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BJV-Kandidat Ernst Weidenbusch: Die Vergangenheit loslassen!

J.-M. Bloch © Markus Werner
Josef-M. Bloch
am
Samstag, 10.10.2020 - 10:05
Ernst-Weidenbusch-2 © Constanza Swoboda
Für das Amt des BJV-Präsidenten kandidiert Ernst Weidenbusch

Herr Abgeordneter Weidenbusch, Sie beabsichtigen, beim Landesjägertag am 17. Oktober für das Amt des Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) zu kandidieren. Warum wollen Sie sich das antun?
Weidenbusch: Der Verband befindet sich in einer existenziellen Krise. Der erfolgreiche Einsatz für die waidgerechte Jagd benötigt deshalb einen durchsetzungsstarken, geschlossenen Verband. Mit der aktuellen Führung gelingt das nicht, da der Fokus auf Verbandsinterna liegt.

Sie waren ja bisher nicht Präsidiumsmitglied beim BJV, wie haben Sie die Arbeit des BJV-Präsidiums in den zurück liegenden Jahren und das Krisenmanagement nach dem Rückzug von Prof. Vocke empfunden?
Weidenbusch: Welches Krisenmanagement? Wir erwarten Ehrfurcht und Achtsamkeit im Umgang mit dem Wild; es macht mich betroffen, wie im BJV-Präsidium miteinander umgegangen wird. Es muss einen kompletten Neuanfang geben. Das ist der Grund, warum wir als Team antreten.

Sie sind jetzt nicht der Kandidat mit der typischen Verbandskarriere, warum haben Sie sich nicht schon früher innerhalb des BJV engagiert?
Weidenbusch: Ich habe mich von Anfang an erfolgreich für den BJV engagiert. Das Umweltministerium wollte den Kreisgruppen die Hundeausbildung ohne § 11-Prüfung untersagen, ich konnte das verhindern. Die Einführung der Schwarzwildprämie habe ich ebenso durchgesetzt wie eine pragmatische Regelung zur Nachtsichttechnik. Im Vordergrund steht bei mir immer die Sache.

Sie sind CSU-Landtagsabgeordneter, daher steht zu befürchten, dass Ihr Handeln als möglicher BJV-Präsident immer wieder unter parteipolitischen Gesichtspunkten beurteilt werden würde. Ein Aspekt, der zeitweise schon die Präsidentschaft von Jürgen Vocke belastet hatte. Schreckt Sie das nicht ab?
Weidenbusch: Es ist allgemein bekannt, dass ich immer lösungsorientiert und parteiübergreifend handle. Das christliche Menschenbild prägt mein ganzes Leben; gerade weil ich mich nur an der Sache orientiere, schätzt z. B. unser Ministerpräsident meine oft kritische, aber immer konstruktive Argumentation.

War es nicht etwas unklug vom „Team-Zukunft-BJV“, dem Sie ja angehören, so kurz vor der Wahl den Kandidaten zu wechseln, oder war es doch ein parteipolitischer Schachzug?
Weidenbusch: Genau das Gegenteil ist der Fall, wenn ein Staatssekretär der Freien Wähler verzichtet und ein CSU Landtagsabgeordneter dafür kandidiert. Und es zeigt die Stärke des Teams, dass wir auf diese Entwicklung von außen reagieren konnten und dabei als Team zusammen bleiben.

Welche Schritte würden Sie als BJV-Präsident unternehmen, um mit der Vergangenheit abzuschließen und einen echten Neuanfang zu starten.
Weidenbusch: Man muss die Vergangenheit loslassen, um der Zukunft eine Chance zu geben! Wir werden mit Prof. Jürgen Vocke vereinbaren, dass er an den Verband bezahlt, was Staatsanwaltschaft und Finanzbehörden, also neutrale Behörden, feststellen. Damit ist die Sache endlich erledigt.

Die Fragen von JE-Redaktionsleiter Josef-Markus Bloch (li.) beantwortete Ernst Weidenbusch bei einem Besuch in seinem Revier.

Immer wieder wird auch die Variante eines hauptamtlichen BJV-Präsidenten anstatt der eines „Ehrenämtlers“ diskutiert. Wie stehen Sie dazu, und welches Verständnis haben Sie vom Präsidentenamt?
Weidenbusch: Ich bin ein Anhänger des Ehrenamtes. Der Präsident muss die Interessen der Bayerischen Jäger unabhängig vertreten können, dazu muss er einer von ihnen sein, mit ihnen reden, ihre Sorgen und Probleme kennen. Wie man als ehrenamtlicher Präsident mit einem hauptamtlichen Geschäftsführer erfolgreich zusammenarbeitet, dafür sind die IHK und der Hotel- und Gaststättenverband positive Beispiele.
 

Ein Wort zu den Inhalten: Begreifen Sie das im Zuge der Klimadiskussion neu erwachte Interesse der Gesellschaft am Wald als Chance, oder wird jetzt „Wald vor Wild“ auf ewig zementiert?
Weidenbusch: Die Diskussion ums Bundesjagdgesetz lässt ja nichts Gutes erwarten. Wir werden als BJV unter Beweis stellen, dass – auch klimatechnisch – nur ein Wald mit Wild funktioniert. Die Jagdgesetznovelle werden wir kurzfristig mit der politischen Spitze in Berlin besprechen; das ist bereits vereinbart, denn da ist Eile geboten.
 

Zu guter Letzt: Was bedeutet es für Sie persönlich, Jäger zu sein, und haben Sie eigentlich Zeit dafür?
Weidenbusch: Jagd ist die Liebe zur Natur, zu den Pflanzen, zu den Tieren, ob jagdbar oder nicht. Meine Frau Claudia und ich genießen es einfach, mit unserem Griffon-Rüden „Finzi“ draußen im Revier zu sein, deshalb nehmen wir uns sehr oft die Zeit dafür.


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