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Afrikanische Antilope in Niedersachsen zum Abschuss freigegeben

Die afrikanische Letschwe ist momentan auch in den Wäldern im Landkreis Celle anzutreffen. © Michael - stock.adobe.com
Die afrikanische Letschwe ist momentan auch in den Wäldern im Landkreis Celle anzutreffen.

Eine afrikanische Antilope der Art Letschwe zieht seit einiger Zeit ihre Fährte durch die Wälder im Landkreis Celle (Niedersachsen). Das Tier stammt aus einer dortigen legalen Wildtierhaltung. Bereits im Frühjahr 2019 schnitten Unbekannte den Zaun des Antilopengeheges auf, woraufhin sieben Tiere entkamen. Sechs von ihnen konnten wieder eingefangen werden.

Ein dreijähriger Bulle jedoch ließ bis heute niemanden nah genug für einen Schuss aus dem Narkosegewehr an sich heran, „obwohl wir es über Monate hinweg etliche Male probierten und auch weiterhin versuchen“, so der Besitzer gegenüber der Redaktion. Um einen eventuellen Verkehrsunfall mit der etwa 100 Kilogramm schweren Antilope zu vermeiden, und da diese einen tatsächlich kalten Winter ohne Stall und Zusatzfutter in unserer Klimazone nicht überstehen würde, beantragte er beim Landkreis Celle die Abschussgenehmigung für die Letschwe. Die Antilope sei allerdings relativ heimlich und sorge nur gelegentlich für unverhofften Anblick.

Antilope überraschte Jäger im Revier

So überraschte das Tier auch den Sohn eines Jagdpächters im Landkreis Celle, als dieser im Februar nachmittags eine Revierrundfahrt unternahm, um Sauen zu fährten. Plötzlich erblickte der 24-Jährige zwischen den Binsen an einer Wasserstelle das mit geringelten, nach hinten geschwungenen Hörnern gekrönte Haupt der Letschwe, Sumpfgräser hingen aus dem Äser. Ein Anblick, der einem ansonsten nur in den Feuchtgebieten Süd-West-Afrikas zuteil wird. Doch der Hemingway-Moment dauerte nicht lange und der „abnorm entwickelte Rotspießer“ verschwand mit zwei großen Sätzen und ließ einen verdutzten Grünrock zurück.

„Wenn ich es nicht besser wüsste, habe ich gerade eine afrikanische Antilope gesehen“, wunderte sich der durchaus Afrika-erfahrene Jäger abends im Kreise seiner Familie. Zehn Tage später konnte er sich nachmittags an derselben Stelle mit einem Fernglas an die rotbraune Antilope heranpirschen. Unbemerkt trat er nach 20 Minuten den Rückzug an, mittlerweile an sich und seinen wildbiologischen Kenntnissen zweifelnd, wie der gelernte Landwirt im Interview bekannte.

Abschuss beantragt

Aufschluss brachte die Hegeschau im März, als anhand von Handyfotos klar wurde, dass die Letschwe in Celler Jägerkreisen keine Unbekannte ist. Die Jagdpächter des Reviers, indem die zur Gattung der Wasserböcke gehörende Antilope derzeit offenbar ihren Einstand hat, beantragten eine Abschussgenehmigung beim Landkreis, die bereits erteilt wurde. Ihren Fährten zufolge ist die Letschwe momentan relativ standorttreu. Ein Versuch Anfang März die afrikanische Antilope zu erlegen, schlug fehl. Bevor die niedersächsischen "Großwildjäger" in Schussentfernung herangepirscht waren, wurde die Letschwe von etwas anderem verschreckt und sprang hochflüchtig ab, wobei sie einen Rinderzaun mühelos überwand.

+++ UPDATE: Abschussgenehmigung ausgesetzt +++

Wie der Landkeis Celle gegenüber der Redaktion mitteilte, wurde "eine Abschussgenehmigung  zunächst ausgesetzt, da derzeit ungeklärt ist, ob ein möglicher Schutzstatus des Tieres vorliegt, der sich auf die Erteilung einer solchen Genehmigung auswirken könnte."