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Bachen-Abschuss folgenlos

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Mittwoch, 23.03.2016 - 01:00
Wie alt? Jägern genügt der Blick auf die Schneidezähne, Juristen nicht. Foto: Jens Krüger © Jens Krüger
Wie alt? Jägern genügt der Blick auf die Schneidezähne, Juristen nicht. Foto: Jens Krüger

Im Oktober 2015 verurteilte das Amtsgericht Eutin einen 76-Jährigen zu einer Geldbuße von 500 Euro. Ihm wurde ein fahrlässiger Schonzeitverstoß (§§ 39 Abs. 2 Nr. 3a, 22 Abs. 1 BJagdG) angelastet, weil er einen Schwarzkittel erlegte, den er als nicht führende Überläuferbache ansprach. Aufgrund der Anzeige veranlasste die untere Jagdbehörde zur Altersbestimmung eine Untersuchung des Unterkiefers durch den Kreisjägermeister und den zuständigen Veterinär. Diese beurteilten das Schwein als mindestens 24 Monate alte nicht führende Bache, weshalb das Gericht den Tatbestand des fahrlässigen Schonzeitverstoßes sah.
Gegen das Urteil legte der Jäger Rechtsmittel ein. Anfang März diesen Jahres stellte der 1. Senat für Bußgeldsachen des Oberlandesgerichts in Schleswig das Verfahren ein: Die Altersbestimmung anhand der Ausformung der Schneidezähne (Schätzung) entspreche zwar der "jagdlichen Übung", sei aber nicht geeignet, um für eine Verurteilung erforderliche Sicherheit über das genaue Alter des Tiers zu verschaffen, so der Senat. Vielmehr hätte eine präzisere Altersbestimmung anhand der Backenzähne durchgeführt werden müssen, um vor Gericht Bestand zu haben. Da dies jedoch nicht geschah, sei in der Folge nicht ausreichend festgestellt worden, ob der Betroffene tatsächlich eine geschonte Bache erlegt habe. Obwohl der Kiefer der Bache für eine erneute Untersuchung zur Verfügung stehen würde, beschloss der Richter das Verfahren wegen "Unverhältnismäßigkeit" einzustellen. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse. Angezeigt wurde der Jäger übrigens von jenem Förster, bei dem der Beschuldigte seit Jahren einen Begehungsschein hat.
MH