Geweihstangen zum Kauen für Hunde: Wie gesund sind sie wirklich?


Als Jäger fallen sie einem direkt ins Auge: Die Auslagen mit Geweih- und Gehörnstücken in den Zoohandlungen. Für stolze Preise (z.B. 9,99 € für 50-80 g bei Fressnapf) werden die Stangenstücke angeboten. Auch immer mehr Jäger bieten ihren Vierläufern Abwurfstangen an. Aber warum ist das so? Zahnhygiene hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, und das Bewusstsein für „Zahnpflege“ wächst kontinuierlich. Neben künstlich hergestellten Zahnreinigungsprodukten setzen immer mehr Hundehalter auf natürliche Produkte wie Kauwurzeln oder eben Geweihe. Der natürliche Kaugenuss verspricht nicht nur eine artgerechte Beschäftigung, Geweihe sind auch reich an Mineralstoffen. Die in den Zoohandlungen angebotenen Geweihe stammen laut den Etiketten zum größten Teil aus Deutschland sowie aus den EU-Nachbarländern.

Entzündungen als Folge

Sind Geweihe nun tatsächlich eine Wohltat für das Hundegebiss? Dr. Lorenz Schmid, Fachtierarzt für Zahnheilkunde der Kleintiere und Klinikleitung der Tierklinik Oberhaching, rät dringend von der Gabe an Hunde ab. Die Knochenrinde (Substantia compacta) der Geweihe ist zu hart für den Zahn. „Der Hund besitzt enorme Kräfte im Kiefer, wodurch es bei der Bearbeitung von Geweihstangen sehr leicht zu Absplitterungen an den Backenzähnen und speziell am oberen Reißzahn, dem P4, kommen kann“, erklärt der Veterinär. Die dadurch entstanden Abspreng-Frakturen können schnell zu Entzündungen führen.

Tierärzte warnen: Das Verfüttern von Geweihstücken kann für den Hund ernste Folgen haben. © KF

Tierärzte warnen: Das Verfüttern von Geweihstücken kann für den Hund ernste Folgen haben.

Kaupflege ist wichtig

„Da Hunde, ähnlich wie der Wolf, ihre Schmerzen nicht zeigen, um ihre Rudelposition nicht zu verlieren, werden die Entzündungen oft erst spät bemerkt“, weiß Dr. Schmid aus langjähriger Erfahrung. Oftmals würde erst eine Umfangsvermehrung unter dem Auge auf einen Entzündungsherd und die Verletzung hinweisen. Umso wichtiger sei es, die Zähne des Vierbeiners regelmäßig vom Tierarzt kontrollieren zu lassen.

Doch brauchen Hunde überhaupt derartige Kauartikel? Für ein gepflegtes Hundegebiss sei der mechanische Abrieb wichtig, erklärt der Fachtierarzt. Doch die meisten auf dem Markt befindlichen Artikel seien nicht auf ihre Wirksamkeit getestet. Er empfiehlt deshalb, bei der Wahl der Pflegeprodukte für das Hundegebiss auf das VOHC-Prüfsiegel (Veterinary Oral Health Council) oder EVDS-Prüfsiegel (European Veterinary Dental Society) zu achten. Nur bei diesen Produkten wurde eine Wirksamkeit klinisch getestet.

Generell gilt aber, dass Kauartikel mit dem Finger eindrückbar sein müssen, damit sie am Hundezahn keine bleibenden Schäden verursachen. Auch Knochen seien für das Hundegebiss zu hart und können zu Verletzungen führen, wenn der Vierbeiner auf ihnen herumbeißt. Viele Hundeführer gehen mittlerweile dazu über, ihren Hunden die Zähne zu putzen. „Ob normale Hundezahnbürste oder Ultraschallzahnbürste ist dabei egal, man sollte jedoch nur speziell für Hunde entwickelte Bürsten und Zahnpasta nutzen“, erklärt der Fachtierarzt für Zahnheilkunde. Die Gewöhnung an die Zahnbürste sei nicht schwer. Viele Hunde würde nach kurzer Zeit schon das tägliche Zähneputzen einfordern. Es sei dabei ausreichend, die Zähne an der Außenseite im Oberkiefer, sowie im Unterkiefer (inklusive Eckzähne) zu putzen. Den Rest erledigt die Zunge.

Übrigens, dass die Gabe von Trockenfutter der Bildung von Zahnstein entgegenwirkt, sei ein Irrglaube. Das Futter zerbröselt in der Regel sobald der Hunde draufbeißt und besitzt somit keine reinigende Wirkung.

So funktioniert das Zähneputzen beim Hund


Kathrin Führes geboren in Lingen, Jagdschein seit 2014, hat nach dem Abitur Forstwissenschaft an der TU München studiert und ist nun seit 2015 bei der PIRSCH.
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