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Von Böcken, Bärten und Berichterstattern

Moderator Christoph Süß vor der Studiodekoration der Sendung "quer" zu einem Beitrag über Gams. Foto: BR-Homepage


Als Journalist über Berufskollegen zu lästern, gehört sich eigentlich nicht. Deshalb soll hier der Jäger sprechen, der sich über die Berichterstattung zu einer Symboltierart wundert. Was war passiert? Zunächst etwas ganz und gar Untypisches: Ein Tierschutzverein, ein Naturschutzverband und eine Jägerorganisation wollten gemeinsam auf die ihrer Meinung nach gnadenlose Verfolgung des Gamswildes im bayerischen Bergwald aufmerksam machen (wir berichteten hier).
Da kann schon mal ein Weltbild ins Wanken geraten. Sind doch in der Denke so mancher Medienschaffender die Tier- und Naturschützer die "Guten" und die Jäger die "Bösen". Und jetzt halten die plötzlich zusammen! Aber gegen wen eigentlich? Aha, gegen die Förster. Das macht die Sache dann schon wieder leichter. Denn mit der gleichen Inbrunst, mit der man in manchen Redaktionsstuben eine Abneigung gegen Jäger hegt, wird dem Forstmann dort Liebe entgegen gebracht. Weil der schließlich die Tiere nicht aus Spaß, sondern für einen guten Zweck totschießt. Das muss der Öffentlichkeit unbedingt bewusst gemacht werden, gerade in diesem Fall. Damit die Liebhaber der "Viecherl" sich ja nicht von diesen Tierschützern einlullen lassen. Deshalb hat die "Süddeutsche Zeitung" bereits vor dem Symposium in einem Artikel darauf aufmerksam gemacht, dass das alles Quatsch sei und die Förster nur ja nicht nachlassen sollen in ihrem heldenhaften Kampf für den Bergwald. Peinlich nur, dass auf dem dazugehörigen großformatigen Foto - fünf Spalten breit - was zu sehen war? Nein, keine verbeissende Gams im Bergwald, sondern: Eine ihr Kitz säugende Steingeiß in karger Felsenhöhe.
Der Bayerische Rundfunk hat der Gamstagung in seiner Sendung "quer" ebenfalls Interesse entgegen gebracht. Schon etwas gemäßigter als bei den Zeitungskollegen, aber auch hier wurden Kronzeugen dafür in Stellung gebracht, dass die Sorge um das Gamswild unbegründet sei. Und einig war man sich mit den Zeitungsleuten auch darin, wie die Tiere aussehen. Denn hinter dem Moderator Christoph Süß blickte wieder ein Stück Steinwild großflächig aus steiler Höh´von der Studiowand.
Gibt es denn in München niemanden mehr, der weiß, wie Gams tatsächlich aussehen?
Da stellt die Frage, welchen Ursprungs die schmucke Hutzier des Moderators war, wohl nur mehr den Streit um des Kaisers, Pardon, der Gämse Bart dar.
JMB