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Klaus und Anke

Gemeinsam Jagd erleben - Autor
am
Donnerstag, 01.01.2015 - 12:03
Mann sieht mit Fernglas aus dem Hochsitz © gemeinsam Jagd erleben

Ein Brief der Firma Sauer erinnert mich daran und überraschte mich zugleich mit der Information, dass ich zu den glücklichen Gewinnern eines Jagd-Wochenendes auf dem Gut Grambow in Mecklenburg-Vorpommern zählte. Doch damit nicht genug, auch eine nichtjagende Person durfte mich auf meiner Reise begleiten. Die Wahl fiel sofort auf meinen Freund Klaus, der mit mir schon mehrere Stunden auf dem Hochsitz verbracht hatte, und sich sichtlich über das bevorstehende Jagd-Wochenende freute.
Nach einer langen, aber unproblematischen Autofahrt kamen wir auf Gut Grambow an und wurden sehr herzlich empfangen. In einer kurzen Vorstellungsrunde lernten wir das gesamte Organisationsteam und die Gewinner kennen. Alle Beteiligten waren uns sofort sympathisch. Anschließend fuhren wir bei strömendem Regen zum nahgelegenen Schießstand, wo uns verschiedene Repetierer der Firma Sauer vorgestellt wurden. Auch Klaus durfte nach einer Einführung und unter Aufsicht auf die 100 Meter weit entfernte Zielscheibe schießen, mit großem Erfolg. Bei den zwei abgegebenen Schüssen traf er zweimal mitten auf die Zehn. Wenn das keine idealen Voraussetzungen für den eigenen Jagdschein sind. Nach zwei unterhaltsamen Stunden auf dem Schießstand ging es zurück zum Gut, wo Kaffee und frisch gebackener Kuchen auf uns warteten. Gestärkt ging es anschließend auf Entenjagd (den sogenannten Entenstrich).
Nun hieß es abwarten, still sein und bloß nicht falsch bewegen. Noch vor Beginn der Dämmerung fielen die ersten Enten am Teich ein. Sieben Stück konnten wir an diesem Abend erlegen, die sogleich eingesammelt und gerupft wurden. Beim gemeinsamen Abendessen am wärmenden Kamin, plauderte man noch bis tief in die Nacht über das Erlebte und knüpfte neue Freundschaften. Auch mein Freund fand schnell Kontakt zu Jagd und Jägern.
Am nächsten Morgen ging es schon früh ins Revier. Abgesetzt an der Straße, mussten wir bei völliger Dunkelheit noch zirka 700 Meter quer über ein Rapsfeld laufen, ehe wir den geräumigen Hochsitz erreichten. Häuslich eingerichtet, lauschten wir dem Erwachen des Tages. Mit Beginn der Morgendämmerung konnten wir in weiter Entfernung mehrere Rehe ausmachen. Es machte mich wirklich glücklich, meinen Freund neben mir sitzen zu haben und zu sehen, wie er mit seinem Fernglas die Landschaft beobachtet. Man merkte, dass ihn die Jagd wirklich interessiert.

Es dauerte nicht lange, als ein einzelnes Reh auf den vor uns liegenden Acker zog. Mein Freund fragte mich im Flüsterton 'Ricke?' und schaute dabei durch das Fernglas. Ich nickte und wir beobachteten noch einige Minuten das Reh und die Umgebung. Es war schon älter und allein auf weiter Flur. Ein kurzer Blick rüber zu meinem Freund signalisierte meine Absicht. Er nickte bejahend zurück. Der Schuss saß. Mein Freund wünschte mir ein herzliches 'Waidmannsheil' und wir fielen uns in die Arme.
Wenn ich einen Schuss abgegeben habe, bin ich die ersten Minuten immer sehr ruhig und lasse die letzten Momente Revue passieren. Ich müsste lügen, wenn ich behaupte, dass ich beim Erlegen nichts fühle. Es ist jedes Mal eine regelrechte Gefühlsachterbahn. Um 9 Uhr verließen wir den Hochsitz. Klaus ging zielstrebig zum erlegten Wild, während ich im nahgelegenen Wald nach dem sogenannten 'letzten Bissen' suchte. Der Zweig einer Eiche beispielsweise, welcher dem Wildtier als Geste der letzten Ehre überreicht wird. Der andauernde Regen und die schwere Beute erschwerten den Rückweg. Die anderen Jäger warteten bereits am Treffpunkt und eilten uns sogleich zu Hilfe. Nachdem das Reh fachgerecht versorgt wurde, ging es zum Frühstück. Jäger und Nichtjäger tauschten bei Kaffee und frischen Brötchen ihre Erlebnisse vom morgendlichen Ansitz aus.
Nach einer kurzen Ruhepause ging es wieder ans Werk. Koch Stefan Liebler zeigte uns, wie Wild in Carree, Rollbraten und Medaillons zerlegt wird. Gulasch war gestern! Hiervon profitierten auch die erfahrenen Jäger. Nach der Schulung verzog sich der Koch mit den Leckereien in die Küche und für uns war es wieder an der Zeit, zum Abendansitz aufzubrechen. Also Sachen gepackt und raus in die Natur. Dieses Mal ließ sich aber kein Wild blicken und so genossen wir die frische Herbstluft.
Der letzte Abend versprach ein echtes Highlight zu werden. Das angekündigte 5-Gänge-Menü stand ganz im Zeichen des Wildes. So gab es unter anderem Hirsch-Carpaccio und gebratene Brust von der selbst erlegten Ente. Wir ließen den Abend gemeinsam vor dem knisternden Kamin ausklingen und waren uns alle einig, dass diese Aktion voll ins Schwarze getroffen hatte. Somit war dieses Wochenende nicht nur für mich als Jägerin eine neue und abwechslungsreiche Erfahrung, sondern auch für meinen Freund ein großer Schritt zum eigenen Jagdschein. Gast: Klaus (Beruf: Polizist), Jägerin: Anke (Beruf: Ausbildung)