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Bürokratie statt Tierwohl

Nachsuchengespann im Einsatz: Ein Wildhüter setzt Hund an... Foto: Wildhut Bern


Wie die BZ (Berner Zeitung) berichtet, wurde vergangene Woche am Freitagmorgen im Kanton Bern ein Alttier von einem Auto angefahren und dabei schwer verletzt. Vorschriftsmäßig sei daraufhin die Polizei informiert worden. Parallel dazu habe eine Autofahrerin, die den Unfallort passierte, kurzerhand einen bekannten Jäger verständigt, der binnen weniger Minuten zur Stelle war. Erlösen durfte der Waidmann das Tier jedoch nicht. Dies bestätigte auch Polizeisprecher Christoph Gnägi: „Die Polizisten haben dem Jäger angewiesen, sich dem Tier nicht zu nähern.“ Ebenso haben sie ihm verweigert den Fangschuss anzutragen.
Darüber machten nun viele Leser auf der Internetseite der BZ ihrem Ärger Luft: Sie forderten die Politik auf, Jäger/innen mehr Rechte zu geben. Nur in absoluten Ausnahmefällen und nach eingehender Prüfung des Einzelfalls sei es möglich, dass ein Jäger den Fangschuss übernehme. In diesem Fall seien die Ordnungshüter informiert gewesen, dass in wenigen Minuten ein Wildhüter eintreffe. Fangschüsse anzutragen sei zudem nicht die primäre Aufgabe der Polizei, sondern der Wildhut, rechtfertige Gnägi das Vorgehen der Kollegen.
Dies sieht der Präsident des Berner Jägerverbandes (BEJV), Lorenz Hess, anders: „Das Tierwohl sollte im Vordergrund stehen.“ Wäre er in der Situation des Jägers gewesen, hätte er den Fangschuss angetragen und es auf eine Anklage ankommen lassen, erklärte er im Gespräch mit jagderleben. Es sei nicht das erste Mal, dass die Polizei einem Jäger das Einschreiten verweigere und auf die Wildhut wartet. „Das ist nicht angemessen“, beurteilte der Präsident das hinauszögernde Vorgehen.
Insgesamt dauerte der Vorfall vom Zeitpunkt des Unfalls bis zum Antragen des Fangschusses durch den Wildhüter etwa 40 Minuten.
MH