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Warum lässt denn keiner die Sau raus?

Mann und Frau machen gemeinsam ein Selfie © gemeinsam Jagd erleben

An diesem ersten Abend haben wir nichts erlegt, worüber ich nicht besonders traurig war, denn an den Gedanken ein Reh oder einen Fuchs zu erlegen, musste ich mich erst gewöhnen. Ich bin kein Vegetarier und von daher sollte mir der Gedanke eigentlich kein Kopfzerbrechen bereiten, schließlich kaufe ich auch billig produzierte Wurst aus dem Supermarkt. Aber durch die Jagd und lange Gespräche mit Eric habe ich erkannt, dass es eine Möglichkeit ist der Natur auf schonende Art gesundes Fleisch zu entnehmen. Mittlerweile habe ich Eric bereits etliche Male auf der Jagd begleitet und das ein oder andere prächtige Stück Wild zu sehen bekommen. Jedes Mal bin ich begeistert von dem Anblick unserer Waldbewohner! Auch bei unserem letzten gemeinsamen Jagdausflug gab es einiges zu hören und zu sehen. Bei diesem hatten wir uns zum Ziel gesetzt eine Sau zu schießen. Das Dorffest im heimischen Ort stand bevor und es war Tradition, dass einer der hiesigen Jäger ein Schwein für den Wildgulasch schießt, welcher zum Frühschoppen serviert werden sollte. Da auch die anderen Waidmänner bisher erfolglos geblieben waren, stieg die Anspannung bei Eric und die Zeit saß ihm förmlich im Nacken. Für mich wäre es auch die erste Jagd gewesen, auf der eine Sau erlegt würde und so hoffte ich, dass das Glück uns hold sein würde.

Der Maisschlag, an den wir uns auf dem dortigen Ansitz platzierten, grenzte an ein größeres Waldgebiet und schien ideal für die Sauenjagd. Eric fährtete die Maiskante fachkundig ab und zeigte mir die Spuren, die für meine Laienaugen nicht ganz so einfach zu erkennen waren. Positiv gestimmt und voller Hoffnung auf Erfolg machten wir es uns bequem und Eric lud seine Waffe und beobachtete mit seinem Fernglas die weitere Umgebung. Wir mussten auch nicht lange warten bis es spannend im Waldgebüsch hinter uns wurde. Eric und ich sahen uns an und dachten wohl beide: 'Jetzt kommen sie gleich raus!' Ich war aufgeregt und hoffte bald was zu sehen. Für seine Geduld muss ich Eric oft bewundern, denn ab und zu erwische ich mich wie mir das Ausharren etwas schwer fällt. Plötzlich auch ein lautes Rascheln im Mais direkt vor uns! Jetzt müsste es doch soweit sein, dachte ich bei mir. Es tat sich auch etwas, wenngleich es keine Sau war, die ich erblicken konnte. Ein Bock hatte sich aus dem Mais erhoben und ging ganz langsam Richtung Waldkante, zwischendurch suchte er immer wieder nach etwas Fressbarem. Ich stubste Eric an und verwies auf das Tier, welches auf meiner Seite stand. Ich konnte am Gehörn erkennen, dass es ein Bock war. Außerdem konnte ich sehen, dass er irgendwie anders aussah, als die Rehe, die ich sonst so gesehen hatte. Sein Fell war struppig und hatte eine ungewöhnlich dunkle Färbung. Außerdem waren seine beiden Hinterläufe von oben an mit Kot bedeckt. Zudem wirkte er ziemlich abgemagert und sah deshalb auch ungesund aus. Eric schien sofort zu erkennen, dass das Tier eine Krankheit plagte, denn er griff zur Waffe und machte sich schussbereit. Er suchte die richtige Schussposition und bevor er abdrücken konnte, war auch alles schon wieder vorbei. Ein erneutes lautes Rascheln im Mais lies das Tier erschrecken, sodass es kurzum die Flucht in den schützenden Wald ergriff. Hinterher erklärte mir Eric, dass der Bock möglicherweise an einer Darmkrankheit oder an Parasiten leide und ein typischer Abschussbock wäre. Schon oft hat er mir erläutert, dass man als Jäger nicht einfach losgehen und alles schießen kann was einem vor die Flinte kommt. Als Jäger sei man eben auch dafür verantwortlich die stark veranlagten Tiere zu schützen und zunächst der Natur die Kranken zu entnehmen, um den gesunden Erhalt der Art zu gewährleisten. Aber stopp! Wir brauchten doch ein Borstentier und keinen Bock. Also hoffte ich weiter, dass endlich mal jemand die Sau rauslassen würde, damit der alljährliche Frühschoppen in gewohnter Manier mit Wildschweingulasch begangen werden konnte. Nicht auszudenken, wenn diese Tradition unterbrochen werden würde! Das immer wieder kehrende Rascheln im Mais vor und im Wald hinter uns hörte sich viel versprechend an und so dachte ich, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Eric einen Schuss abgeben konnte. Mittlerweile wurde der Abend immer mehr in dunkle Schatten gehüllt, sodass ich irgendwann begann mich schwer zu tun in der Ferne etwas zu sehen. Eric fiel das aufgrund seines sehr guten Fernglases jedoch erheblich leichter. Als dann die endgültige Dunkelheit hereinbrach und mein begleitender Waidmann sagte, dass man bei dieser Sicht keine Waffe mehr abfeuern könne, saß die Enttäuschung tief. Zwar hatten wir einen wunderbaren Spätsommerabend im Einklang mit unserer einzigartig facettenreichen Natur genießen können, doch konnte ich innerlich bereits die nörgelnden Worte der anderen Dorfbewohner über den fehlenden Wildschweingulasch hören. Eine Sau wollte sich an diesem Abend nicht mehr zeigen, doch zwei arme Schweine konnte man auf dem leisen Weg nach Hause beobachten. Gast: Jenny, Jäger: Eric


Gemeinsam Jagd erleben - Autor Gemeinsam Jagd erleben ist eine Aktion für Öffentlichkeitsarbeit der dlv-jagdmedien und des DJV.
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