+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 3.995 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 24.6.2022) +++
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ASP in Baden-Württemberg: Das sagt der betroffene Landwirt

Kathrin Führes © Kathrin Führes
Kathrin Führes
am
Donnerstag, 26.05.2022 - 13:49
Gummistiefel im Stall © Christian Liehner
Die Gummistiefel zeugen noch von dem Einsatz der Behörden am Vortag.

In Baden-Württemberg gibt es den ersten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Süddeutschland. Betroffen ist eine Haltung mit Hausschweinen bei Forchheim im Kreis Emmendingen.

Erster Verdacht auf Futtermittelvergiftung

In einem Mastschweinebestand seien zwischen dem 19. Mai und 25. Mai 16 von 35 Schweinen einer Freilandhaltung verendet. Zwei verendete Tiere seien im "Chemische und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA)" in Freiburg untersucht worden, da man zunächst von einer Futtermittelvergiftung ausging. Die Laboruntersuchungsergebnisse hätten einen ersten Hinweis auf die ASP ergeben. Das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte das Ergebnis gestern Nachmittag. Bereits am morgen seien alle Schweine durch Fachpersonal getötet worden.

Von einem Eintrag in die Wildschwein-Population sein nach ersten Kenntnisse nicht auszugehen. Man gehe davon aus, dass der Eintrag in den Hausschweinebestand durch menschliche Aktivitäten erfolgte, so Minister Peter Hauk in einer Pressekonferenz. „Es war nur eine Frage der Zeit bis die Afrikanische Schweinepest Baden-Württemberg erreicht. Das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut hat das Virus gestern Abend in Proben aus einem Mastschweinebestand im Landkreis Emmendingen nachgewiesen. Damit ist der Ausbruch der ASP bei gehaltenen Schweinen in Baden-Württemberg festgestellt“, erklärt Hauk. Man hoffe nun, über die Gensequenzierung des Erregers durch das FLI weiteren Aufschluss über dessen Herkunft zu bekommen.

Schweinehaltung unweit von Waldrand

Die Wiese ist dreifach gezäunt.

Unser Kollege Christian Liehner hat sich in Forchheim ein Bild von der aktuellen Lage gemacht. Von weitem sei nichts davon zu erkennen, dass hier der erste Ausbruch der tödlichen Krankheit stattgefunden habe, berichtet er. Das Gelände ist dreifach umzäunt, zum Waldrand ist es nicht weit. Auch hier findet sich ein Elektrozaun, der von den Jägern zu Wildschadensverhütung bereits vor mehreren Jahren aufgestellt wurde.

Erst am Gatter der Freilandhaltung ist ein Schild und Flatterband zu sehen, welche auf die Afrikanische Schweinepest hinweisen. Die Weide und Ställe sind jedoch verweist.

Schreckschuss-Anlage-Zaun © Christian Liehner

Der Landwirt hat an dem Zaun zwei Schreckschussanlagen aufgestellt.

Schweinehalter fühlt sich von Veterinäramt alleine gelassen

Gegenüber der Redaktion erklärt der betroffene Landwirt, dass zwei Tage vor Auftritt der ersten Symptome das Veterinäramt zu einer routinemäßigen Betriebskontrolle vor Ort gewesen sei und nichts zu bestanden gehabt hätte. Auch Minister Hauk bezeichnete den Betrieb in der Pressekonferenz als "vorbildlich".

Mit Hinweis auf den ASP-Ausbruch habe das Veterinäramt dann sofort die notwendigen Maßnahmen ergriffen und Tiere des Landwirtes getötet. Jedoch fühle er sich derzeit etwas alleingelassen, was die weiteren Schritte und Dekontaminierungsmaßnahmen angeht, erklärt der Schweinehalter. Auch verstehe er nicht, warum die Wege rund um die Weide noch nicht abgesperrt seien.

Landwirt ergreift erste Maßnahmen

Da rund um den Ausbruchsort viel Flugwild beheimatet ist, hat der betroffene Landwirt nun selbst eine erste Maßnahme ergriffen und zwei Schreckschussanlagen an den Zaun der Wiese aufgestellt. "Wir wollen verhindern, dass die Vögel kontaminiertes Stroh oder ähnliches raustragen", so der Landwirt gegenüber der Redaktion.

Insgesamt geht der Schweinehalter derzeit von einem Schaden in Höhe von 30.000 bis 40.000 Euro aus. Wer die Kosten dafür trägt, sei ihm derzeit noch unbekannt.

Sperr- und Überwachungszonen werden eingerichtet

Hier ist die ASP ausgebrochen.

Rund um den Ausbruchort soll nun eine Sperrzone mit einem Mindestradius von drei Kilometern und eine sich daran nach außen anschließende Überwachungszone mit einem äußeren Radius von mindestens zehn Kilometern eingerichtet werden. Diese Restriktionsgebiete erstrecken sich auf die Landkreise Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und den Ortenaukreis.

Ein benachbarter Landwirt erklärt gegenüber unserem Kollegen Christian Liehner, dass es im Landkreis kaum Schweinehaltungen geben würde. Laut Ministerium gebe es in der Sperrzone zwei Betriebe mit insgesamt 316 Hausschweinen, innerhalb der Überwachungszone seien es insgesamt 1020 Schweine.

Fallwildsuche soll morgen beginnen

Morgen sollen nun Fallwild-Suchteams die Suche im Gebiet aufnehmen um auszuschließen, dass es auch einen Ausbruch im Schwarzwildbestand gibt. Dazu sollen circa 20 Zweier-Teams mit geeignetem Hund im Wald eingesetzt werden. Flankiert werden soll die Suche auch durch den Einsatz von Wärmebild-Drohnen im Offenland.

Nächstes Jahr will man rund 600 Fallwild-Suchgespanne (Zweier-Teams plus einen Kadaverspürhund) im Einsatz haben. Aktuell kann das Land auf rund 120 Gespanne zurückgreifen. Diese haben zum Teil bereits erste Erfahrungen bei der Fallwildsuche in Brandenburg sammeln können.

Berufsjäger sollen Jäger vor Ort unterstützen

Um eine mögliche Seuchenverbreitung zu verhindern müssen in den Landkreisen Offenburg, Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald künftig alle erlegten Wildschweinen, Unfallwild sowie Fallwild serologisch untersucht werden. Den Jägern werden dazu Probenkits zur Verfügung gestellt. Minister Hauk bedankte sich bereits im Vorfeld bei der Jägerschaft für den Einsatz. "Nur mit Hilfe der Landwirte und Jäger lassen sich die Maßnahmen umsetzen", so Hauk.

Zum verstärkten Abschuss von Schwarzwild will man auch fremde Jäger, etwa Berufsjäger von ForstBW, in Absprache mit den örtlichen Jagdpächtern einsetzen. Auch sollen Schwarzwildfänge ab morgen vor Ort eingerichtet werden.


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