Berlin: Lappjagd-Lapsus

Derartig "abgelappt" hat der Pächter eines Nachbarbezirks der Berliner Forsten seine Reviergrenze vorgefunden. (Foto: Privat)


Dirk G. ist stinksauer. Sein Jagdrevier im Norden Berlins grenzt an Wälder, die von der Revierförsterei Gorinsee der Berliner Forsten bejagt werden. Am 5. Dezember fand dort eine Drückjagd statt, an der traditionell auch angrenzende Verwaltungs- und Privatreviere teilnehmen. Dirk G. war nicht beteiligt, wollte jedoch mit einigen Jagdfreunden an der Reviergrenze ansitzen, um „abzustauben“.
Als G. und seine Mannen die Hochsitze beziehen, staunen sie nicht schlecht: Die Reviergrenze ist mit Flatterband weiträumig abgelappt. Der von § 19 des Bundesjagdgesetzes bei der Lappjagd geforderte Mindestabstand von 300 Metern zur Reviergrenze wurde G.s Worten zufolge nicht eingehalten: „Die Lappen waren null bis 150 Meter von der Grenze entfernt.“ Entsprechend wenig Wild wechselt zu den Jägern ins Nachbarrevier.„Ich hätte für diese Maßnahme durchaus Verständnis gehabt, wenn die Bundesstraße 109 damit abgesichert würde“, erklärt Dirk G. „Dort steht aber bereits ein Wildzaun. Direkt an meiner Reviergrenze ist das für mich ein Ausdruck von Jagdneid, weiter nichts.“
Erbost fotografiert G. die Lappen und schickt eine geharnischte Beschwerdemail an die Berliner Forsten. Die reagieren einigermaßen kleinlaut und schuldbewusst: Man bedauere, dass die Einhaltung der Granzabstände nicht überall beachtet worden sei. Die Verwendung der Lappbänder sei aber kein Ausdruck von Jagdneid, sondern diene der Verkehrssicherheit im Rahmen der Jagd. Besonders der Schutz von Waldbesucherinnen und Waldbesuchern, des Straßenverkehrs und auch der jagenden Hunde sei Grund für diese Maßnahme gewesen.
Beschwichtigend äußert sich auch Mark Franusch, Pressesprecher der Berliner Forsten: „Uns war nicht bekannt, wer das Revier gepachtet hatte.“ Es liege in erster Linie ein Kommunikationsproblem vor, nun gelte es, Vertrauen und eine gut nachbarschaftliche Kooperation aufzubauen. „Künftig werden wir Herrn G. selbstverständlich einladen, an dieser Jagd mitzuwirken.“ Bleibt nur eine Frage: Warum nicht gleich so? SE