+++ Afrikanische Schweinepest bisher bei 2.205 Wildschweinen nachgewiesen (Stand 24.9.2021) +++
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Afrikanische Schweinpest: Ein Jahr Ausnahmezustand in Deutschland

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Kathrin Führes
am
Mittwoch, 08.09.2021 - 13:19
Wildschwein-liegt-tot-Wiese © joppo - stock.adobe.com
In einem Jahr wurden über 2.000 positive ASP-Fälle in Deutschland festgestellt.

Die Meldung zum Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest lag schon viele Monate vorbereitet in der Schublade. Immer in der Hoffnung, dass wir eine Einschleppung der Tierseuche doch umgehen können und diese Meldung niemals brauchen werden. Doch am 9. September kam dann alles anders.

Gegen Abend kochten die ersten Gerüchte hoch, dass es im Landkreis Spree-Neiße einen amtlichen Verdachtsfall gebe. Die MOZ meldete als erstes, dass ein kreislicher ASP-Krisenstab eingerichtet sei. Auch das BMEL bestätigte den Verdachtsfall noch am Abend und musste am nächsten Morgen dann mitteilen, dass aus dem Verdacht nun bittere Realität wurde.

Eintrag hatte schon Wochen zuvor stattgefunden

Schnell wurden Krisenstäbe einberufen, Zäune – manche weniger gut, manche besser – hochgezogen und mit der Fallwildsuche begonnen. Auch gab es Betretungs- und Jagdverbote und forst- sowie landwirtschaftliche Maßnahmen wurden untersagt, um die Tiere nicht aufzumüden und sich zunächst ein Bild des Seuchengeschehens verschaffen zu können. Auch die Bundeswehr unterstützte Behörden, Jäger und Freiwillige vor Ort.

Doch mit Blick auf den infizierten Schwarzkittel wurde schnell klar, es wird kein Einzelfall bleiben. Bei der infizierten Sau handelte es sich um die Reste einer rund zwei Jahre alten Bache, die wohl schon längere Zeit zuvor eingegangen war. Der Eintrag der ASP hatte also schon Wochen zuvor stattgefunden. So war es auch nicht verwunderlich, dass schon wenige Tage später die nächsten positiven Fälle gemeldet wurden.

Ab dem Zeitpunkt ging es rasant schnell: Immer mehr Positivnachweise tauchten auf. Ende September gab es den ersten Fund im rund 70 Kilometer entfernten Landkreis Märkisch-Oderland und am 31. Oktober dann auch in Sachsen.

Was wurde unternommen?

Seit dem ist viel passiert. Es wurden wildschweinfreie Zonen erlassen, Anreize zur verstärkten Bejagung geschaffen, noch mehr Zäune gebaut und spezielle Suchhunde ausgebildet. Doch die Zahlen steigen stetig an. Mittlerweile sind wir in Deutschland bei über 2.000 positiven ASP-Fällen angekommen – und das in einem Jahr! Eine Ende ist derzeit nicht in Sicht. Positiv kann man derzeit nur sehen, dass ein Eintrag in weitere Bundesländer wohl bislang erfolgreich vermieden werden konnte. Doch auch hier muss man sich ehrlich fragen, ob es nicht nur eine Frage der Zeit ist, bis man auch dort Fälle vermelden muss. Zwar wird mit Zaunbau versucht, genau das zu verhindern. Aber ob es auf Dauer helfen wird?

Ähnliches musste bereits die Landwirte in Deutschland erleben. Man hatte immer gehofft, dass die Hygienekonzepte der Schweinehaltungen ausreichen würden, um einen Ausbruch in der Landwirtschaft zu vermeiden. Doch auch hier wurde der Alptraum Realtität: In Brandenburg gab es Mitte Juli positive Nachweise in Hausschweinbeständen.

Wie geht es weiter mit der ASP in Deutschland?

Wie geht es nun weiter? Diskutiert und gestritten wird aktuell viel. Den Bundesländern geht der Bau der Schutzkorriodore zu langsam und auch das Thema Finanzierung bzw finanzielle Unterstützung spielt dabei eine Rolle. Das Bundeslandwirtschaftsministerium und die Länder weisen sich die Schuld dabei gegenseitig zu – doch wer am Ende tatsächlich auf der Strecke bleibt, dass sind die betroffenen Jäger und Landwirte. Ein Ende der ASP ist in Deutschland also wohl noch lange nicht in Sicht.


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