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Bürger lehnen geplanten Nationalpark ab

Bei einer Info-Veranstaltung (v.l.): Jürgen Ruht, Vorsitzender der Bürgerbewegung, Vorstandsmitglied Ralph Gerdes und Beatrix Boekstegers, Vorsitzende des Waldbauernverbandes. Foto: RG © RG

Der Name der Initiative zeigt die Stoßrichtung an: "Unser Teutoburger Wald - Kein Nationalpark in Lippe". Gründungs- und Vorstandsmitglied Ralph Gerdes kritisiert gegenüber jagderleben.de unter anderem auch die aus einem solchen Schritt resultierende Situation für die Jagd. Er fürchtet als negatives Resultat eine zu hohe Wilddichte und erhebliche Wildschäden in der angrenzeden Land- und Forstwirtschaft.
„Die Kreisjägerschaft Lippe teilt die Meinung der Bürgerinitiative“, so Karl-Gerd Meyer zu Hölsen, Schießobmann des Verbandes. Außerdem: „Viele Mitglieder haben in dem vorgesehenen Kerngebiet ihre Hochwildreviere mit guten Beständen an Rot-, Dam- und Schwarzwild gepachtet. Diese Pachtverhältnisse würden dann auslaufen.“
Gerdes wirft dem Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) „Betrug an den Bürgern“ vor. Der Bevölkerung werde ein Nutzungsrecht ihrer Privatflächen in einem Nationalpark Teutoburger Wald versprochen. Gleiches gilt für die heide-ähnliche Senne. Sie ist eine Kulturlandschaft, welche durch den Wegfall der Nutzung ihren schützenswerten Charakter verlieren würde. Da jedoch die wirtschaftliche Nutzung in einem Nationalpark nach den Kriterien der internationalen Weltnaturschutzorganisation IUCN komplett gestrichen wird, sieht Gerdes hier die Bürger nicht nur in ihren Rechten beschnitten. Mehr noch: Wenn das Ministerium die Aufrechterhaltung des jetzigen Zustands durch die geplanten Management-Zonen gewährleiste, wäre das ein „Verrat an den Nationalparkgedanken“, so Gerdes. Dass das Kerngebiet des gesamten Parks mit knapp 7.500 Hektar gut ein Viertel unter der vorgeschriebenen Mindestgröße liegt, werde von der Regierung ohnehin ignoriert.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die wirtschaftliche Situation in der Region. Zwei namhafte „Global Player“ der holz- und weiterverarbeitenden Industrie sind im Kreis ansässig und tragen mit 6,8 Prozent zum Bruttosozialprodukt im Kreis bei.
Beispiele anderer Nationalparks zeigten zudem ganz deutlich, dass durch Tourismus mit keinen hohen Einnahmen gerechnet werden könne und überhaupt „spiele der Tourismus nicht die erste Geige, sondern die Natur“.
Gerdes betont, dass die Bürgerbewegung keinesfalls den Grundgedanken eines besonderen Schutzgebietes ablehne. Vielmehr fordert man ein Biosphärenreservat, indem der Mensch mit der Natur im Einklang leben könne. BS