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Dummdreiste Ablenkmanöver

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Donnerstag, 05.03.2015 - 01:00
Tausende Jägerinnen und Jäger folgten dem Demo-Aufruf des LJV. Foto: SN © SN

Am 4. März fanden sich in Stuttgart auf dem Schlossplatz an die 3.000 Jägerinnen und Jäger zusammen, um ihrer tiefen Empörung öffentlich Luft zu machen. Und dass die Tonart nun schärfer wurde, hat sich der Babyface-Minister ganz allein zuzuschreiben. Denn den Jägern geht es gar nicht um den Punkt des uneingeschränkten Katzenabschusses in der DVO, sondern um viele kleine Änderungen und große Verschärfungen am Landtag vorbei.
Immerhin hat der Druck der Jäger, das fasste Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann bei seiner Ansprache zusammen, dazu geführt, dass einige Korrekturen an der DVO schon vorgenommen wurden: etwa dass Elster und Rabenkrähe vom 1. August bis 28. Februar offen sind, dass Krick- und Tafelenten doch zu bewirtschaften sind und in Sachen Fütterung nun von räumlich-funktional zusammenhängenden Flächen geredet wird und nicht mehr von mindestens 2.500 Hektar zusammenhängend bejagbarer Fläche. Natürlich gibt es noch andere Knackpunkte, die die Jäger auch weiterhin kritisieren werden, wie etwa den Komplex Fallenjagd oder den geforderten höheren Schwarzwildabschuss bei gleichzeitiger Wegnahme wichtiger Jagdinstrumente. „Die Jagd brauche man eben auch in der Offenlandschaft, sie ist nicht nur blanke Schalenwildreduktion“, warf Friedmann ein und verabschiedete sich mit einer Empfehlung vom Redner-Hochsitz nicht nur an den grünen Minister, sondern an alle Parteien: „Unsere Leidenschaft brauchen Sie! Auch über die Wahlperiode hinaus. Denken Sie daran bei Ihrem nächsten Wildessen!“

Das sagten die Parteien

Demonstrant mit Plakat. Foto: SN

Sogleich enterte Bondes Amts-Chef Wolfgang Reimer den Hochsitz, wurde aber, egal was er von sich gab, ausgepfiffen. Das gipfelte am Ende, als er den Wert der Demo lobte und sie als gut für die Diskussion bezeichnete. Darauf konterte der Dr. Friedmann trocken, dass er aufgrund Bondes unverschämter Unterstellungen einen ganz anderen Eindruck habe. Der nächste Redner, SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel, distanzierte sich deutlich vom grünen Koalitionspartner, denn seiner Meinung nach sei „Naturschutz ohne Jäger verratzt (= verloren).“ Auch ihm seien beim ersten Entwurf Dinge ins Auge gesprungen, bei denen ihm die Hutschnur hochging. Und in Bezug auf den Krick- und Tafelenten-Konflikt empfahl er den grünen Kollegen, vielleicht doch erstmal alle EU-Verordnungen vollständig zu lesen, bevor sie überhaupt einen Entwurf schreiben. Spannend wurde es dann mit dem neuen CDU-Spitzenmann Guido Wolf: Er verfolge die Diskussion schon länger und bekäme mehr und mehr den Eindruck, dass es hier gar nicht um die Jäger gehe, sondern um blanke Ideologie. Er könne sehr gut verstehen, dass es den Jägern weh täte, weil ihr Selbstverständnis komplett in Frage gestellt sei. Und er deutete in Richtung SPD-Fraktionschef, dass man etwas Besseres hinbekommen könne, man müsse es jetzt gemeinsam anpacken. Richtig in Rage redete er sich bei der DVO, denn hier fänden sich plötzlich Dinge in der Verordnung, von denen vorher nie die Rede war. Guido Wolf: „Das ist ihre Politik. Und es ist traurig, dass erstmal 3.000 Jäger nach Stuttgart reisen müssen, damit Sie sich überhaupt mal mit Trippelschritten auf sie zubewegen.“ Zudem könne es nicht angehen, dass ein Minister die Jäger als „Katzenkiller“ darstelle, das habe, so Wolf, nichts mit seriöser Politik zu tun. „Wenn alle Stricke reißen, dann müssen die Jäger bis 2016 warten“, beendete er kampfbereit und siegessicher im Blick auf die Landtagswahl seinen kurzen Auftritt.

Wir nehmen Euch beim Wort!

Gemeinsam für unsere Passion. Foto: SN

Als letztes folgte der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Hans-Ulrich Rülke, und der teilte mächtig aus. Dass Bonde hier nicht vor den Jägern rede, könne seiner Einschätzung nach zwei Gründe haben: Entweder lasse er Amts-Chef Reimer den Vortritt, weil dieser mehr Ahnung vom Thema habe. Oder es hätte der wirkliche Chef der Grünen kommen müssen, nämlich Dr. Andre Baumann vom NABU. Schallendes Gelächter begleitete diesen Seitenhieb, um kurz darauf wieder mit Pfiffen zu reagieren, denn während die grüne Landesregierung die Demonstrationen und den Volksabstimmung zu „Stuttgart 21“ als gelebte Demokratie verkaufte, werden tausende Jäger vom Minister persönlich als „Katzenkiller“ via dpa-Meldung verunglimpft. „Wo sei diese Bürgerregierung gelandet, wenn ein Vorsitzender eines verbündeten Verbandes sich auswärtige Bus-Kennzeichen notieren wolle“, setzte Rülke noch eine weitere Duftmarke. Um abschließend eines den Jägerinnen und Jägern zu versprechen: „Wenn es zum Regierungswechsel kommt, wird dieses Jagdgesetz in den ersten 100 Tagen verschwinden.“
SN