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Dicke Luft im Allgäu

Nahm die Jäger einseitig in die Pflicht: Landrat Gebhard Kaiser (CSU). Foto: SYS © SYS
Die Wand der Stärksten: Wirklich reife Gamskrucken und Rehkronen. Foto: SYS © SYS

Die Wand der Stärksten: Wirklich reife Gamskrucken und Rehkronen. Foto: SYS

Er wandte sich vehement gegen die weitere „diagnostische Entnahme“ etlicher Stücke Rotwild aus Wintergattern zur Tbc-Beprobung - schon gar nicht außerhalb der Jagdzeit. Und schließlich könnte sich das gegen Gatterzäune fliehende Wild schwer verletzen, was dem Tierschutzgedanken widerspräche.
Mit besonderer Spannung wurde die Rede des Landrats, Gebhard Kaiser, erwartet. Dieser ließ an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig. Zwar dankte er der Jägerschaft der HHG für die Abschussübererfüllung, doch mahnte er vor allem die Eigenverantwortung der Jäger an, denn die gesellschaftlichen Ansprüche gegen sie seien gewachsen (z.B. Stichwort Waldumbau).
Angesichts der Tbc-Nachweise bei Rindern wie Rotwild forderte er für den Kreis nochmals deutlich erhöhte Abschussvorgaben, auch wenn in einigen Bereichen des Landkreises bislang keinerlei positiven Befunde beim Rotwild vorlägen. Sein Ziel - „ohne wenn und aber“ müsste man auf 2,7 bis 2,9 Stück Rotwild pro 100 Hektar kommen. Es solle im kommenden Jagdjahr „sämtliches Rotwild, das älter als zwei Jahre ist, auf Anordnung des Landratsamtes auf Tbc untersucht“ werden. Sein Credo lautete denn auch „…mir geht die Bauernschaft, die Almwirtschaft vor.“ Ungeachtet Kaisers mehrfachen Appells an eine konstruktiven Zusammenarbeit aller betroffenen Interessenpartner war für die Zuhörer zwischen den Zeilen und aus der Diktion heraus eine Drohung an die Jägerschaft nicht zu überhören.
„Man kann sich als Jäger hier vorkommen wie der letzte Dreck“, konstatierte ein Jäger in seinem Sitzumfeld. Redeapplaus blieb nahezu gänzlich aus. Schweigen im Saal.
Höflichkeitsapplaus hingegen erntete Alfred Enderle, der als Oberallgäu-Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, moderat um Verständnis für die Belange seines Berufsstandes warb. Nicht zuletzt sei man verbündet in der Verteidigung des an Grund und Boden geknüpften Jagdrechts. Angesichts der vor der Halle gegen die drohenden Rotwildabschüsse in Wintergattern protestierenden Wild- und Tierschützern warnte er die Jäger vor „falschen Verbündeten“.
In brillanter freier Rede legte der 1. Vorsitzende der HHG Sonthofen, Erich Erbgraf v. Waldburg-Zeil, deren Standpunkt dar. Zwar habe man – anders als gegenwärtig – nicht immer den Soll-Abschuss beim Rotwild erfüllt. Was ihn aber betrübte, sei die Konzeptlosigkeit in Sachen Rotwildmonitoring. Willkürlich auf Vermutungsbasis eingeläutete Maßnahmen seien keine Handlungsbasis. Auch müsse bei künftigen Abschuss-Diskussionen eher die Frage der Bestandsstrukturen denn der Zahl gestellt werden. Erbgraf v. Waldburg-Zeil unterstrich, man habe vonseiten der Jäger seit 2009 Rotwild auf Tbc beprobt, doch sei man von der 100-prozentigen Beprobung auf Willen des Landratsamts hin zwischen zeitlich abgerückt – anderes wäre gelogen. Ebenso würde sich die HHG in Sachen körperlicher Nachweis oder gar Fleischbeschau konstruktiv geben - doch was nutze es, hielte die Gegenseite keine gangbaren Lösungen parat.Einseitige Schuldzuweisung unzulässig. Man lasse sich auch nicht vom Gesundheitsministerium oder dem LGL München in die Ecke drängen; ständig kämen neue Prävalenzberechnungen „auf den Markt“, andererseits würde man nicht hinlänglich informiert. Der HHG-Vorsitzende forderte saubere wissenschaftliche Vorgaben, dann würde die Jägerschaft schon ihren Teil tun. Die HHG könne sich nicht beschimpfen lassen, für Dinge, die man nicht zu verantworten habe. Brandende Zustimmungen bewies, dass der 1. Vorsitzende der HHG Sonthofen, Erich Erbgraf v. Waldburg-Zeil ganz im Sinne seiner Jäger sprach.
Noch ein Blick auf die Abschusszahlen: im Jagdjahr 2012/ 13 wurden in der HHG Sonthofen 1478 Stück Rotwild (Ist-Abschuss: 109 %) erlegt, 589 Stück Gamswild (91,2 % vom Soll) und in den vergangenen drei Jagdjahren 1773 Stück Rehwild (97,96 % vom Soll). Die Vergabe der Ehrenbrüche für die Erleger der stärksten bzw. ältesten Trophäenträger sowie die Ehrung langjähriger BJV-Mitglieder ließ die spanungsgeladene Veranstaltung dann doch noch jagdhornumschallt harmonisch ausklingen.
SYS