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Abschuss trotz Schutzstatus

Der "Tatort": Das ist der Baum, der den Kurzschluss verursacht hat. Foto: F. Wagner © F. Wagner

Ein besonderes Beispiel, wie schnell die Aktivitäten von Meister Bockert den Unmut der Anwohner auf sich ziehen können, spielte sich am vergangenen Dienstag in Niederbayern ab. Ein Biber legte für rund zwei Stunden einen Gewerbepark im Kreis Freyung-Grafenau lahm. Der Grund: Er fällte einen etwa 30 Zentimeter dicken Baum, der eine Stromleitung streifte und so für einen Kurzschluss sorgte. Ferdinand Wagner, Geschäftsführer einer betroffenen Firma, ist verärgert. Er spricht von einem Umsatzausfall von etwa 5.000 Euro. Eine Entschädigung bekäme er laut Landratsamt nicht. Probleme mit Bibern gebe es in der Region schon lange, deshalb werde er der Sache nachgehen – notfalls auch rechtlich, sagte er im Gespräch mit der Redaktion.
Mit Fraß- oder Folgeschäden müssen sich vor allem Bauern, Waldbesitzer und Teichwirte auseinandersetzen. Nach Schätzungen des Umweltministeriums leben im Freistaat 18.000 Tiere in über 4.500 Revieren. Im bayerischen Landtag wurde deshalb nun eine Artenschutz-Bilanz gezogen. Dort sprach auch der Landtagsabgeordnete Christian Magerl (Grüne). Es sei eines der erfolgreichsten Artenschutzprojekte im Freistaat. Neben umfassender Beratung sowie Ausgleichszahlungen sei auch der Abschuss „eine tragende Säule des Managements“, zitiert der „Merkur“ den Politiker. Seiner Meinung nach könnte die Art „von der Roten Liste runter.“
Wie das Blatt weiter berichtet, seien in Bayern trotz Schutzstatus allein im vergangenen Jahr rund 1.300 Biber gefangen und erschossen worden, rechtlich geregelt durch Ausnahmegenehmigung. In den Jahren zuvor sind die Zahlen vergleichbar. Auch 2016 stehen wieder 450.000 Euro für Ausgleichszahlungen zur Verfügung. Eine von der SPD geforderte Erhöhung dieser Summe lehnen Ministerium sowie CSU ab.
MH