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Lesley und Hannah

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 11:02
Frau sitzt im Wald auf Baumstumpf © gemeinsam Jagd erleben

Wie sich im Nachhinein sagen lässt, war es ein anstrengender Tag, aber trotzdem auch ein Tag voller Natur, Spannung, Freundschaft und Begeisterung. Aber nun von Anfang an. Zunächst wollen wir uns kurz vorstellen: mein Name ist Lesley Theobald, 24 Jahre alt und ich bin auf dem Land groß geworden. Natur und Tiere gehörten also schon immer zu meinem Leben. Die Jagd kam allerdings erst dazu, als ich meine Freundin Hannah Müller kennlernte: ebenfalls 24 Jahre alt und seit 2012 Jägerin mit Leib und Seele. Schon als kleines Kind ging es mit Opa und Onkel, welche beide Förster und Jäger sind, raus in den Wald. Später dann auch mit ihrem Vater, der 2002 den Jagdschein machte. Damit diese jagdliche Tradition in der Familie erhalten blieb, entschloss sie sich 2011 zum Jagschein, welcher 2012 mit der Jägerprüfung abgeschlossen wurde. Ebenfalls gemäß der Tradition wurde 2013 mit dem Jagdhorn spielen begonnen. Ich beginne aber nun eine Woche vor der geplanten Drückjagd meine Eindrücke und Erfahrungen zu schildern, natürlich, soweit es mir bisher möglich ist, in Jägersprache.
Schon die Woche vor dem 8.11 wurde fast täglich telefoniert, so kamen mir, je näher das Datum rückte, immer mehr Fragen in den Kopf: 'Was bedeutet eigentlich Drückjagd und ist es vielleicht sogar gefährlich? Was heißt `Wir gehen als Treiber mit`?' und nicht zuletzt 'Was soll ich anziehen?'. Alle Fragen wurden natürlich von Hannah beantwortet, teilweise allerdings mit einem Schmunzeln, welches ich durch das Telefon erahnen konnte. So erfuhr ich, dass ich anstatt normaler Straßenschuhe doch besser Gummistiefel anziehen sollte und auch eine Warnweste für den Tag Pflicht sein würde. Soviel zu einem modischen Outfit! Positiv überrascht war ich allerdings von der Uhrzeit unseres Treffens. Statt 5 Uhr, wie ich zunächst angenommen hatte, sollte ich erst um 8:30 Uhr bei Hannah sein. Meiner Aufregung geschuldet stand ich dann allerdings doch schon um 8:00 vor der Haustür. Hannah und ihr Vater waren noch in den letzten Vorbereitungen. Die Waffen wurden in die Futterale verpackt und ins Auto gelegt. Da noch genügend Zeit war, wurde gemeinsam noch ein Kaffee getrunken. Auf meine Frage hin, ob es anstrengend werden würde und wie befestigt die Waldwege wären, erntete ich lautes Lachen der gesamten Familie Müller. Am Abend des Tages wusste ich warum!
Am Treffpunkt angekommen, leuchtete mir ein Meer an Orange entgegen. Die ersten Hunde waren ebenfalls schon vor Ort. Doch merkte man hier schon an deren Verhalten, dass sie genau wussten zu welchem Zweck wir uns versammelt hatten und welche Aufgabe ihnen heute gestellt werden würde. Hannah und ihr Vater begrüßten jeden schon Anwesenden mit 'Guten Morgen, Waidmannsheil' und ich natürlich immer mit dabei. Schon hier fiel mir das Gemeinschaftsgefühl unter Jägern auf. Jeder kannte sich und so wurden bereits die ersten Jagdgeschichten erzählt. Pünktlich um 9 Uhr begannen die Revierpächter mit ihrer Ansprache und sofort waren alle Augen und Ohren auf die zwei Männer gerichtet. Neben den Sicherheitsrichtlinien und dem Zuteilen der Stände wurde auch die Freigabe für den heutigen Jagdtag erläutert. Zu meiner Überraschung sollten keine Rehe erlegt werden. Hannah erklärte mir später, dass der Abschussplan fast vollständig erfüllt hätten. Es sollte heute ausschließlich auf Wildschwein gehen. Direkt nach Beendigung der Ansprache machte sich eine Aufbruchsstimmung breit. Die Hunde wurden immer unruhiger und auch meine Aufregung stieg stetig an. Gesammelt auf einem Anhänger mit Bänken, wurden alle Treiber ins Revier gefahren. Dort angekommen stellten wir uns in einer Linie auf. Pünktlich um 10 Uhr wurden alle Hunde geschnallt (also von der Leine gelassen) und die Treiber setzten sich in Bewegung. Die erste Stunde war bereits vergangen und bisher haben wir noch kein Wildtier gesehen. Eigentlich hatte ich mir das Ganze spannender vorgestellt, aber ich sollte noch auf meine Kosten kommen. Keine 10 Minuten später lief mir ein Reh fast über die Füße. Wenigstens ein erster Anblick! Aber auch die ersten Sauen wurden kurz darauf gesehen. Allerdings nicht von mir. Das Einzige was ich hörte, waren die Rufe der Treiber. Jetzt hatte auch mich das Jagdfieber gepackt! Beim 'Durchdrücken' der nächsten Dickung wurde es dann hektisch. Der Jagdhund (ein Weimaraner) des Pächters hatte einen Frischling gestellt. Innerhalb weniger Sekunden allerdings war wieder alles ruhig, einer der Hundeführer hatte den Frischling abgefangen, also erlegt. Zeit zum Durchatmen blieb allerdings wenig. In einer Linie ging es weiter. Immer mehr Schüsse fielen und das Gelände wurde für uns Treiber immer anspruchsvoller. Doch das Wissen, dass Sauen im Treiben waren, spornte vor allem mich immer weiter an. Belohnt wurde ich kurze Zeit später. Die 'rechte Seite' der Treiber, zu der auch ich zählte, musste kurz warten, da die 'linke Seite' noch in einer Fläche junger Buchen steckte. Im nächsten Moment hörte ich nur wie links von mir Hannah rief 'Sau nach rechts', also genau in meine Richtung. Ein Schütze vor mir konnte die Sau ebenfalls sehen und hatte ein freies und sicheres Schussfeld vor sich und ließ die Kugel fliegen. Nach einer kurzen Flucht lag die Sau. Ich freute mich riesig! 'Meine' erste Sau. Hannah wünschte dem Erleger 'Waidmannsheil' und auch ich schloss mich ihr an, was direkt mit einem 'Waidmannsdank' erwidert wurde. Die übrigen Treiber schlossen langsam zu uns auf und so ging es gemeinsam dem Ende des Treibens entgegen. Nach über 3 Stunden und mehr wie 9 km durch alle Arten von Gelände, war ich auch froh mich auf den Weg zurück zu den Autos zu machen. Die Hunde wurden eingesammelt.                                                                                               
Mit Beendigung der Jagd trafen sich alle Schützen und Treiber wieder am Treffpunkt. Das erlegte Wild wurde geborgen und eine Nachsuche noch erfolgreich abgeschlossen. Damit stand die Strecke fest: 10 Sauen, davon 7 Frischlinge und 3 Überläufer, und 1 Fuchs. Gemäß der Tradition wurde Strecke gelegt. Jedem Erleger der sogenannte Erlegerbruch durch die Pächter übergeben und dem Wild durch das Verblasen der Totsignale die letzte Ehre erwiesen. Definitiv wieder ein Gänsehaut-Moment für mich!
Von hier aus ging es dann ins Restaurant, womit der gemütlichere Teil des Tages begann. Dort angekommen stand schon ein riesen Topf dampfender Erbsensuppe bereit. Durch die Stille, die sich beim Essen in der Wirtschaft ausbreitete, konnte man merken, dass jedem die Stärkung gut tat: den Schützen, die lange bei kalten Temperaturen auf ihren Ständen ausgeharrt hatten und auch uns Treibern, die doch einige Kilometer zurückgelegt hatten. So wurde mir bewusst, dass jeder heute seinen Beitrag zu dem schönen Jagdtag geleistet hatte. Auch der nach dem Essen gewählte 'Jagdkönig' bedankte sich bei allen Beteiligten für die tolle Jagd und stimmte das erste Jägerlied an. Und je später der Abend wurde, umso abenteuerlicher wurden die erzählten Jagdgeschichten. Gast: Lesley (24), Jägerin: Hannah (24)