten an die Öffentlichkeit gehen zu können.


jagderleben: Verschiedene Medien berichten, dass Sie einen regelrechten „Kampf um die Gams“ betreiben. Kritiker werfen Ihnen vor, dass sie die Bayerischen Staatsforsten als „Gamskiller“ darstellen wollen und keine objektive Forschung betreiben würden. Was sagen Sie dazu?

Miller: Der „Kampf um die Gams“ hat sich ganz von selbst ergeben. Denn eigentlich wäre es doch keine große Sache gewesen, öffentlich bereits gestellte Daten aufzunehmen und zu analysieren. Aber plötzlich fühlten sich manche der Beteiligten mit so viel Öffentlichkeit nicht mehr wohl. Da hieß es in einigen Landkreisen, als „Unbefugte“ dürfe ich nicht die Daten bei der Anlieferung aufnehmen. Das wäre die unauffälligste und reibungsloseste Art gewesen. Während mich die Mehrzahl der Kreisgruppen und Jäger tatkräftig unterstützt haben, versuchten andere regelrecht zu mauern. In einem Fall wurde sogar ein Sicherheitsdienst gerufen, damit ich den Trophäen nicht zu nahe komme oder Fotos zur Auswertung mache.
Fakt ist aber, dass in Bayern zwei Drittel der Gamsreviere im Besitz der Bayerischen Staatsforsten sind und die sogenannte „Schutzwald-Sanierung“ ein Projekt der bayerischen Forstpolitik, das gerade auf den öffentlichen Flächen durchgeführt wird. Hier kann sich der größte Grundbesitzer nicht einfach wegducken und hinter den paar kleinen Privatrevieren verstecken. Die Staatsforsten sollten sich ihrer Verantwortung, die sie als größter Grundbesitzer im Berggebiet haben, stellen.

jagderleben: Was verlangen Sie von den Bayerischen Staatsforsten, was von der Jägerschaft?

Miller: Die Saatsforsten haben uns bereits schriftlich erklärt, dass sie nicht erlauben werden, wenn auf ihren Flächen unabhängige Forschungsarbeiten durchgeführt werden. Forschung, so wurde uns in einem Schreiben beschieden, darf in den öffentlichen Wäldern nur passieren, wenn es die Förster der Staatlichen Anstalt für Forstwirtschaft (LWF) genehmigen und durchführen. Die Begründung: Nur so würde die Forschung auch „zielgerichtet“ sein. Hier fordern wir von den BaySF, dass sie sich zur grundgesetzlich verankerten Freiheit der Forschung bekennen und fachliche Studien – wir arbeiten hier eng mit der Universität für Bodenkultur in Wien zusammen – nicht behindern. Auch die Herausgabe der Daten, zum Beispiel bei den Hegeschauen sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Das Bayerische Forstgesetz verlangt von den BaySF „vorbildliches“ Verhalten in Forstwirtschaft und Jagd. Es wäre schön, wenn das auch bei der Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung gelten würde.
Den vielen Jägern, die uns so tatkräftig unterstützt haben, möchte ich ausdrücklich danken. Ich hoffe, dass der Einfluss einer kleinen Truppe von Funktionären im bayerischen Jagdverband, die versucht haben uns zu behindern, schwindet. Das wünsche ich vor allem den vielen engagierten Jägern im Land, die sich um den Bestand der Wildbestände sorgen.