+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 91 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 23.10.2020) +++
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ASP in Brandenburg: Was wir von Belgien lernen können

Hannah Reutter. © Hannah Reutter
Hannah Reutter
am
Samstag, 19.09.2020 - 16:02
Belgien hat bereits Erfahrung mit der Eindämmung der ASP. © allexclusive – stock.adobe.com
Belgien hat bereits Erfahrung mit der Eindämmung der ASP.

Alle Aktivitäten im Wald sofort gestoppt

Alain Licoppe ist Sprecher des Wildforschungslabors am belgischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium.

Was waren die ersten Maßnahmen in Belgien zur Seucheneindämmung?

AL: Den ersten bestätigten Fall der Afrikanischen Schweinepest in Belgien hatten wir am Abend des 12. September 2018. Am 13. September haben wir mit den Vertretern des Kreises, Landesbehörden und europäischen Vertretern eine Gefährdungszone abgestimmt. Am 14. kamen zwei Experten von europäischer Ebene und erläuterten die notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Seuche. Der zuständige Minister war überzeugt und am 18. September wurden die Maßnahmen als Gesetz erlassen: Alle Aktivitäten im Wald wurden sofort gestoppt, inklusive der Jagd. Das betroffene Gebiet betrug etwa 630 Quadratkilometer. 

Im darauffolgenden Monat war es notwendig, intensiv nach Wildschweinkadavern zu suchen um das genaue Ausbruchsgebiet zu ermitteln. Das wurde hauptsächlich von Forstbeamten übernommen mit der Hilfe einzelner Jäger. Zwischenzeitlich wurde intensiv in Biosicherheit geschult. Ein Sammelzentrum wurde eingerichtet um alle Wildschweinkadaver zentral zu erfassen, zu beproben und unschädlich zu machen. Zivile Katastrophenschutz-Teams haben uns bei dieser Aufgabe unterstützt. Mitte Oktober war das Zentrum des Ausbruchs lokalisiert und die ersten Zäune wurden errichtet, um die weitere Ausbreitung zu stoppen.

Mit einfachen Maschendrahtzäunen wurden Risikozonen abgesperrt. © Michal - stock.adobe.com

Mit einfachen Maschendrahtzäunen wurden Risikozonen abgesperrt.

Maschendraht gegen weitere Ausbreitung

Welche Art Zäune wurden verwendet um die verschiedenen Zonen abzusperren?

AL: Wir haben 1,2 m hohe Maschendrahtzäune verwendet. Um Zeit zu sparen, wurden diese Zäune entlang von Straßen aufgestellt. Sie wurden nicht eingegraben. Das Hauptziel war es, so schnell wie möglich den Kontakt zwischen unterschiedlichen Wildschweinpopulationen zu unterbinden. Um den Prozess zu beschleunigen beauftragten wir mehrere Unternehmen, sodass wir etwa 10 km Zaun pro Tag aufstellen konnten. Insgesamt sind 300 km Zaun errichtet und an Zaunnetzwerke in Frankreich und Luxemburg angeschlossen worden.

Einbeziehung der Jäger

Wie wurden die örtlichen Jäger mit einbezogen?

AL: Jäger der Kernzone konnten nicht mehr auf Jagd gehen, oder selbst den Wald betreten. Sie konnten die Behörden bei der Fallenstellung beraten. Andererseits wurden die Jäger der virusfreien Gebiete angewiesen die Wildschweindichte zu verringern und den Jagdbetrieb zu steigern. Die Gesetzgebung ist hier eindeutig: Die Jäger sind verpflichtet Schwarzwild zu bejagen um das Virus zu stoppen. Jeder Jäger wurde in Maßnahmen der Biosicherheit geschult. Sie erhalten Aufwandsentschädigungen für die korrekte Behandlung und den Transport der getöteten Wildschweine zu den Sammelzentren. 

Wer erlegt Wildschweine in den Kernzonen?

AL: In den Kernzonen wurde das Schwarzwild komplett in Ruhe gelassen. Der einzige legale Weg Wildschweine in den Kernzonen zu keulen, erfolgte über Fallen. Die Idee dahinter war, jede Beunruhigung des Schwarzwildes zu vermeiden und das Virus seine Arbeit machen zu lassen. Nach dem Seuchenzug, etwa 8 Monate später, übernahmen es Behördenmitarbeiter die verbliebenen Wildschweine zu erlegen – vor allem durch Abschüsse an Kirrungen bei Nacht.

Tipps für einen Ausbruch in Deutschland

Welche Erfahrungen würden Sie gerne an die deutschen Behörden weitergeben?

Wir stehen in regem Austausch mit den deutschen Stellen. Zusammengefasst: Die vorsorgliche Reduzierung der Wildschweindichte verringert das Risiko. In Belgien hat das Virus die Zäune mehrfach überwunden – mit geringen Folgen, weil die Reduzierungsmaßnahmen bereits die Wildschweindichte stark herabgesetzt hatten. Die aktive Suche nach toten Tieren und das systematische Testen erlegten Wildes, hilft Ausbrüche früh zu erkennen. Je kleiner das Ausbruchsgebiet, desto höher sind die Chancen für eine erfolgreiche Eindämmung.  Im Falle eines Ausbruchs ist Jagdruhe im Kerngebiet, in Kombination mit Zäunen, die beste Option.

 

Die Fragen stellte Hannah Reutter. Die Übersetzung erfolgte durch Christian Liehner.


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