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Bayerischer Jagdverband: Was nun, Herr Schreder?

Thomas Schreder beim Landesjägertag 2019. © Martin Weber
Thomas Schreder (Mitte) beim Landesjägertag 2019.

PIRSCH: Der BJV ist in schwerem Fahrwasser – ein Präsident, gegen den staatsanwaltlich ermittelt wird, Hausdurchsuchungen und eine Schlammschlacht …

Thomas Schreder: Der BJV und die Jagd in Bayern stehen vor riesigen Herausforderungen, und ja, da müssen wir geeint und geschlossen agieren. Denn es werden unsere Gegner sein, die daraus Profit schlagen wollen. Daher ist es richtig und wichtig, wenn wir uns alle wieder auf das konzentrieren, wofür wir gewählt, bestellt und angestellt sind: Die Vertretung der Jagd und der Jägerschaft in Bayern. Daher gilt es auch eine saubere Trennlinie zu ziehen, denn gegen den BJV wird weder ermittelt noch sind wir als Verband im Fokus der Behörden.

PIRSCH: Wie konnte es soweit kommen – tragen Sie da als Präsidiumsmitglied nicht auch eine Mitschuld?

Thomas Schreder: Die Gründe für die aktuelle Situation sind vielschichtig. Zum einen sind unsere Verbandssatzung und Geschäftsverteilung in manchen Stellen überholungsbedürftig. Sie ermöglichen es der Verbandsspitze – Teilen des geschäftsführenden Präsidiums –, sehr eigenständig zu handeln und zu entscheiden. Was, wie wir jetzt sehen, auch passiert ist. Ich selber hatte als Bezirks-Vorsitzender und Mitarbeiter nur einen sehr beschränkten Einblick in die Entscheidungsfindung vor den Präsidiumssitzungen. Diese Entscheidungen sind stets im kleinen Kreis gefällt worden. Ich hätte aber, und das sehe ich nun sehr selbstkritisch, da genauer hinschauen bzw. entsprechende Transparenz einfordern müssen. Als Vizepräsident, der ich seit dem LJT in Veitshöchheim bin, habe ich gemeinsam mit meinen Kollegen in den letzten Monaten konsequent die Aufarbeitung der Themen begleitet und Neues angestoßen – immer das Wohl des Verbandes im Fokus. Hier müssen wir in Zukunft sicher nachschärfen und uns unseren Mitgliedern gegenüber öffnen! Wir als BJV dürfen nichts zu verbergen haben!

Professionelle Öffentlichkeitsarbeit geplant

PIRSCH: Wie ist derzeit die Stimmung in den Kreisgruppen und an der Basis?

Thomas Schreder: Die Stimmung ist angespannt, aber auch mit dem Willen versehen, sich wieder auf die Verbandsarbeit und auf die Zukunft zu konzentrieren. Ich bin viel unterwegs, und es besteht viel Aufklärungsbedarf an der Basis. Unsere Mitglieder haben es verdient, die Wahrheit zu erfahren und über die Fakten informiert zu werden – und zwar aus erster Hand. Dass es dabei auch zu intensiven Gesprächen und Diskussionen kommt, ist gut und wichtig, solange wir am Ende erkennen, dass nur ein starker und geeint auftretender Verband die Interessen von Wild und Jagd vertreten kann.

PIRSCH: Durch die Berichte in „Süddeutsche“, „Bild“ & Co. ist das Ansehen des BJV arg ramponiert. Wie wollen Sie da gegensteuern?

Thomas Schreder: Seit ein paar Tagen gibt es einstimmige Beschlüsse des Präsidiums, die eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit möglich machen, sodass die Fehler der Vergangenheit vermieden werden können. Uns alle eint das Bestreben, für unsere Jagd, unser Wild und das Bayerische Waidwerk zu arbeiten und zu kämpfen. Dass es manchen unserer Gegner gefallen würde, wenn wir uns intern aufreiben, kann ich verstehen. Aber das wird nicht der Fall sein. Wir sind und bleiben die Vertretung von Wild und Jagd und können da auf tausende ehrenamtliche und hochmotivierte Funktionäre und hochkompetente Verbandsmitarbeiter im ganzen Land zählen. Diese Frauen und Männer sind es, die maßgeb­lich zu unserem Image beitragen und täglich die Jagd und die Jägerschaft in allen Ebenen der Gesellschaft repräsentieren. Intern gilt es, die vielen Interessen zu verstehen und zu bündeln. Wir müssen eventuell entstandene Gräben zuschütten und interne Verwerfungen ansprechen, aber nicht eskalieren. Dann gelingt es uns, unseren Verband „enkelfit“ zu machen! Seien wir ehrlich, das ist unsere wahre Aufgabe.

Team aus alten Haudegen und jungen Kämpfern

PIRSCH: Transparenz, eine Verjüngung der Spitze und in den Gremien wären sicher ein Ansatz …

Thomas Schreder: Die Gremien eines Vereins sind immer auch ein Spiegel seiner Mitglieder. Daher ist es enorm wichtig, nicht blindlings Verjüngung zu predigen. Es geht um enorm viel an Erfahrung und Wissen. Wir brauchen keine Kulturrevolution im BJV, wir brauchen eine behutsam durchgeführte Reform, die alle ins sprichwörtliche Boot holt. Geistige Beweglichkeit, schlagkräftige Verbandsarbeit und Modernität am Alter festzumachen, kann bisweilen zu kurz greifen. Wir brauchen ein Team und dabei eine stimmige Einheit aus alten Haudegen, erfahrenen und vernetzten Funktionären sowie jungen motivierten Kämpfern für die Sache.

PIRSCH: Macht es Sinn, aus dem Ehrenamt des Präsidenten ein Hauptamt zu machen? Um auch jüngere Bewerber zu bekommen …

Thomas Schreder: Sie sprechen ein grundsätzliches Problem an, mit dem alle Vereine, die Politik und auch der BJV zu kämpfen haben. Es wird immer schwieriger, Menschen zu finden, die in ihrer Freizeit für ein Kollektiv arbeiten oder das Risiko und die Öffentlichkeitseffekte eines politischen Mandats eingehen. Daher sind unsere Funktionäre in den Kreisgruppen, in den Jägerschaften etc. für mich so wichtig und gehören seitens des Verbandes extrem wertgeschätzt. Ob es eine grundsätzliche Neuausrichtung des Präsidentenamts geben wird, muss im Kreis der Delegierten entschieden werden. Ein Blick über unsere Grenzen nach Österreich zeigt, dass es bei den dortigen Jagdverbänden, die ja allesamt Körperschaften Öffentlichen Rechts sind und in Relation auf die Mitgliederzahl durchaus über höhere Budgets als der BJV verfügen, immer wieder gute Landesjägermeister gibt, obwohl dort nichts bezahlt wird. Auch dort gilt: Wer ein guter Landesjägermeister sein will, der muss 365 Tage sein Amt ausführen. Dahingehend ist unsere bayerische Regelung ein gangbarer Weg.

Die Vergangenheit gehört sauber aufgearbeitet

PIRSCH: Der Vorwurf von Filz lässt sich nicht einfach wegdiskutieren. Wäre eine Präsidentschaft für maximal zwei Perioden ein Ansatz?

Thomas Schreder: Es gibt ein ­Verfahren gegen einen Funktionär. Klar ist, dass wir unseren Verband wieder zusammenführen müssen und so die Weichen dafür ­stellen, ihn zu modernisieren und auch zu demokratisieren. Da werden wir jeden Stein umdrehen und jeden Giftzahn, den wir vorfinden, ziehen. Eine enge Verzahnung ist wertvoll, muss aber in die heutige Anforderung von Compliance passen. Der Idee, die Präsidentschaft auf eine be­stimmte Periode zu begrenzen, kann ich sehr viel abgewinnen. Die Begrenzung stellt sicher, dass es immer wieder neue Köpfe geben wird, die andere Blickwinkel auf die gleiche Sache ha­ben und sich langfristige Strukturen nicht verselbstständigen können.

PIRSCH: Es gibt Miss­trauensanträge gegen den Präsidenten und auch gegen einzelne Funktionäre …

Thomas Schreder: Der Verband ist an einem Punkt angelangt, an dem alle aufpassen müssen, dem BJV nicht nachhaltig zu schaden. Zwischen einem reinigenden Gewitter und einem verheerenden Wolkenbruch liegen nur wenige Stufen. Daher wird es mein Bestreben sein, maßvoll zu agieren und auch an die einzelnen Delegierten zu appellieren, stets das Wohl des Verbandes im Auge zu behalten. Der Präsident hat mit seiner Entscheidung, seine Ämter ruhen zu lassen, einen wesentliche Schritt getan. Das gehört genauso wie seine Person gewürdigt. Wir müssen jetzt nach vorne schauen! Die Vergangenheit ist passiert, aber sie gehört sauber aufgearbeitet. Wir brauchen Geschlossenheit, gerade in Zeiten wie diesen, wo uns ein kalter gesellschaftspolitischer Wind entgegenschlägt.

PIRSCH: Was wird bis Lindau im bzw. mit dem BJV passieren?

Thomas Schreder: Der BJV wird sein und bleiben was er ist: DIE Vertre­tung der Jagd und der Jägerschaft! Wir werden aus dieser Krise gestärkt und geeint hervorgehen! Ein ­wichti­ger Teil dieser Zukunft ist in meinen Augen, dass beim ­anstehenden LJT in Lindau den Delegierten das gesamte Präsidium zur Wahl steht.


Sascha Numßen Seit Mai 2011 PIRSCH-Chefredakteur. Geboren 1971 in Frankfurt (Hessen), Jagdschein seit 1994, Studium in München, Diplom-Forstwirt.
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