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Bock im Nachbarrevier erlegt – Förster freigesprochen

Der angeklagte Förster erlegte einen gesunden Rehbock im benachbarten Revier (Symbolbild).


Das Amtsgericht Mühldorf am Inn (Bayern) hat einen Förster freigesprochen, der im verpachteten Nachbarrevier einen gesunden Rehbock erlegt hat. Der Mann war angezeigt worden, aus dem Auto heraus im fremden Revier den Bock geschossen zu haben. Zwei Zeugen hatten bei der Polizei ausgesagt – vor Gericht waren sie nicht geladen.

Der Angeklagte ist nach eigenen Angaben Verfechter der ökologischen Jagd, die sich besonders hohe Abschüsse zum Ziel setzt. Er habe den Grenzverlauf falsch interpretiert, jedoch nicht aus dem Auto heraus geschossen, sagte der 47-jährige Beschuldigte aus. Der Förster selbst jagt im Jagdbogen daneben, der eigenbewirtschaftet wird. Die als Entschädigung angebotene Trophäe, zusammen mit 50 Euro, die der Angeklagte in der Verhandlung dem Pächter des Nachbarreviers übergeben wollte, nahm dieser sieben Monate nach der Tat ohne Kontaktaufnahme nicht an.

Geschädigter Pächter wird monatelang verleumdet

Obwohl der Pächter den Vorfall nicht selbst zur Anzeige brachte, seien er und seine Familie beschuldigt worden, dem Angeklagten eine Falle gestellt zu haben. Üble Gerüchte hätten kursiert. Der Täter sei von verschiedenen Seiten zum Opfer stilisiert worden, er selbst als der Böse dagestanden, so der Jagdpächter.

Richter spricht Angeklagten frei

Wie das „Oberbayrische Volksblatt“ berichtete, machte der verhandelnde Richter keinen Hehl daraus, wie fremd ihm „die Welt der Jäger“ sei. Aufgrund des geringen monetären Streitwerts schlug er vor, das Verfahren wegen geringer Schuld ohne Geldauflage einzustellen. Dies lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Mit einem „Herrgott nochmal“ verabschiedete sich der Richter – der Darstellung im „Oberbayrischen Volksblatt“ zufolge – aus dem Gerichtssaal um die Gesetze und Verordnungen zu prüfen, und das Verfahren zu einem raschen Ende zu bringen. Schließlich spricht er den Angeklagten frei – ein Vorsatz sei nicht nachzuweisen. Für den Jagdpächter ist das Vertrauen in die Jagdgenossenschaft zerrüttet, er gibt seine Jagd zum 31. März auf. CL


Christian Liehner Redaktionsvolontär bei den dlv-Jagdmedien. Aufgewachsen am Bodensee. Jagdschein während des Studiums der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg.
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