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Corona-Krise: Auswirkungen auf den Wildbrethandel

Rasso Walch © Markus Werner
Rasso Walch
am
Samstag, 28.03.2020 - 07:02
Rehe und eine Wildschwein in einer Wildkammer bzw. Kühlkammer. © Matthias Meyer
Die Corna-Krise könnte deutliche Auswirkungen auf den Absatz von Wildbret haben.

Für viele Jäger stellt sich derzeit die Frage, wie sie ihr Wildbret, das über den eigenen Bedarf bzw. die Lagekapazitäten hinausgeht, vermarkten können. Schließlich haben Gastronomien, ausgenommen Betriebe mit Liefer- bzw. Abholservice, derzeit aufgrund des Coronavirus und den damit einhergehenden Beschränkungen geschlossen. Wie lange dieser Zustand noch bestehen bleibt, lässt sich bisher nicht abschätzen. Eine Lockerung der Einschränkungen stellte Gesundheitsminister Jens Spahn frühestens für die Zeit nach Ostern in Aussicht. Ob diese dann auch für Gastronomien gilt, lässt sich momentan genauso wenig vorhersagen, wie der weitere Verlauf der Corona-Krise. Außerdem muss damit gerechnet werden, dass trotz Soforthilfemaßnahmen der Bundesregierung einige dieser Betriebe auf der Strecke bleiben.

Verlegung des Beginns der Schusszeit

Da auch die Direktvermarktung des Wildbrets an Privatpersonen durch die geltenden Ausgangs- bzw. Kontaktbeschränkungen eher negativ beeinflusst wird, werden sich einige Jäger an Wildbrethändler bzw. -verarbeitungsbetriebe wenden. Doch auf Anfrage der Redaktion beim größte deutsche Wildverarbeitungsbetrieb, der Josef Maier GmbH & Co. KG aus Bad Wörishofen (Bayern), macht dieser wenig Hoffnung.

Die Betriebe in der Branche seien mit den bisher verfügbaren Mengen nahezu ausgelastet. "Die Verarbeitung der gesamten Mengen durch Wildverarbeitungsbetriebe ist faktisch nicht darstellbar", erklärt man weiter. Seitens der Josef Maier GmbH rechnet man besonders zum Beginn der Jagdzeit auf Rehwild mit großen Absatzproblemen. Daher plädiert das Unternehmen – bei dem im Schnitt 2.500 Rehe täglich verarbeitet werden – für eine Verlegung des Beginns der Schusszeit:

"Im Interesse aller Beteiligten plädieren wir unter Beibehaltung der Abschusszahlen für die Verlegung des Beginns der Schusszeit von 1. Mai 2020 auf 1. August 2020. Das Aussetzen der Schusszeit von drei Monaten offeriert allen Beteiligten realistische Chancen auf eine Entspannung der Gesamtsituation und Vermarktung von Wild in ähnlichem Umfang der Vergangenheit. Eine Beibehaltung des Beginns der Schusszeit in knapp fünf Wochen führt unweigerlich zu einer enormen Anzahl von nicht absetzbaren Beständen. Für Jägerinnen und Jäger, Wildhändler und alle zur Wildvermarktung zugelassenen Unternehmen gilt es zu vermeiden, dass erlegtes Wild nach Ausschöpfen aller Lager- und Bevorratungsressourcen vernichtet werden muss."

Ankaufspreise müssen angepasst werden

Auch ein Wildbrethändler aus Thüringen sieht dem baldigen Beginn der Jagdzeit kritisch entgegen. Derzeit nimmt er Wild von privaten Jägern an und hat dies auch zum Aufgang der Jagd weiterhin vor – allerdings besitzt er eine begrenzte Lagerkapazität. Um das finanzielle Risiko zu minimieren, wird er voraussichtlich seine Ankaufpreise dementsprechend anpassen müssen.