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8 Fakten über Hasen

Kämpfende Rammler

1. Sicher oder sichtbar?

Am liebsten haben es Hasen, wenn ihnen in der Sasse ein schwacher Luftstrom Düfte und Geräusche zuträgt. Daneben sind gute Ortskenntnisse überlebenswichtig. Feldhasen haben eine Landkarte ihres Einstandes im Kopf und kennen die sicheren Ecken. Wenn die Pflichten der Fortpflanzung mit Paarung und Jungenaufzucht erledigt sind, ziehen sie sich dorthin zurück. Deshalb werden Hasen zum Ende des Sommers „unsichtbar“.

2. Nachwuchs wie am Fließband

Drei bis vier Tage vor dem Wurftermin paart sich die Häsin erneut mit dem Rammler. Der Deckakt lässt erneut Eizellen aus dem Eierstock „springen“. Zwei bis sechs Tage nach der Geburt nisten sich die neuen Föten in der Gebärmutter ein. Wird die Belastung für die Mutter aber zu groß, dann zieht sie die Notbremse: Fast ein Viertel der bereits im Tragsack implantierten Embryonen wird wieder resorbiert.

3. Schwankende Strecken

Starke, aber kleinräumige Dichteschwankungen sind normal. Der Zusammenbruch der europäischen Hasenbesätze dagegen hängt vom Strukturreichtum einer Landschaft ab. Sie stellt die Weichen für die Anfälligkeit der Hasen. Die Strecken der herbstlichen Hasenjagd schwanken deshalb mit Frühjahrskälte, Fuchsaktivität, Parasitenlast und Brachflächen.

4. Wellness zum Überleben

Neben sicheren Lagerstellen gehören Sand-Spas zur Luxusausstattung eines ­guten Einstands. Der Hochleistungskörper des Hasen muss immer perfekt gepflegt und in Schuss sein. ­Parasiten, Schmutz oder verklebte Haare würden ihn bei der Flucht behindern oder seinen „Klimaschutz“ beeinträchtigen.

5. Muss i denn ...

Sobald ein Junghase aus dem Gröbsten heraus ist, mit 4 bis 6 Monaten etwa, verlässt er seinen Geburtsort. Etwa ein Viertel sind ausgesprochene Zugvögel, die aufbrechen und kilometerweit entfernt einen neuen Lebensmittelpunkt suchen. Zwar wandern männliche Junghasen doppelt so häufig wie ihre Schwestern. Doch wenn die aufbrechen, wandern sie viel weiter weg auf der Suche nach einem üppigen Lebensraum.

6. Steppen-Profi

Hasen lieben offene Landschaften, es muss nur warm genug und die Pflanzendecke einigermaßen vielfältig sein, damit sie dort ihr Auskommen finden. Deshalb ist der Feldhase jahrhundertelang dem Menschen gefolgt. Wo immer der Mensch Wälder gerodet hat, um Landwirtschaft zu betreiben, hoppelten bald auch Hasen. Grünland war immer zweite Wahl. Erst die moderne Agrarindustrie mit riesigen Monokulturen und deckungslosen Feldern beendete diese Liaison.

7. Jahreszeiten-Diät

Ein Stratege wie der Hase äst nicht einfach nur so vor sich hin. Er wechselt gezielt hochverdauliche, eiweißreiche Pflanzen und rohfaserreiche Kost. Zu konzentrierten „Fress-Phasen“ äsen Hasen auf Flächen mit jungen, grünen Pflanzen. Dann wechseln sie zu „selektiven Naschphasen“ auf Brachen, Äcker und Wegränder. Getreidefelder mit ihrer Begleitflora und Brachen liefern zu jeder Jahreszeit das passende Hasenmenü.

8. Turbo-Milch

Nur einmal am Tag werden Junghasen gesäugt. Das muss reichen, um weitere 24 Stunden auszuharren und zu wachsen. Deshalb ist Hasenmilch ungeheuer fettreich und gehaltvoll. Der erste Satz Junghasen bekommt noch die energiereichste Milch. Bei den kleinen Sommerhasen sind die Reserven der Mutter bereits deutlich geschrumpft, die Milch ist messbar „dünner“ – diese späten Junghasen wachsen ­daher auch langsamer.


Dr. Christine Miller Wildbiologin und Journalistin aus Rottach-Egern, hat in etlichen Ländern mit unterschiedlichen Jagdsystemen gearbeitet.
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