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Galgenfrist für Wisente

Wisente mögen Rinde – und das mögen Waldbesitzer gar nicht. Foto: R. Bernhardt © R. Bernhardt

Gestern wurde am Landgericht Arnsberg verhandelt. Zwei Waldbauern hatten geklagt, denn sie wollen die Schäden an ihrem Baumbestand, die die ausgewilderten Wisente am Rothaarsteig verursachen, nicht länger akzeptieren. Und das müssen sie auch nicht, wie der Richter nun entschied.
Rechtsanwalt Hans-Jürgen Thies (der übrigens auch Justiziar vom LJV-NRW ist) hat einen der betroffenen Waldbesitzer vertreten. Den vor Gericht geschlossen Zwischenvergleich bewertet er als Erfolg für seinen Mandanten. Denn dem Trägerverein wurde auferlegt, dass er sofort geeignete Maßnahmen zu ergreifen hat, um neue Schäden abzuwenden. Dazu dürften die Wiederkäuer das eigentliche Projektgebiet, das die Wälder von Auswilderungs-Initiator Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg umfasst, nicht verlassen. Wie die Verantwortlichen das bewerkstelligen, bleibt ihnen freigestellt. Gleichzeitig wurde laut Thies klargestellt, dass die Großsäuger keineswegs – wie vom Trägerverein kommuniziert – als herrenlos gesehen werden können. In Juristen-Deutsch heißt das: Der Trägerverein trägt die zivilrechtliche Verantwortlichkeit für die Wildrinder.
Ein halbes Jahr haben jetzt also die Wisent-Freunde Zeit. Gelingt es ihnen nicht, die Waldbauern durch erfolgreiche Schadensabwehr oder -erstattung auf ihre Seite zu ziehen, könnte bald Schluss sein mit dem hoheitlichen Traum vom wildlebenden europäischen Bison in Westeuropa. Den Termin für den Showdown gibt es auch schon: Am 16. Oktober treffen sich die Beteiligten erneut in Arnsberg, um Bilanz zu ziehen...
BS