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Alarm im Hasen-Darm!

Verändert sich plötzlich der Lebensraum von Meister Lampe, ist sein Immunsystem im Eimer. Foto: Michael Breuer © Michael Breuer

Alljährlich werden zu Ostern aktuelle Zahlen zum Feldhasen veröffentlicht. Das Gute: Bundesweit wuchs im Offenland seine Population um 15 Prozent, wie aus dem WILD-Jahresbericht 2014 des DJV hervorgeht. Gründe dafür seien unter anderem der viert-wärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sowie der überdurchschnittlich trocken-warme Frühling, der den Jungtieren zugute kam. Doch wie wichtig strukturreiche Habitate für das tierische Symbol der Fruchtbarkeit und des Osterfestes sind, zeigen aktuelle Studien von dem Wildbiologen Dr. Daniel Hoffmann und Kollegen der Universität Wien.
Sie untersuchten das Hasensterben auf der 3400 Hektar großen Nordseeinsel Pellworm. Auf ihr gibt es weder Fuchs noch Marder. 2007 wurden plötzlich etwa 1000 tote Hasen gefunden. Seuchen wie Tularämie konnten ausgeschlossen werden. Was war passiert?
Die Experten analysierten die Därme von 300 Kadavern. Dabei stellte sich heraus, dass sich durch die abrupte Veränderung der Landwirtschaft von Brachflächen zu intensiv genutzten Äckern (2007 liefen die EU-Prämien für Flächenstilllegungen aus) die Darmflora, bzw. das Mikrobiom der Hasen veränderte. Dabei wurde eine Dominanz von E. coli-Bakterien nachgewiesen. Diese seien zwar immer im Darm, jedoch nicht in dieser Anzahl. Ein Beweis für das Sterben sei das aufgrund der schmalen Basis noch nicht. Aber das Mikrobiom gelte, auch in der Humanmedizin, als Indikator für den Zustand des Immunsystems.
Vor zwei Jahren gab es wieder einen Rückschlag. Die Pellwormer Population ging von 60 auf 35 Tiere je 100 Hektar zurück. Hoffmanns Team untersuchte nun die Därme auf multiresistente Keime (MRSA, „Krankenhauskeime“, Staphylokokken) und fand diese in rund 40 Prozent der Hasen. Da diese auch bei einigen Schafen und Rindern entdeckt wurden, vermutet man, dass Nutztiere den Keim auf Wildtiere übertragen. Hoffmann: „Es ist erschreckend, dass bereits Wild mit diesen Keimen infiziert ist.“ Diesen Kreislauf zu stoppen oder einzudämmen, sei extrem schwierig. Ein Blick auf die diesbezüglich geführten Debatten in der humanen Gesundheitspolitik macht deutlich, welche Brisanz das Thema künftig haben dürfte.
BS

Trotz dieser Nachricht wünscht Ihnen das jagderleben-Team frohe Ostern!