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Auerwild vs. Schutzwald

Verhandlung Verwaltungsgericht München © BS

Die Zuverischt der klagenden Seite schwand mit jedem Verhandlungstag.


Das Revier des Eigenjagdbesitzers liegt bei Eschenlohe im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Teile davon sind Schutzwaldgebiet und in einige Bereiche lebt das streng geschützte Auerwild. Die schweren Raufußhühner brauchen zum Leben lichte Wälder. Diese sind jedoch gar nicht gut, wenn es darum geht Wasser oder Lawinen zurückzuhalten, argumentierten die Mitarbeiter des Amtes für Ernährung und Landwirtschaft (AELF) vor Gericht. Es ging also bei der Verhandlung darum, was schützenswerter ist. Die vorsitzende Richterin machte keinen Hehl daraus, dass "ein Paar Hühner nie wichtiger als Menschenleben" seien können.

Laut den Förstern besteht kein Zweifel daran, dass durch den Wildverbiss der Schutzwert des Waldes geschmälert wird. Vor allem eine Entmischung sei zu befürchten, die Fichte würde überhand nehmen. Das Argument der Gegenseite, dass auch Schafe in die betroffenen Gebiete zum Weiden getrieben werden und deshalb nicht allein Rehe, Gämse und Rotwild für die Schäden vernatwortlich gemacht werden können, blieb ungeachtet. An den drei Verhandlungstagen wurde aber nicht nur das Abschusskontingent angeklagt, sondern ebenso dessen Zusammensetzung. Durch das geforderte Eingreifen in die mittlere Altersklasse, würden vor allem die Gamsbestände weiter zerschossen. Dies sah ebenfalls Wildbiologin Dr. Christine Miller so, die als Sachverständige aussagte.

Eigentlich rechnete der klagende Jäger mit einem positiven Ausgang des Verfahrens. Zumal die gleiche Kammer vor einem Jahr schon mal im Sinne des Grünrocks entschieden hatte. Doch für Prozessbeobachter wurde während der drei Verhandlungstage am Münchener Verwaltungsgericht mehr und mehr deutlich, dass die fünf Richter die Auffassung der Forstpartie teilten. Und so kam es auch. Alle Anklagepunkte wurden abgewiesen. Doch der Eigenjagdbesitzer will nicht aufgeben. Schon während der Verhandlung beantragte sein Anwalt, dass sich der Europäische Gerichtshof mit dem Fall befassen soll. Ob und wann dies tatsächlich geschieht, ist noch nicht klar.


Benedikt Schwenen ist seit 2011 bei den dlv-Jagdmedien. Der gebürtige Emsländer beschäftigt sich überwiegend mit aktuellen und jagdpolitischen Themen.
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