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Deutschland unterstützt EU-weites Bleiverbot

Hannah Reutter. © Hannah Reutter
Hannah Reutter
am
Donnerstag, 16.07.2020 - 09:15
Schrot-Querflinte © happy_author - stock.adobe.com
Die Zukunft der Schrotjagd steht auf der Kippe: Doch die Entscheidung wird zunächst wieder vertagt. Deutschland hat indes einen Kompromiss in der Sache gefunden.

Das für gestern anberaumte Abstimmungsverfahren, um ein europäisches Verbot von Bleischrot vor der Europäischen Kommission durchzusetzen, wurde erneut verschoben. Die EU-Kommission gab bekannt, dass das schriftliche Verfahren in dieser Angelegenheit zunächst ausgesetzt wird. Grund hierfür ist, dass Tschechien das schriftliche Abstimmungsverfahren in Frage gestellt hatte. Nun soll das Verfahren bis nach den Sommerferien ausgesetzt werden. Am Dienstag gab das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) bekannt, dass es mittlerweile zu einer Einigung mit dem Bundesumweltministerium (BMU) gekommen sei und man dem Verbot zustimmen wolle. Bei der vergangenen Abstimmung hatte sich Deutschland enthalten, da die beiden zuständigen Ministerien keine einheitliche Meinung hatten. Nun soll der Kompromiss sein, dass die Übergangsfrist drei anstatt zwei Jahren betragen soll.

Laut einer Pressemitteilung des BMEL soll diese Zeit „zur Entwicklung alternativer Schrotmunition im Sinne der Vermeidung von Tierleid“ genutzt werden. Die Staatssekretärin im BMEL, Beate Kasch betonte in diesem Zusammenhang: „Ziel muss es sein, den Ausstieg aus dem Material Blei mit dem Anliegen des Tierschutzes bei der Bejagung von Wild zu verbinden.“

"Alternativer Jagdverband" bestätigt, dass es kein längeres Leiden gäbe

Gegenüber dem Deutschlandfunk sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Es gibt immer noch Jäger, die nicht glauben, dass die andere Munition auch funktioniert, und sagen, dass die Tiere da gequält würden. Das können wir heute nachweisen, dass es andere Munition gibt, die genauso schnell Tiere tötet und nicht dazu führt, dass die noch länger leiden müssen. Das ist in vielen, vielen Studien belegt und auch der Alternative Jagdverband hat das jetzt bestätigt, und deswegen wissen wir jetzt genug, um die bleihaltige Munition auch wirklich weitergehend zu verbieten.“

Auf Rückfrage der Redaktion, was mit „Alternativer Jagdverband“ gemeint sei, gab das BMU an, dass es sich dabei um den Ökologischen Jagdverband handelt.

Außerdem gab das BMU nähere Informationen über die Studien und verwies auf verschiedene skandinavische Studien sowie unter anderem auf Studien aus dem Jahr 1976. Weiterhin gibt ein Sprecher des BMU an, dass kein einziges belastbares Dokument vorliegen würde, welches „eine unzureichende Tötungswirkung von Stahlmunition ausweisen konnte“.

Generelle Aussage über Eignung nicht möglich

Eine Studie der Technischen Universität München aus dem Jahr 2018 kommt jedoch zu dem Schluss, dass einige bleifreien Alternativen, darunter auch beschichteter Stahlschrot, im aquatischen Bereich deutlich problematischer sind als Blei. Neben ökotoxikologischen Untersuchungen wurden von Professor Dr. Axel Göttlein auch vergleichende zielballistische Bewertungen konventioneller und alternativer Schrotmunition durchgeführt. Eine generelle Aussage, dass ein bestimmtes Material geeignet oder ungeeignet ist, sei demnach nicht möglich. Die zielballistische Leistung einer Schrotpatrone hängt stark von der Schussentfernung, der Laborierung der Patrone, dem verwendeten Lauf und natürlich auch vom verwendeten Schrotmaterial ab.


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