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Nach Alttierabschuss: Darum wurde das Verfahren eingestellt

Kathrin-Fuehres © Kathrin Führes
Kathrin Führes
am
Samstag, 19.06.2021 - 15:14
Alttier-Tot-Freiflaeche © Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen
Spaziergänger fanden das verendete Alttier auf einer Freifläche.

Am 21. Juni 2020 hatten Spaziergänger auf den Staatsforstflächen in Oberammergau (Bayern) ein totes Alttier gefunden. Nach Ermittlungen des Forstbetriebes kam heraus, dass ein pensionierter Mitarbeiter das vermeintliche Schmaltier auf rund 150 bis 200 Metern Entfernung beschossen hatte. Das Tier sei in eine Dickung geflüchtet. Nach wenigen Sekunden habe er jedoch das Haupt und den Träger des weiblichen Stückes gesehen und sich daher entschieden, nachzuschießen. So berichtet damals die Polizei mit Verweis auf die Aussagen des Jägers. Im Nachhinein habe sich dann herausgestellt, dass der Mann zwei unterschiedliche Stücke beschossen hatte, wovon eines das von den Spaziergängern gefundene Alttier war (wir berichteten).

Verfahren gegen Geldauflage eingestellt

Das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen hatte Strafbefehl gegen den Jäger erlassen, wogegen er nun Einspruch eingelegt hatte. In der Hauptverhandlung hatte der Richter dann tatsächliche Zweifel daran, ob der Tatbestand des § 22 Abs. 4 BJagdG mit der erforderlichen Sicherheit nachgewiesen werden kann. Wie ein Sprecher des Amtsgerichts gegenüber der Redaktion erläutert, wäre in dem Fall dem Angeklagten lediglich eine Ordnungswidrigkeit gemäß § 39 Abs. 2 Nr. 3a BJagdG (Schonzeitverstoß Alttier Rotwild) nachzuweisen gewesen. Daher sei das Verfahren gegen Zahlung einer Geldauflage von 500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung einzustellen.

Gericht spricht sich nicht gegen Muttertierschutz aus

Anders als auf diversen Internetseiten derzeit dargestellt werde, habe sich das Gericht damit nicht gegen den Muttertierschutz ausgesprochen, so der Pressesprecher weiter. Der Richter habe Bedenken gehabt, „dass der Straftatbestand mit der für eine Verurteilung erforderlichen Sicherheit als erfüllt anzusehen ist.“ Da kein Jungtier gesehen oder später gefunden wurde, genüge nicht die bloße Möglichkeit oder erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein noch führendes Alttier gehandelt habe, um den Jäger zu verurteilen. Daher habe der Richter gemäß dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ entschieden. Die Entscheidung sei aber ausschließlich strafrechtlicher Natur gewesen. „Das Gericht hatte insbesondere nicht darüber zu entscheiden, ob sich der Angeklagte waidmännisch korrekt verhalten hat, ob die Voraussetzungen für eine jagdrechtliche Erlaubnis weiterhin erfüllt sind oder ob er sich schadensersatzpflichtig gemacht hat“, erläutert der Gerichtssprecher. Der Jäger hat mittlerweile seine Geldauflage bezahlt, wodurch das Verfahren nun endgültig eingestellt wurde.


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