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Aggressives Wildschwein im Gebirge erlegt

Jagdaufseher Franz Herz (li.) mit BGS „Max“ präsentierte gemeinsam mit dem Schützen Herwig Klumpner und Jagdgast Miles Dennert die erlegte Sau. Foto: Charly Höpfl, Mit freundlicher Genehmigung der Allgäuer Zeitung


Alleine das Auftauchen der Sau in dieser Höhenlage (bis 1400 Meter ü.N.N) glich schon einer kleinen Sensation. Richtig für Aufsehen sorgte das Borstentier aber, als es über mehrere Tage hinweg immer wieder Wanderern, Pilzsuchern und einer Sennerin begegnete und diese zum Teil attackierte. Für einen jungen Mann endete die Begnung recht schmerzhaft: Er erlitt einen Bänderiss. Der Pilzsucher war dem Wildschwein im Unterholz begegnet. Als die Sau ihn annahm, versuchte er sich das Tier mit Stockschlägen auf den "Rüssel" vom Leib zu halten. Das machte den Angreifer jedoch nur noch aggressiver, so dass dem Mann nur mehr die Flucht über Stock und Stein blieb. Dabei zog er sich einen bereits verheilten Bänderriss erneut zu, konnte sich aber in einen Heustadel retten und dort über Mobiltelefon einen "Notruf" absetzen.
Franz Herz, hauptberuflicher Jagdaufseher in dem dortigen rund 2400 Hektar großen Jagdrevier gegenüber jagderleben.de: "Danach bestand absoluter Handlungsbedarf. Wir sind eine Urlaubsregion. Nach den Vorfällen mit der Sau hat man gemerkt, dass sich Einheimische und Gäste gar nicht mehr so richtig in den Wald getraut haben." Alle Bemühungen der Jäger, den Schwarzkittel zu strecken, blieben jedoch zunächst erfolglos. Bis Ende August dann der Zufall zu Hilfe kam: Eine Sennerin war der Sau begegnet. Diese hatte zunächst keine Anstalten gemacht, zu flüchten, dann aber doch Reißaus genommen; wohl vor dem Hund, der die Frau begleitete und der Sau drohte.
Sofort wurden die Jäger alarmiert. Jagdaufseher Herz und zwei Jagdgäste weilten ohnehin im Revier. Nachdem einer der beiden die Sau in Richtung des anderen hat flüchten sehen, konnte er den Waidkameraden per Handy informieren, was da auf ihn zukam. Und wirklich: Kurze Zeit später erschien das Stück Schwarzwild und ging auf den schnell abgegebenen Schuss hin flüchtig ab. Der eiligst herbeigerufene Jagdaufseher entschied sich zur sofortigen Nachsuche mit BGS "Max" und konnte dem zirka 3-jährigen Stück nach kurzer Suche den Fangschuss antragen.
"Das war schon aufregend", berichtet Franz Herz gegenüber jagderleben.de: "Wir schießen jährlich 70 Stück Rotwild, etwa 25 Gams und rund 40 Rehe, da gibt es schon mal Nachsuchen. Aber mit Schwarzwild haben ich und mein Hund bisher noch nie zu tun gehabt". Man hätte das auch gemerkt, dem "Max" sei zunächst nicht ganz wohl auf der Fährte gewesen. Um so beherzter habe er die 85-Kilo Sau dann aber gestellt, als diese aus dem Wundbett hoch geworden war.
Warum sich nach rund 65 Jahren zum erstenmal wieder ein Stück Schwarzwild in die dortige Bergwelt verirrt hat und dabei derart aggressiv, darüber hat der Jagdaufseher eine Theorie: "Wir haben bei dem Stück keine eindeutig ausgeprägten Geschlechtsmerkmale festgestellt, das war wohl ein "Zwitter", der von der Rotte verstoßen worden war". Vielleicht war er auch deshalb so wild, vermutet der Waidmann. JMB