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Nach Fehlabschuss: BJV-Kreisgruppenvorsitzender äußert sich

Waffe © zorandim75 stock.adobe.com
Die Schweine wurden am Abend erlegt (Symbolbild).

Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen (Bayern) kam es Mitte April zu einem Jagdunfall. Der Jagdpächter und 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Garmisch Partenkirchen im Bayerischen Jagdverband (BJV), Thomas Bär, hatte versehentlich drei Hausschweine in ihrem Gatter erlegt. Die Schweinehalter warfen dem Jäger vor, mit Vorsatz gehandelt zu haben und erstatteten daraufhin Anzeige. Wir haben mit dem Schützen gesprochen.

PIRSCH: Die Schweinehalterin hat Ihnen vorgeworfen, mit Vorsatz gehandelt zu haben. Wie stehen Sie zu diesen Vorwürfen?

Thomas Bär: Das ist eine eine unrichtige Falschbehauptung und ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück. Der Abschuß der Schweine ist versehentlich passiert. Was hätte mir vorsätzliches Handeln gebracht? Warum habe ich dann die Erlegung der Schweine unmittelbar danach beim Besitzer angezeigt? Seit 36 Jahren bin ich nun Jagdscheininhaber. Wer aktiv auf die Jagd geht, dem passiert auch einmal ein Fehler. Wer niemals abdrückt, der macht natürlich auch keine Fehler. Aber es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, einen gemachten Fehler zuzugeben und dazu zu stehen. Wenn ich von den dort illegal gehaltenen Schweinen gewußt hätte, wäre ich zum Besitzer gegangen und hätte Ihn aufgefordert die Schweine zu entfernen, da in unmittelbarer Nähe zum Pferch erhebliche Wühlschäden durch Wildschweine in den letzten Monaten entstanden sind, die ich mir jedoch nicht erklären konnte. Wenn er dieser Aufforderung nicht nachgekommen wäre, wäre mir immer noch die behördliche Anzeige geblieben.

PIRSCH: Zu welcher Tageszeit haben Sie denn gejagt? Nutzen Sie Nachtsichttechnik?

Thomas Bär: Es war gegen 20.00 Uhr. Es war noch eben Büchsenlicht. Eine Rotte Überläufer kam anlässlich einer Revierfahrt in Anblick, diese habe ich dann angepirscht. Geschossen habe ich gegen 20.10 Uhr. Nachtsichttechnik wurde nicht verwendet.

PIRSCH: Wie kam es zu der Verwechslung zwischen den schwarzen Alpenschweinen und dem Schwarzwild?

Thomas Bär: Wie bereits oben erwähnt, habe ich eine Rotte Überläufer (5-6 Stück) angepirscht, die sich direkt am Pferch (dieser hat 20 Meter Durchmesser und ist im Sträucher durchwachsenem Schilf gelegen). Die Wildschweine standen rechts und links des Pferchs, dessen grobmaschiger Eisenzaun (ca. 1 Meter Höhe) für mich nicht sichtbar war. Wildschweine sind schwarz, Alpenschweine sind ebenfalls schwarz. Ich habe die Alpenschweine nicht als solche erkannt und war der Meinung, dass sie zur den unmittelbar daneben stehenden Rotte inmitten der Wildschweine standen.

PIRSCH: Wurden Sie nicht stutzig, dass Sie drei Schweine hintereinander schießen konnten, ohne dass diese flüchteten?

Thomas Bär: Die erste Sau lag im Knall, klagte und schlegelte. Unmittelbar nach dem Schuß flüchtete die Wildschweinrotte. Circa 3 Sekunden nach dem ersten Schuß sah ich an der Stelle der zuerst erlegten Sau eine weitere Sau auf vier Läufen. In der Annahme, möglicherweise einen Krellschuß fabriziert zu haben, schoß ich erneut. Das war dann aber letztendlich die Sau Nummer 2. Diese lag ebenfalls im Knall. Ich war zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung auf Sau Nummer 1 einen Fangschuß angetragen zu haben. Nach 5-10 Minuten ging ich Richtung Anschuß. Circa 40 Meter vom Schilf entfernt vernahm ich ein Rauschen im Schilf. Rund 10 Meter rechts neben den zuerst erlegten Sauen tauchte eine weitere Sau in einer Schilflücke auf und fing zu blasen an. In der Annahme die erste Sau sei immer noch nicht verendet schoß ich ein drittes Mal. Das war dann die Sau Nummer 3, die verständlicherweise auch nicht flüchten konnte, da es sich um Alpenschwein Nummer 3 handelte.

PIRSCH: Das Gatter soll laut Schweinehalter seit sechs Jahren vor Ort sein. Wie kann es sein, dass Sie nichts davon wussten? Die Halterin der Tiere äußerte sich gegenüber dem „Merkur“, dass 14 Tage zuvor dort eine Kanzel aufgestellt worden sei.

Thomas Bär: Der Pferch (von einem tierschutzgerechten Gatter kann man nicht sprechen- nur 20 Meter Durchmesser- vollständig verschlammt- kein fließendes Wasser, Plastikabfall und Essensreste im Pferch verstreut) befindet sich am unmittelbaren Ortsrand in einem kleinen Schilfgürtel, den ich seit Anbeginn meiner Jagdpacht noch nie betreten habe. Ich habe dort noch niemals gejagt, da ein Spazierweg unmittelbar daran vorbeiführt und sich mehrere Holzhütten (Stadel), die von Einheimischen genutzt werden, dort befinden.

Die Jagd an dieser Stelle macht keinen Sinn. Eine Kanzel steht entgegen der Aussage des Schweinehalters seit mehr als 15 Jahren dort und wurde von meinem Vorgänger benutzt. Ich bin dort nicht ein einziges Mal angesessen. Die Kanzel wurde von einem Begehungsscheininhaber zur Ansitzjagd auf Füchse genutzt, er hat die Kanzel in diesem Frühjahr repariert. Vom Vorhandensein der Alpenschweine hat er mich nicht informiert.

Erwähnenswert ist mir noch die Tatsache, dass der Pferch nicht auf dem Grund des Schweinehalters, sondern auf dem unmittelbar angrenzenden Gemeindegrund errichtet war. Weder die Gemeinde noch die Jagdvorstandschaft hatte Kenntnis von dem Pferch. Die Schweine hatten keine Ohrmarken, waren also nicht beim Veterinäramt gemeldet und wurden somit schwarz gehalten – zum Eigenverbrauch. Der Pferch war alles andere als ASP- sicher errichtet, der direkte Kontakt zwischen Wildschweinen und Hausschweinen wäre problemlos möglich gewesen und ist mit Sicherheit auch erfolgt, da die Wildschweine in den letzten Monaten die Umgebung des Pferchs immer wieder aufsuchten. Die drei Alpenschweine waren weiblich und ca 7-8 Monate alt. Rauschig dürften sie bereits geworden sein, was natürlich die Anziehungskraft erhöht.

Einen Tag nach dem Abschuß wurde ich von Frau Lödermann (Tierschutzbund Garmisch- Partenkirchen und stellvertretende Landrätin) angerufen und gefragt, ob mir bekannt sei, dass im Gemeindegebiet Alpenschweine illegal gehalten würden, da diese vom Veterinäramt gesucht würden. Die Schweine seien am Zuchtort in Gut Letten bei Königsdorf vor einiger Zeit abgemeldet worden und nicht mehr angemeldet worden. Es bestünden Hinweise, dass sie sich in unserem Gemeindegebiet befänden. Ich klärte Frau Lödermann dann entsprechend auf.

PIRSCH: Wenn das Gatter in einer schwer einsehbaren Stelle ist, wie konnten Sie mehrere Schüsse in diese Richtung abgeben?

Thomas Bär: Der Pferch befindet sich in einem kleinen Schilfgürtel, der ein paar Lücken bietet. In dem Schilfgürtel befand sich die zuvor eingewechselte Überläuferrotte unmittelbar neben den Alpenschweinen. Hinter dem Schilfgürtel ist ein nach oben ansteigender Waldhang mit Altholz bestockt. Kugelfang war uneingeschränkt gegeben, die Schüsse waren vollkommen risikolos.

PIRSCH: Wie war das Verhältnis zur betroffenen Person bislang?

Thomas Bär: Das Verhältnis zum Schweinehalter war einwandfrei, man ist sich stets freundlich begegnet, er ist auch Jagdscheininhaber und ich gestattete ihm die gelegentliche Hundeausbildung (Fährtenlegung) in meinem Revier. Seine Tochter (welche die Anzeige gegen mich machte) habe ich bis dato nicht gekannt.

PIRSCH: Wie wollen Sie weiter vorgehen?

Thomas Bär: Das von mir angebotene persönliche Gespräch zur gegenseitigen Einigung zwischen Schweinehalter, dessen Tochter und mir wurde bisher leider nicht gesucht. Die Türen stehen jedoch weiterhin offen. Den Verlauf des, durch die Anzeige durch des Schweinehalters und dessen Tochter ausgelöste Verfahrens, werde ich abwarten.

Ob und was die Veterinärbehörde gegen die illegale Schweinehaltung und die ASP-Gefahr durch den unsachgemäßen Zaun unternimmt, muss abgewartet werden. Dass der Schweinehalter als Jagdscheininhaber bei aktueller ASP-Gefahr schwarze Hausschweine unangemeldet im Außenbereich hält, erachte ich als bemerkenswert.


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