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Bestandsstützung bei Birkhühnern in der Rhön

Einer der besenderten Birkhähne bei der Freilassung in der neuen Heimat. Foto: Jörg Steinhoff © Jörg Steinhoff nur mit PM verwenden!

Was lange geplant war, konnte in der Woche nach der Birkwildzählung Anfang Mai nun erfolgreich durchgeführt werden: Um Birkühner zu fangen, in die Rhön zu bringen und dort auszuwildern, machten sich die "Wildland"-Mitarbeiter, Andreas Carl und Torsten Kirchner, gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem hessischen Teil des Biosphärenreservats auf die lange Reise nach Mittelschweden.
Das schwedische Zentralamt für Naturschutz hatte nach umfangreichen Vorbereitungen und nachdem aufwändige Auflagen erfüllt waren eine Fanggenehmigung für die Region um Ljusdal ausgestellt. So musste erst eine Studie vorgelegt werden, die bescheinigt, dass die Rhönpopulation des Birkwilds genetisch bereits verarmt ist.
Eine zusätzliche Machbarkeitsstudie der Universität Freiburg, die den strengen Kriterien der Weltnaturschutzorganisation IUCN genügt, bescheinigte, dass mit umfangreichen Maßnahmen in der Rhön genügend Lebensraum für diese Tierart bereitgestellt werden kann.
Laut der Studie muss das Ziel eine Fläche von 5000 Hektar geeigneten Lebensraums sein, um mindestens 100 Birkhühner zu beherbergen. „Birkhuhn 5000“ lautet also der Name des Projekts, mit dem dieser Lebensraum geschaffen werden soll.
Das Vorhaben in der Rhön war sogar ein Thema der internationalen Birkhuhntagung in Ostpolen im Herbst 2009, berichtet Schutzgebietsbetreuer Torsten Kirchner. Denn die Auswilderung von Wildvögeln ist bei Birkhühnern noch nie gut dokumentiert umgesetzt worden. Die internationale Fachwelt begrüße den „Versuch“ und schaue gespannt in die Rhön, so der Biologe.

Strenge Auflagen waren zu erfüllen<p>

Um Ihn nicht zu verletzen, wird der Hahn ganz vorsichtig aus dem Netz geholt. Foto: Susanne Spreer © Susanne Spreer Nur zusammen mit PM verwenden!!

Um Ihn nicht zu verletzen, wird der Hahn ganz vorsichtig aus dem Netz geholt. Foto: Susanne Spreer

Seitens der Regierung von Unterfranken wurde einer Auswilderung nur unter den Voraussetzungen „einer sauberen fachlichen Grundlage und Dokumentation“ zugestimmt. Parallel dazu „müssten nun umfangreiche Lebensraumverbesserungen auch über die Lange Rhön hinaus“ stattfinden.
Um den Fang der Tiere in Schweden musste sich das Team aus Deutschland selbst kümmern. Etwas ungläubig, ob das denn wohl gelänge, schauten die schwedischen Förster von „Sveaskog“ zu. Der dortige Staatsforstbetrieb unterstützte das Vorhaben und gab die Hühner – in Schweden ist die Art sehr verbreitet – kostenlos ab. Der zuständige schwedische Förster, Stefan Karlsson, stellte für den ersten gefangenen Hahn sogar eine Elchschaufel als Anreiz in Aussicht, die jetzt im Wildland-Büro von Torsten Kirchner in Oberelsbach zu bestaunen ist.
Denn die Rhöner waren gut vorbereitet. In umfangreichen Kontakten mit erfahrenen Birkwildforschern aus Italien und Finnland wurde der Fang vorbereitet. Mit Hilfe von Stellnetzen, die nach genauer Beobachtung der Balzplätze platziert wurden, gelang der Fang in nur zwei Anläufen rasch.

Erfolgreiche Fangaktion in Schweden<p>

Nach dem Fang mussten die Vögel möglichst schnell ins Auswilderungsgebiet gebracht werden. Foto: Susanne Spreer © Susanne Spreer Nur zusammen mit PM verwenden!!

Nach dem Fang mussten die Vögel möglichst schnell ins Auswilderungsgebiet gebracht werden. Foto: Susanne Spreer

Das Ergebnis war der Fang von neun Birkhähnen und zwei Birkhennen. Alle Tiere blieben unversehrt. Den Transport in die Rhön per Auto in speziell angefertigten Kisten überstanden die Tiere erstaunlich gut – im Gegensatz zu den Fahrern, die trotz Handschuhe und Mütze im gekühlten Fahrzeug durchgefroren ankamen.
So konnten die Tiere ohne sichtbare Beeinträchtigung in ihrer neuen Heimat, dem Naturschutzgebiet Lange Rhön, nur einen Tag nach dem Fang freigelassen werden.
Ob sich die Vögel in der Rhön eingewöhnen, wird nun per Peilsender verfolgt. Zehn der „Schweden“ wurden mit einem 16 Gramm leichten Sender ausgestattet, eine in der Wildbiologie bewährte Methode, um die Tiere individuell und ohne Störung von weitem zu verfolgen.
Die ersten Tage, so Torsten Kirchner zeigten, dass die Hühner nicht die Flucht ergriffen haben, sondern im Gebiet geblieben sind.
Die Kosten für die Fangaktion teilte sich die Wildland-Stiftung Bayern mit dem Birkwildhegering Hessische Rhön. „Für die Birkhühner gibt es keine Landesgrenzen in der Rhön“, betont Kirchner. „Es wird sich dort wohlfühlen, wo der Lebensraum am geeignetsten ist.“ Zur Erreichung „Birkhuhn 5000“ seien ohnehin alle drei Bundesländer gefordert, entsprechende Maßnahmen umzusetzen.