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Dachsjagd im Frühsommer: Jungdachse erkennen und bejagen

Christian Liehner © Christian Liehner
Christian Liehner
am
Sonntag, 06.06.2021 - 06:50
Zwei Jungdachse am Bau im Wald © prochym - stock.adobe.com
In diesem Alter lassen sich Jungdache noch sicher erkennen.

Jagderleben: Der Dachs wird wieder häufiger. Ist mit einer starken Vermehrung wie etwa beim Fuchs zu rechnen?

Dr. Konstantin Boerner: Die Jagdstrecken-Entwicklung der letzten Jahre spricht eine eindeutige Sprache. Nachdem es dem Dachs vor einigen Jahrzehnten noch schlecht ging, ist die Entwicklung zuletzt deutlich positiv. Schoss man bundesweit vor 25 Jahren weniger als 25 000 Dachse, sind es heute etwa 70 000. Bei meinen jährlichen Baukartierungen stelle ich sehr viel mehr Dachsbaue bzw. -burgen fest als noch vor einigen Jahren. Die Reproduktionsrate ist zwar etwas geringer als die des Fuchses. Dennoch ist auch künftig von einer weiter anwachsenden Population auszugehen.

Jagderleben: Warum sind die Jagdzeiten in den einzelnen Bundesländern so extrem unterschiedlich?

Dr. Konstantin Boerner: Wie es im Einzelnen zu den unterschiedlichen Jagdzeiten gekommen ist, ist nicht immer befriedigend zu erklären. Grundsätzlich sollten sich die Jagdzeiten aber an der Reproduktionsbiologie der Art orientieren. Ende Februar/ Anfang März kommen die meisten Dachse zur Welt. Ab dem Sommer sind sie raubmündig. Auch wenn sie dann nicht mehr gesäugt werden, ist die elterliche Betreuung in dieser Phase aber noch wichtig. Eine Bejagung der Altdachse ist deshalb ab dem 1. September vertretbar. Bis dahin sollten nur Jungdachse erlegt werden. Die Jagdzeiten-Regelung der Bundesländer gilt natürlich.

Jagderleben: Ab wann sind Jungdachse denn unterwegs?

Dr. Konstantin Boerner: Jungdachse werden im Februar/ März gewölft. Es dauert etwa zweieinhalb Monate, bis sie erstmals vor dem Bau erscheinen. Auch in den folgenden Wochen sind die Stücke zusammen mit ihren Geschwistern und erwachsenen Tieren anzutreffen. Mit neun bis zehn Monaten sind sie körperlich nahezu ausgewachsen und regelmäßig auch allein anzutreffen. Sie sind damit in der Lage, ihr Geburtsgewicht im ersten Lebensjahr zu verhundertfachen.

Jagderleben: Wie spreche ich Jungdachse an?

Dr. Konstantin Boerner: Jungdachse lassen sich vor dem Schuss vor allem über das geringere Körpergewicht ansprechen. Das fällt bei einzeln kommenden Stücken oft sehr schwer, weil unser Auge auf das Feststellen von Unterschieden eingeübt ist. Mit einiger Erfahrung lassen sich bestimmte kindliche Merkmale erkennen. Besonders aufmerksam sollte man die Schädelgeometrie begutachten. Diese wirkt bei Jungdachsen etwas gestaucht. Man sollte sich auch nach der Erlegung vor allem die Proportionen einprägen, um ein Gefühl für die Art zu bekommen.

Jagderleben: Dachse gelten als sehr schusshart, woran liegt das?

Dr. Konstantin Boerner: Schusshärte ist eine Frage von Physik und Physiologie. Dachse können Körpergewichte von 20 und mehr Kilogramm erreichen. Das Gewicht wird aufgrund des gedrungenen Körpers jedoch schnell unterschätzt. Ein Wildtier dieser Größe benötigt für eine sichere Tötung auch entsprechende Geschosse. Daher: Nicht zu klein rangehen.


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