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Bayern: „Aktionsplan Wolf“ bringt wenig Klarheit

Der kürzlich vorgestellte „Aktionsplan Wolf“ für Bayern kann bislang nur wenig zur Klärung drängender Fragen beitragen. © Erich Marek

Der kürzlich aktualisierte „Aktionsplan Wolf“ des Bayerischen Landesamts für Umwelt lässt weiterhin viele Fragen offen. Man verstehe die Arbeit am Wolfsmanagement als andauernden Prozess mit stetiger Weiterentwicklung, so die Autoren. Landwirte und Naturschützer hatten sich gegenüber BR24 gleichermaßen enttäuscht geäußert.

Almen und Alpen unter besonderer Prüfung

Der nun veröffentlichte Leitfaden umreißt auf knapp 60 Seiten den möglichen Umgang mit verstärkter Wolfspräsenz in Bayern. Über Absichtserklärungen geht das Papier selten hinaus. So sollen die knapp 1.400 Almen und Alpen im Freistaat auf die Möglichkeiten überprüft werden, ob hier ein effektiver Wolfsschutz technisch machbar und zumutbar ist. Die Kriterien dieser Zumutbarkeit sind bis dato jedoch nicht erarbeitet.

Bewertungskommissionen sollen gleichberechtigt mit Vertretern aus dem Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, unter Einbeziehung des betroffenen Landwirts arbeiten. Wird keine Einigung erzielt, behält sich die Umweltverwaltung die alleinige Entscheidungsgewalt vor.

Kein Automatismus in "nicht schützbaren" Gebieten

Die Einstufung als „nicht schützbares Weidegebiet“ bedeutet allerdings keinen Automatismus in der Wolfsabwehr. Jede Entscheidung einer Wolfsentnahme bleibt eine Einzelfallentscheidung nach vorheriger intensiver Alternativenprüfung. Von den Almen als „wolfsfreien Gebieten“, kann also keine Rede sein. Ein Abschuss soll aber auch künftig möglich sein und unter Umständen auch ganze Rudel umfassen.

Kontakt zwischen Mensch und Wolf unvermeidlich

Ein zwangsläufiger Kontakt zwischen Wolf und Mensch ist in der Kulturlandschaft zu erwarten. Das Aktionspapier nennt verschiedene Beispiele, ab wann eine Entnahme gerechtfertig sein könnte. Tötet ein Wolf beispielsweise wiederholt Jagdhunde im Jagdeinsatz, entspricht dies seinem natürlichen Konkurrenzempfinden, weshalb eine Entnahme nur nach Nichterfolg, weiterer angemessener Vorsichtsmaßnahmen vorgesehen ist.

Zeigt ein Wolf dagegen wiederholt Aggressionen gegen Hunde, die mit Menschen unterwegs sind, ist eine Gefährdung von Menschen nicht ausgeschlossen und die Entnahme geboten. CL


Christian Liehner Redaktionsvolontär bei den dlv-Jagdmedien. Aufgewachsen am Bodensee. Jagdschein während des Studiums der Politikwissenschaft und Geschichte in Freiburg.
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