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Damwild auf Insel sorgt für Ärger – Totaler Abschuss angestrebt

Eva Grun mit Drahthaar. © Laura Grun
Eva Grun
am
Sonntag, 07.02.2021 - 16:02
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Damwild-Rudel-Wiese © die.wilddiebin - stock.adobe.com
Auf der Insel Borkum lebt seit mehreren Jahren Damwild, welches für Unmut sorgt (Symbolbild).

Das Damwild auf der Insel Borkum (Niedersachsen) beschäftigt seit rund sechs Jahren den Landkreis, die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer (NPV), das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium sowie die örtliche Jägerschaft. Die Tiere wurden im Rahmen eines Landschaftspflegeprojekts des Umweltministeriums einst auf die Insel gebracht und lebten anfangs in einem Gatter.

Sie sollten als aktive Landschaftsschützer eingesetzt werden, um die Verbuschung einzudämmen und so den Offenlandcharakter der Insel erhalten, erklärt Imke Zwoch, Pressesprecherin der Nationalparkverwaltung. Nachdem das Damwild nicht den gewünschten Effekt lieferte, wollte das Ministerium die Tiere im Gatter von den Jägern keulen lassen, so einer der Jäger auf Nachfrage. Dagegen wehrten sie sich.

Eines Tages hatten Unbekannte das Gatter geöffnet, sodass das Damwild seitdem frei auf Borkum lebt. Ein Rechtsstreit zwischen NPV und der Jägerschaft zum weiteren Umgang mit den entwichenen Tieren endete in einem Vergleich. Laut Zwoch sollte das Rudel eingefangen werden. „Da die Einfangaktion erfolglos war, hatte nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes die zuständige Jagdbehörde einen Abschussplan zu erstellen, der das Ziel verfolgt, das Damwild von der Insel vollständig zu beseitigen“, fügt die Pressesprecherin an. Die Erfüllung der „Beseitigungspflicht“ stehe noch aus.

Ganzjährige Jagdzeit für männliches Damwild, Schmaltiere und Kälber

Am 8. Dezember 2020 hat eine Videokonferenz bezüglich der Umsetzung des Gerichtsvergleiches stattgefunden, an der Mitarbeiter des Niedersächsischen Landwirtschafts- sowie des Umweltministeriums, der NPV, des Domänenamts, der Kreisjägermeister sowie Vertreter des Landkreises Leer teilnahmen. Die Jagdpächter waren jedoch nicht Teil des Gespräches, wie einer der Jäger der Redaktion berichtet. Über die Inhalte der Konferenz wurden die Pächter erst im Nachgang durch ein Schreiben der Unteren Jagdbehörde informiert. Man zweifle an dem Willen der Waidmänner den juristischen Vergleich umzusetzen.

Daher wird darum gebeten, „dass schnellstmöglich der Damwildbestand auf Borkum entfernt wird“. Die Untere Jagdbehörde verweist dabei auch, auf die in der Konferenz festgelegten, Jagdzeiten der Insel: So können männliches Damwild, Schmaltiere und Kälber ganzjährig bejagt werden. Für weibliches Damwild gilt eine Jagdzeit vom 1. September bis 15. März. „Da wird das Kalb gesetzt und sofort ist es zum Abschuss frei“, mokiert einer der Jäger. Diese Regelung trifft bei dem Jäger auf Unverständnis. Ebenso eine Jagdzeit bis 15. März auf hochbeschlagenes weibliches Damwild.

Weitere Forderungen der Behörde

Doch die Behörde fordert mehr: Alle Stücke Damwild, die in diesem Jagdjahr noch erlegt werden sollen, müssen in einem Videobeweis der Jagdbehörde belegt werden. Sollten die Jäger dem vorgegebenen noch zu erfüllendem Abschuss nicht nachkommen, sehe sich die Untere Jagdbehörde gezwungen einen Berufsjäger auf Kosten der Pächter einzusetzen. Doch dies sei „das letzte Mittel“.

Ebenso beschlossen die Parteien der Videokonferenz, dass im kommenden Jagdjahr per Drohne und Wärmebildkamera eine Zählung des Damwildes durchgeführt wird. Die dadurch gesammelten Daten sollen bei der Planung eines neuen Abschussplans helfen. Anfang September 2021 soll dann eine zweite Zählung stattfinden. Dieser Maßnahme stehen die Jäger offen gegenüber. Da das Damwild auf der Insel sehr schwer zu sehen ist.


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