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'Davon lasse ich michnicht beeindrucken'

Die anwesenden Jägerinnen und Jäger zeigen dem Minister die Rote Karte zum Entwurf. Foto: SN


In seiner Rede ging Kretschmann auch auf den Unmut ein, den er gespürt habe und seinen Wunsch, die Kritik persönlich entgegen zu nehmen. So sei er aber der Meinung, dass ein Jagdgesetz mit der Zeit gehen müsse, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz einfach nicht mehr da sei und die Jagd immer kritischer gesehen werde. Er hob auch gegenüber den Jägern warnend den Zeigefinger, dass wenn man das Jagdgesetz nicht auf eine moderne Rechtsgrundlage stelle, sich die Jäger selber schwächen. Es sei ihm daher ein großes Anliegen, dass die Jagd eine Zukunft habe. Das neue Gesetz führe zu einem Ausgleich der oft sehr gegensätzlichen Interessen. Es berücksichtige die Kernforderungen der Jäger ebenso wie die gestiegenen Ansprüche des Tier- und Naturschutzes. Dies gehe aber nur, wenn man Kompromisse findet – und zwar auf allen Seiten! Ganz konkret ging er auch auf einige Sachthemen ein, wie etwa die Wildfütterung. Er sei der Meinung, dass Wildbret dadurch seinen Geschmack und seinen Charakter verliere. Zudem ginge er davon aus, dass die Jäger ja nicht die „Verhausschweinung“ des Wildes wollen. Der Vergleich mit dem in Supermärkten angebotenen Vogelfutter sei nicht stichhaltig, schließlich hätten die Vögel nicht die negativen Einflüsse auf die Umwelt wie das Schalenwild. Auch sei die explosionsartige Vermehrung des Schwarzwildes ja unter dem bestehenden Gesetz erfolgt und nicht unter einem grün-roten, das es ja noch nicht einmal gibt. Am Ende seiner Rede blickte er in die Zukunft und sei sich sicher, dass die Jäger dank der grün-roten Gesetzesnovelle auch künftig mit der gleichen Freude weiterjagen können.
Diesen Ausführungen des Landesvaters war am Vormittag die zentrale Frage vorausgegangen, wie sich die baden-württembergischen Jäger nun gegenüber der Politik positionieren sollen? Der reinen Abwehr erteilte Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann eine Absage, er wolle konstruktiv-kritisch den Prozess weiter begleiten und an einer sachgerechten Entwicklung mitarbeiten. Dennoch besprach man auch die weiteren Eskalationsstufen, falls die Novelle ohne Änderung an den Knackpunkten durchgewunken werde. Von einem „Aktionstag Jagd“ vor der Kommunal/EU-Wahl am 25. Mai bis hin zu einer Großdemo reiche das Spektrum. Dabei brachte es Kreisjägermeister Hariolf Scherer aus Bad Mergentheim in Sachen Kommunalwahlen auf den Punkt, denn man müsse den Bürgern einfach klarmachen, welche Kosten durch die Novelle auf das Land, die Gemeinden und damit auch auf sie zukommen. Schließlich seien gerade die Jagdverpachtungen essentiell für die Gemeinden. Generell sollten bei diesem „Flagge zeigen“ aber alle Betroffenen, also auch Bauern, Grundbesitzer etc. mit ins Boot geholt werden, um zahlenmäßig auftrumpfen zu können. In diesem Zusammenhang wurde auch angeregt, dass man darüber nachdenken müsse, ob man nicht die Mitgliedsbeiträge erhöht, um die wachsenden Aufgaben (soziale Netzwerke, Weiterbildung etc.) bewältigen zu können. Dabei solle man sich durchaus NABU & Co. zum Vorbild nehmen.
Der LJV-Präsident machte in seinen Ausführungen am Vormittag weiterhin klar, dass er Kretschmann und Bonde für ihr Kommen Respekt zolle und es nicht der Stil des Verbandes sei, Gäste auszupfeifen. Einzig die Aufforderung „man müsse ja nicht klatschen“ und das man der Politik mit den rot-grünen Abstimmungszetteln die Rote Karte zum Entwurf zeigen könne, wurde für den Nachmittag angeregt. Dies erfolgte dann auch begleitet von einem Protestplakat und bei den schrägsten Klöpsen der beiden Grünen Politiker vereinzelten Buh-Rufen und Pfiffen. So zogen Ministerpräsident Kretschmann und sein Minister Alexander Bonde am Ende sichtlich entspannt, aber doch eiligen Schrittes und mit üppigem Präsentekorb (!) nach etwa eineinhalb Stunden wieder von Dannen.
Ob dieser Landesjägertag bei den beiden Politikern ein Umdenken oder zumindest kritisches Hinterfragen der Gesetzesnovelle ausgelöst hat, wird man sehen. Pessimisten sagten abseits der Veranstaltung, dass es sich nun bitterlich rächt, dass einige LJV-Präsidenten (nicht alle!) genauso wie der DJV-Präsident zwischen Heeremann und Fischer es versäumt oder sogar abgelehnt haben, mit den Grünen überhaupt zu reden. Nachdem aber das politische System Deutschlands im Fluss ist und der Natur- sowie Tierschutz immer weiteren Zulauf erhält, muss man zur Kenntnis nehmen, dass genau diese Kräfte plötzlich die Regierung stellen oder zumindest mitregieren/mitreden. Und da auch Grüne nur Menschen sind und damit auch nachtragend sein können, muss man sich nicht wundern, wenn man uns jetzt (genauso) abtropfen lässt.
Sascha Numßen