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'Bayern bricht EU-Recht'


Den Einstieg vor über 300 Besuchern machten die Wildbiologen Dr. Flurin Filli (Schweizerischer Nationalpark Graubünden) und Miriam Traube (Tiroler Jägerverband). Beide wiesen auf die Hauptprobleme der Gams hin: Störungen durch Tourismus bzw. Almwirtschaft und eine am Boden liegende Altersstruktur.
Die Aussage Filli‘s, man habe auch außerhalb des Nationalparks Wildruhezonen mit einem absoluten Beretungsverbot inkl. Strafe bei Missbrauch, erntete Applaus. Dank Ruhe und freier Einstandswahl wachse auch im Schutzgebiet der Wald, trotz einer „rießen Menge Schalenwild“. Für Filli hat auch die „Rückkehr des Wolfes was Gutes“: Die aufgetriebenen Schafe müssen behirtet bzw. zusammengerieben werden. So ergeben sich wieder mehr Einstände und geringere Nahrungskonkurrenz für die Gams. Miriam Traube sieht ein großes Problem in der fehlenden Altersstruktur: Für die Vitalität eines Bestands, sei es essentiell, „dass die Alten überwiegen“. Das sei aber aufgrund der zu jungen Einstufung in Tirol und Bayern in Klasse I (optimal: ab 13 Jahren, derzeit ab acht Jahren) und einer einhergehenden massiven Überjagung der Klasse-II Stücke nicht der Fall. „Wenn wir sie runterschießen, können sie nicht alt werden“.
Dr. Christine Miller beschäftigte sich vor allem mit dem Umgang der Gams in Bayern. Durch die meist südlich ausgerichtete Lage der Sanierungsflächen werden dank Schonzeitaufhebung klassische Wintereinstände zur „no-Go-Area“. Ausserdem dienten Sanierungsflächen meist gar nicht dem oft vorgeschobenen Objektschutz, sondern dem Hochwasserschutz. Diesen könne der Bergwald aber gar nicht leisten, das müsse vor allem in den Auen geschehen. Darüber hinaus werden viele wertvolle Naturschutzflächen, die u.a. für Auer- und Birkwild existenziell sind, durch eine Sarnierung zerstört. Durch dies und die verschlechterte Bestands- und Verbreitungssituation der Gams, breche Bayern geltendes EU-Recht. Millers Resumee: „Die Schutzwaldsarnierung gehört dringend sarniert“ (weitere Einzelheiten dazu in PIRSCH 9/2014).
Auf die Frage von jagderleben.de an Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch (neben der Jagdagenda21 Ausrichter der Veranstaltung), ob sich denn der Tierschutz für Wildruhezonen mit Betreteungsverboten einsetzen werde, antwortete diese mit „ja“.

Zum Ende des Symposiums stellten die Veranstalter noch die „Werdenfelser Erklärung zum Schutz der Gams“ vor.
MW