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BJV-Präsident: Ernst-Ulrich Wittmann tritt gegen Weidenbusch an

Crossmedia-Redakteur der dlv-Jagdmedien, verantwortet das Magazin "Bergjagd". Hat Forstwissenschaften an der TU München und Wildtierökologie an der BOKU Wien studiert. © Robin Sandfort
Martin Weber
am
Freitag, 01.04.2022 - 10:30
Ernst-Ulrich-Wittmann-BJV © Ernst-Ulrich Wittmann
Dr. Ernst-Ulrich Wittmann möchte am 2. April in Augsburg zum neuen Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands gewählt werden und tritt gegen den derzeitigen Amtsinhaber Ernst Weidenbusch an.

PIRSCH: Kurz vor dem Landesjägertag 2022 des Bayerischen Jagdverbands haben Sie Ihre Bewerbung um das Präsidentenamt rausgeschickt. Stellen Sie sich bitte kurz vor, wer ist Ernst-Ulrich Wittmann?

Ernst-Ulrich Wittmann: Ich heiße Dr. Ernst-Ulrich Wittmann, bin 1970 geboren und bin Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägervereins Dachau. Als Patentanwalt leite ich meine internationale Kanzlei, bin Maschinenbauer und habe an der Forstfakultät in Tharandt promoviert. Mit der Jagd bin ich aufgewachsen und habe 1989 den Jagdschein gemacht. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Zur Familie gehört auch eine Rauhaardackelhündin, die ich selbst abgerichtet habe und mit der ich im Bayerischen Dackelklub als Züchter aktiv bin. Neben meinen frühen jagdlichen Erfahrungen in der Stadtjagd in Dachau war ich neun Jahre Revierinhaber des GJV Günding bei Dachau und gehe dort noch heute auf die Jagd. Seit 2018 leite ich die Kreisgruppe Dachau und sitze hier im Jagdbeirat.

PIRSCH: Warum sollte man Sie zum Präsidenten des Bayerischen Jagdverbands wählen und nicht Ernst Weidenbusch?

Ernst-Ulrich Wittmann: Es wird Zeit, die Kreisgruppen wieder in den Mittelpunkt der Arbeit des BJV zu stellen. Sie sind der Dreh- und Angelpunkt der praktizierten Jagd. Hier ist das Fundament des BJV, hier wird die nächste Generation der Jäger gefördert und im Verständnis unserer Jagd betreut. Die Kreisgruppen müssen unmittelbar und eindeutig das Geschehen im Landesverband bestimmen und beeinflussen. Ich möchte den BJV in eine Zukunft führen, die wieder an unsere Wurzeln anknüpft. Mit unserem Netzwerk in alle Regionen und Kreise, mit dem jagdlichen Wissen unserer Jäger und der Wertschätzung unserer Gesprächspartner.

PIRSCH: Worin sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf?

Ernst-Ulrich Wittmann: Wir brauchen zwingend eine professionelle Geschäftsstelle mit einem entsprechend verantwortlichen Hauptgeschäftsführer und Fachreferenten, die innen wie außen auch gehört werden. Die Ausschüsse müssen aktiv werden und sich um die aktuellen Probleme der Jagd annehmen, und wir müssen die hier geleitstete Arbeit auch wertschätzen und eine Umgangsform pflegen, die von Respekt und Vertrauen geprägt ist.

PIRSCH: Wie beurteilen Sie das derzeitige Verhältnis des BJV zu anderen landnutzenden Verbänden wie BBV und WBV?

Ernst-Ulrich Wittmann: Hier besteht aus meiner Sicht die erhebliche Gefahr, dass wir die Kommunikationswege so belastet haben, dass wir nicht mehr als ernstzunehmender, respektabler Gesprächspartner angesehen werden. Ein einzelnes Editorial in der JiB aus einem Partnerverband, das im Umfeld einer intensiven Kontroverse sogar zurückgezogen werden sollte, täuscht über das tatsächliche Verhältnis zwischen uns als BJV und den anderen Verbänden und Organisationen hinweg.

PIRSCH: Sehen Sie sich im Nachteil gegenüber Herrn Weidenbusch im Hinblick auf Ihr politisches Netzwerk?

Ernst-Ulrich Wittmann: Nein, das sehe ich nicht, da ich hier einen größeren Freiheitsgrad habe, was Anknüpfungspunkte auch über Parteigrenzen hinweg angeht. Auch habe ich keine politischen Altlasten, die meine Arbeit für den BJV belasten würden.

PIRSCH: Was stehen Sie zur „Theßenvitz-These“ die kürzlich in der „Jagd in Bayern“ veröffentlicht wurde? Der Autor Robert Pollner wirft dem Staatsministerium darin vor, ein Strategiepapier aus 2008 mit dem Ziel die traditionelle Jägerschaft zu demontieren, nun doch umsetzen zu wollen.

Ernst-Ulrich Wittmann: Ich glaube nicht, dass wir mit diesen alten Kamellen etwas im Sinne der Jagd erreichen können. Wir sind u.a. mit den aktuellen Herausforderungen des Waldumbaus konfrontiert, bei welchem wir den Interessen des Wildes eine Stimme geben müssen. Diese Stimme muss aber auch gehört und wertgeschätzt werden. Wenn wir aber über eine solche Veröffentlichung und die damit verbundenen Spekulationen Türen verschließen, ist das für unseren Einsatz im Sinne der Jagd kontraproduktiv. Die Reaktion aus dem Ministerium spricht dabei auch in ungewohnter Deutlichkeit für sich.

PIRSCH: Sie beklagen fehlende Transparenz: was würde sich unter Ihnen ändern?

Ernst-Ulrich Wittmann: Transparenz fängt nicht erst dann an, wenn man Entscheidungen verkündet und ggf. umsetzt, sondern man kann und darf erwarten, dass die Kreisgruppen auch in wesentliche Entscheidungen, die sie betreffen, mit eingebunden werden. Dies betrifft auch nicht nur die Arbeit des Präsidiums, sondern auch der Ausschüsse. Es muss wieder deutlich werden, wo die eigentliche Arbeit des BJV geleistet wird – nämlich in den Kreisgruppen – und dass sich das Präsidium und die Ausschussarbeit genau hieran orientieren.

PIRSCH: Falls Sie Präsident werden würden: welcher prägende Satz stünde für Ihre Amtszeit?

Ernst-Ulrich Wittmann: „Stark in den Kreisen und Regionen für unser Wild und die Jagd“

Die Fragen stellte Martin Weber

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