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E-Screener: Elektronischer Test entwaffnet Jäger

Ein elektronischer Test soll die Zuverlässigkeit der niederländischen Jäger überprüfen. © Bergringfoto - stock.adobe.com/adiruch na chiangmai - stock.adobe.com
Ein elektronischer Test soll die Zuverlässigkeit der niederländischen Jäger überprüfen.

Bei unseren niederländischen Nachbarn ist die Aufruhe unter den Waffenbesitzern groß: Zum 1. Oktober wurde der sogenannte „E-Screener“ eingeführt. Dabei handelt es sich um einen digitalen Test, den Waffenbesitzer absolvieren müssen. In 45 Minuten sollen an einem PC 100 psychologische Fragen beantwortet werden. Der Niederländische Jagdverband „Nederlandse Jagersvereniging“ gibt gegenüber der Redaktion folgende Beispielfrage des Tests an: „Sind sie manchmal traurig oder depressiv?“. Diese Frage muss mit ja oder nein beantwortet werden. Die Polizei wertet die gewonnenen Daten dann aus. Folge des Tests kann sein, dass den Waffenbesitzern die Waffen sowie der Jagdschein und damit automatisch die Erlaubnis zum Waffenbesitz genommen werden.

20-25 % der Teilnehmer bestehen den Test nicht

In der südniederländischen Provinz Limburg haben, laut Informationen des Jagdverbandes, bislang 160 Personen an dem Test teilgenommen. 39 der Teilnehmern wurden daraufhin die Waffen entzogen. Im Rest der Niederlande geht man aktuell von etwa 20% nicht bestandener Tests aus. Laut einer Pressemitteilung des niederländischen Jagdverbandes bestand u.a. ein ehemaliger Schießlehrer den Test nicht und verlor Waffen und Jagdschein.

Für das Lösen des ersten Jagdscheins ist der Test nach aktuellem Stand obligatorisch. Jeder Jäger, der bereits im Besitz eines Jagdscheines ist, soll allerdings künftig ebenfalls den Test absolvieren. Das betrifft in den Niederlanden etwa 27.000 Jäger. Die niederländische Polizei beschränkt sich bei ihren Überprüfungen derzeit allerdings aus organisatorischen Gründen auf zwei Personengruppen: Waffenbesitzer über 60 Jahre sowie unter 25 Jahre. Bezahlen müssen den Test die Jäger selbst.

Amoklauf 2011: Legale Waffenbesitzer werden nun zur Verantwortung gezogen

Der niederländische Jagdverband rät den Jägern, die zu dem Test eingeladen werden, den Termin zu verschieben. Zudem hat der Jagdverband Beschwerde gegen das Verfahren eingelegt und fordert eine genaue Evaluierung.

Grund für die Einführung des "E-Screeners" sei laut niederländischen Medien sowie des niederländischen Jagdverbandes ein Amoklauf im Jahr 2011. Um künftig Risiken, die von Waffenbesitzern ausgehen, besser bewerten zu können, will man diese engmaschig überprüfen. 


Hannah Reutter geboren in Stuttgart, in der Landwirtschaft aufgewachsen, Jägerin und Führerin von DD & Dackel, seit 2018 bei den dlv Jagdmedien als Volontärin tätig.
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