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Fangjagd: Niedersächsischer Jäger sorgt für Rechtssicherheit

Thomas Fuchs
am
Donnerstag, 31.03.2022 - 08:46
Minkpolice-Fangmelder © Thomas Fuchs
Kleiner Kasten, große Wirkung: Fangmelder erleichtern die Fallenjagd enorm.

Die Rechtslage bei der Fangjagd war vielen Fangjägern bislang nicht eindeutig klar. Tatsächlich muss eine in Niedersachsen gestellte Falle jeden Tag persönlich kontrolliert werden, auch wenn daran ein Fangmelder montiert ist. Ein diesbezüglicher Beitrag hierüber löste heftige Reaktionen aus und verlangte, die veraltete Regelung zu modernisieren. Jetzt arbeitet das Landwirtschaftsministerium an einer Fangjagdverordnung.

Der Niedersächsische Jäger ist die regionale Fachzeitschrift für die Jagd und den Naturschutz und gleichzeitig das offizielle Organ der Landesjägerschaft Niedersachsen und der Landesjägerschaft Bremen. Seine Aufgabe als führendes Jagdmagazin ist es, seine Leser umfassend über die regionale Jagd zu informieren – und zwar aktuell, praxisorientiert, bodenständig, ehrlich und direkt. Und wenn es sein muss natürlich auch kritisch...

Das passt nicht jedem. Gleichwohl nehmen der Niedersächsische Jäger und seine Autoren diese Verantwortung ernst. Schließlich ist ein führendes regionales Jagdmagazin keine Haus-Postille, die verpflichtet ist, zu veröffentlichen, was einzelne Funktionäre oder eine bestimmte Interessengruppe von Jägern gern hören bzw. lesen wollen. Im Gegenteil: Eine Fachzeitschrift hat die Aufgabe, fundiert Fakten darzulegen und aufzuzeigen, ob für Jäger möglicherweise Risiken oder Fallstricke lauern. Dies ist umso wichtiger, wenn es um rechtlich relevante Themen geht.

Fangmelder soll persönliche Kontrolle ersetzen

Ein Beispiel für ein rechtlich relevantes Thema ist der Beitrag „Was kostet der Fang?“ in Ausgabe 15 des vergangenen Jahres. Der Beitrag beschreibt, dass „Wieselfallen in Niedersachsen zweimal täglich und alle übrigen Lebend- und Totschlagfallen einmal täglich kontrolliert werden müssen – möglichst morgens.“ Zudem weist der Beitrag auf die Vorteile elektronischer Fangmelder hin. „Sie können den Aufwand, die nötige Zeit und die Kosten reduzieren und die Umweltbilanz der täglichen optischen Kontrolle verbessern. Vor allem in Schutzgebieten, in denen störungsempfindliche Arten leben, könnten so Prädatoren vergleichsweise störungsarm bejagt werden.“

Auch im Land zwischen Ems und Elbe sollen Fangmelder künftig von der täglichen Nachschaupflicht entbinden.

Der Beitrag macht überdies deutlich, dass „die tägliche Statusmeldung eines Fangmelders in Niedersachsen – anders als in anderen Bundesländern – derzeit nicht die tägliche persönliche Inaugenscheinnahme der Falle ersetzt“, und dass „deshalb viele niedersächsische Fallensteller hoffen, dass das Land seine veraltete Regelung an den technischen Fortschritt anpasst.“

Dieser Fall tritt nun ein! Nach der Veröffentlichung im Niedersächsischen Jäger haben im Herbst 2021 die Oberste Jagdbehörde und das Referat Tierschutz des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums bei einem gemeinsamen Außentermin die Zuverlässigkeit eines Fangmelders praktisch erlebt. Als Ergebnis erarbeitet das Land Niedersachsen aktuell eine Fangjagdverordnung, in der die Voraussetzungen für den Einsatz von Fangmeldern zum Ersatz der täglichen Fallenkontrolle geregelt werden sollen.

Argumente statt Meinungsinflation

Der Beitrag „Was kostet der Fang?“ ist ein gutes Beispiel für den Qualitätsjournalismus des Niedersächsischen Jägers. Gemäß der journalistischen Berufsethik wurde für ihn sorgfältig recherchiert und ausgewogen und sachlich berichtet. Als Ergebnis auf die Veröffentlichung gab es zahlreiche differierende Rückmeldungen. In Emails und Leserbriefen äußerten Leser teils ihre Fassungslosigkeit über die Rechtsunsicherheit, in der sie sich ohne ihr Wissen bewegen. Andere behaupteten schlicht, die dargestellte Rechtslage könne nur falsch sein. Einige ganz Vorlaute griffen den Niedersächsischen Jäger dafür an, dass er überhaupt die aktuelle Regelung publizierte. Und ein Extremfall legte dem NJ-Chefredakteur sogar den Rücktritt nahe...

Nicht „Wünsch dir was“, sondern „So ist es“!

Die Niedersächsische Fangjagdverordnung soll Rechtssicherheit für die Fallenjagd schaffen.

Die Landesjägerschaft Niedersachsen sieht bei der aktuellen Lage Rechtssicherheit gegeben. Dort vertritt man die Meinung, dass beim Einsatz eines Fangmelders jetzt schon die tägliche Kontrolle entfalle. Dass diese Sicht korrekt ist, ist unklar. „Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat nach außen immer die einheitliche Haltung vertreten: Der Fangmelder ersetzt nicht die tägliche Kontrolle. Beabsichtigt ist, mit der zukünftigen Fangverordnung durch den Fangmelder unter noch näher zu bestimmenden Voraussetzungen die bislang geforderte tägliche Kontrolle zu ersetzen. Solange jedoch die Rechtsnorm nicht in Kraft getreten ist, bleibt die tägliche persönliche Kontrollpflicht erhalten – auch wenn ein Fangmelder eingesetzt wird“, heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums. Die Bandbreite der Reaktionen verdeutlicht jedenfalls, welche Auslegungen die aktuelle Regelung zulässt. Und sie zeigt: Manch ein Zeitgenosse erfindet für sich die Wahrheit, die er gerade braucht.


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