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Berufsgenossenschaft muss Witwe bezahlen

Nach einem tödlichen Unfall bei einer Nachsuche muss die Berufsgenossenschaft nun die Witwe entschädigen (Symbolbild). Foto: BS


Am 3. Mai 2012 war es zu dem tragischen Unfall gekommen: Im Rahmen einer Jagd wurde damals ein Stück Rehwild angeschossen und flüchtete. Der darüber informierte Jagdaufseher hatte daraufhin seinen Bruder gebeten, ihm seinen Hund zur Nachsuche zu leihen und zu helfen. Der 45-Jährige willigte ein. Im Wald stürzte er dann eine Böschung hinab, brach sich das Genick und verstarb.
Die Berufsgenossenschaft (BG) lehnte in der Folge eine Entschädigung der Witwe ab. Denn aus Sicht der Versicherung habe es sich nicht um einen Arbeitsunfall, sondern um eine freiwillige Unterstützung im Rahmen der familiären Beziehung gehandelt. In erster Instanz im Mai 2016 hatte das Sozialgericht Wiesbaden diese Einschätzung geteilt. Die Witwe legte daraufhin Berufung beim Landessozialgericht Hessen ein. Letzteres kippte nun das erste Urteil rechtskräftig. Die Richter schlossen sich dem Anliegen der Ehefrau an. Denn nach ihrer Auffassung sei der Verunfallte als Jagdhelfer für die Durchführung der Nachsuche angefordert gewesen. Damit sei er "wie ein Beschäftigter" gesetzlich unfallversichert. Außerdem handle es sich bei der Tätigkeit aufgrund der Dauer und Gefährlichkeit grundsätzlich um keinen selbstverständlichen Hilfsdienst unter Verwandten.
Übrigens: Das Urteil wäre anders ergangen, wenn der Verstorbene selbst der mit der Nachsuche beauftragte Schweißhundeführer gewesen wäre. Denn in diesem Fall hätte er über Art, Umfang und Zeitpunkt seines Einsatzes frei verfügen können. Das heißt, er wäre nicht dem Direktionsrecht des Jagdpächters (Jagdunternehmers) unterstanden. Der Verunglückte sei jedoch als Helfer tätig gewesen, so das Gericht.
PM/RW

 


Rasso Walch Der studierte Förster stammt aus einer traditionellen Jägerfamilie und hat seine Jägerprüfung bereits im Alter von 14 Jahren abgelegt.
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